Wenn Frauen, ohne das männliche Gewalthormon Testosteron….

uns den Status Mann- immer Täter, streitig machen wollen:

 

In einem Haus im aargauischen Dottikon spielten sich jahrelang schauerliche Szenen ab. Die spirituelle Beraterin M. S. (Initialen geändert), eine knapp 60 Jahre alte Esoterikerin, scharte im Lauf der späten 90er-Jahre eine Gruppe um sich und formte sie zu einer Sekte. Mit vielschichtigen Manipulationstechniken machte sie verzweifelte Ratsucherinnen – mehrheitlich Frauen – von sich abhängig und bestimmte ihr ganzes Leben.

Es begann harmlos mit esoterischen Beratungen und Fussreflexzonen-Massage. Dann bildete M. S. 1998 mit ihren Klientinnen eine Hexengruppe, in der sie Rituale und Meditationen durchführte. Eine Lehrerin konsultierte die Beraterin wegen Burn-out-Problemen. «Sie hat mir wie eine Hellseherin Sachen aus meinem bisherigen Leben erzählt, die mich staunen liessen», berichtet sie. Psychisch ging es ihr bald besser, sie schloss sich der Gruppe an. «Als M. S. vor etwa acht Jahren Schülerin des deutschen spirituellen Meisters OM Parkin wurde, begann sie sich zu radikalisieren», sagt die Lehrerin.

M. S. organisierte Seminare («Reise ins Ich»). «Ziel war die Überwindung des Egos, die Entwicklung der reinen Liebe, die Erleuchtung und Verbindung mit Gott», berichtet eine ehemalige Anhängerin.

Kontrollwahn nahm zu

M. S. mischte sich immer stärker ins Privatleben ihrer Anhänger ein. Ehepaare durften im Seminar nicht mehr im gleichen Zimmer schlafen, Sex wurde als triebhafte Begierde abgewertet, die den geistigen Aufstieg behindere. Bald begann M. S. auch, Ehepaare so vor der Gruppe zu kritisieren und demontieren, dass manche Beziehungen daran zerbrachen. Die Sektenführerin entwickelte einen Kontrollwahn. Bis hin zur Frisur, den Kleidern und Wohnungseinrichtung mischte sie sich ins Privatleben der Anhänger ein. Manche zogen nach Dottikon oder mieteten Wohnungen oder Häuser ihrer Meisterin. Vor den Seminaren, die oft bis Mitternacht dauerten, mussten sie Geld, Kreditkarten und Hausschlüssel abgeben. M. S. stellte so sicher, dass niemand abhauen konnte, erzählen ehemalige Teilnehmer.

"M. S. baute allmählich ein Angstregime auf", sagt ein Aussteiger, der den Fall zusammen mit andern Opfern der Zürcher Beratungsstelle Infosekta meldete.

"Jeder überwachte jeden, alle denunzierten sich gegenseitig. Jede bekam eine Jahrespartnerin, die wichtiger war als der eigene Ehepartner", berichtet die Lehrerin. Die Sektenführerin jagte ihren Anhängern auch Angst ein: 

Wer aussteige, würde eine Krankheit erleiden oder verunfallen.

Wüste Schlägereien

Die Gewaltexzesse begannen damit, dass M. S. begriffsstutzige Anhänger wachrüttelte–  im eigentlichen Sinn des Wortes.

"Sie hatte immer häufiger cholerische Anfälle und ging auf Einzelne los. Bald hetzte sie Seminarteilnehmer aufeinander, es kam zu wüsten Schlägereien", erzählt eine Aussteigerin. Blaue Flecken seien die harmlosesten Verletzungen gewesen:

"Ich wurde heftig gebissen, ein Mann erlitt einen Rippenbruch", berichtet ein Aussteiger. Auch M. S. erlaubte sich Übergriffe: "Sie sprang auf liegenden Anhängern herum, traktierte sie mit spitzen Schuhen oder schlug einmal wie von Sinnen mit den Absätzen ihrer Stöckelschuhe auf sie ein."

Mit den Schlägen sollte das Ego ausgetrieben und die spirituelle Entwicklung gefördert werden. Keiner der Anhänger hat es gewagt, M.S. bei der Polizei anzuzeigen.

"Ich wollte längst aussteigen, hatte jedoch Angst, dass M. S. mir ihre Gruppe auf den Hals hetzt", sagt eine ehemalige Anhängerin. "Als die körperlichen Übergriffe immer brutaler wurden und eine Kollegin eingesperrt wurde, hielt ich es nicht mehr aus und wagte dann doch den Absprung."

M. S., die weiterhin Seminare mit einer Gruppe von rund 20 Personen durchführt, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Ein ausführlicher Bericht ist auf www.infosekta.ch zu finden.

http://www.infosekta.ch/media/pdf/VW_Fall_Dottikon_modifiziert_Mai_2011_.pdf

 

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