Zwischen Raubvögeln

(eingestellt:ohmannohjens)

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Wer hier hinabwill,

wie schnell schluckt den die Tiefe!-

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Aber Du, Zarathustra,

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liebst den Abgrund noch,

tust der Tanne es gleich? –

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Die schlägt Wurzeln, wo

der Fels selbst schaudernd

zur Tiefe blickt-

*

die zögert an Abgründen,

*

wo Alles rings hinunter will:

zwischen der Ungeduld

wilden Gerölls, stürzenden Bachs

geduldig duldend, hart, schweigsam,

*

einsam …

*

Einsam!

Wer wagte es auch,

hier Gast zu sein,

Dir Gast zu sein?…

Ein Raubvogel vielleicht:

der hängt sich wohl

dem standhaften Dulder

schadenfroh ins Haar,

mit irrem Gelächter,

einem Raubvogel-Gelächter …

*

Wozu so standhaft?-

*

höhnt er grausam:

*

man muß Flügel haben, wenn man den Abgrund liebt …

*

man muß nicht hängen bleiben,

*

wie Du, Gehängter! –

*

Oh Zarathustra,

grausamster Nimrod!

*

jüngst Jäger noch Gottes,

*

das Fangnetz aller Tugend,

*

der Pfeil des Bösen!

*

Jetzt-

*

von Dir selber erjagt,

*

Deine eigene Beute,

/

in Dich selber eingebohrt …

/

Jetzt –

/

einsam mit Dir,

/

zwiesam im eignen Wissen,

/

zwischen hundert Spiegeln

/

vor Dir selber falsch,

/

zwischen hundert Erinnerungen

ungewiß,

/

an jeder Wunde müd,

/

an jedem Froste kalt,

/

in eignen Stricken gewürgt,

/

Selbstkenner!

/

Selbsthenker!

*

Was bandest Du Dich

mit dem Strick Deiner Weisheit?

/

Was locktest Du Dich

ins, Paradies der alten Schlange?

/

Was schlichst Du Dich ein

in Dich – in Dich? …

*

Ein Kranker nun,

der an Schlangengift krank ist-

/

ein Gefangner nun,

/

der das härteste Los zog:

/

im eignen Schachte gebückt arbeitend,

/

in Dich selber eingehöhlt,

/

Dich selber angrabend,

/

unbehülflich,

/

steif,

/

ein Leichnam-

/

von hundert Lasten übertürmt,

/

von dir überlastet,

/

ein Wissender!ein Selbsterkenner!

der weise Zarathustra! …

/

Du suchtest die schwerste Last:

/

da fandest Du Dich -,

/

Du wirfst Dich nicht ab von Dir …

*

Lauernd,

/

kauernd,

/

Einer, der schon nicht mehr aufrecht steht!

/

Du verwächst mir noch mit  Deinem Grabe,

/

verwachsener Geist!

*

Und jüngst noch so stolz,

/

auf allen Stelzen deines Stolzes!

/

Jüngst noch der Einsiedler ohne Gott,

/

der Zweisiedler mit dem Teufel,

/

der scharlachne Prinz jedes Übermuts! …

*

Jetzt-

/

zwischen zwei Nichtse

eingekrümmt,

*

ein Fragezeichen,

*

ein müdes Rätsel-

*

ein Rätsel für Raubvögel …

*

sie werden Dich schon ”lösen”,

*

sie hungern schon nach deiner ”Lösung”,

*

sie flattern schon um dich, ihr Rätsel,

*

um dich, Gehenkter! …

*

Oh Zarathustra! …

*

Selbstkenner! …

*

Selbsthenker! …

Friedrich Nietzsche 1844-1900

 

2 Gedanken zu “Zwischen Raubvögeln

    • Ich hoffe, ich gebe folgendes Gedicht von Nietze richtig wieder:

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      Jenseits der Zeit

      Diese Zeit ist wie ein krankes Weib
      lasst sie nur schreien, rasen, schimpfen und Tisch und Teller zerbrechen.

      umhergetrieben, aufgewirbelt-

      auf allen Oberflächen habt ihr schon gesessen,

      auf allen eiteln Spiegeln schon geschlafen-

      Staub

      solche macht man mit Gründen mißtrauisch
      mit erhabnen Gebärden überzeugt man sie

      Zurück! Ihr folgt mir zu nahe auf den Füßen!
      Zurück, dass meine Wahrheit euch nicht den Kopf zertrete!

      erreglich gleich greisen Völkern
      an Gehirn und Schamteilen

      außer sich, dem Hunde gleich, vor Hingebung

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      …..jetzt hoffe ich, dass ich von gewissen (Un)frauen nicht zerrissen werde…..Aber ich schiebe die Schuld auf den Verfasser….tztztztz…wie konnte er nur so über die holde Weiblichkeit denken?….

      …pssst, ich finde seine Zeilen passen ganz hervorragend in unsere heutige Zeit- ist ein verflixt zeitloses Gedicht von ihm!!!!!

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