Wenn das Recht für Jungs und Männer beschnitten wird

(eingestellt:ohmannohejens)

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Anspruch und Wirklichkeit der medizinisch indizierten Beschneidung von Jungen
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Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 2 Absatz 2
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ZITAT:

„Bei Phimose ist eine Zirkumzision meist unnötig …

Die meisten Jungen mit Phimose können konservativ behandelt werden, und zwar mit kortisonhaltiger Creme. Operationen sind nur bei schweren Komplikationen nötig.“

„Bei gegebener Operationsindikation muss den Eltern neben der radikalen Zirkumzision … auch eine geeignete vorhauterhaltende Technik in Form einer Vorhautplastik … angeboten werden.“

Die männliche Vorhaut muss als integrierender normaler Bestandteil des äußeren Genitales betrachtet und respektiert werden. Sie gehört zur Glans wie das Lid zum Auge.

Es kann nicht sein, dass im Zeitalter der minimal invasiven Chirurgie und der organerhaltenden Operationstechniken … ein gesunder oder nur teilweise erkrankter Körperteil meist ohne direkte Zustimmung des Betroffenen einfach entfernt wird.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Michael Rauchenwald, Donau-Spital, Wien.
Soweit der Anspruch. Die moderne Medizin am Beginn des 21. Jahrhunderts verfügt selbstverständlich über die Möglichkeiten, diesem Anspruch zu genügen!
Die Realität aber ist bedauerlicherweise häufig eine andere, sowohl, was Aufklärung von Kindern, Jugendlichen und Eltern, als auch was den Umgang mit den meist sehr jungen Patienten angeht – vor, aber auch nach der Operation.
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Symptome

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Ein Gespenst namens Phimose!

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Die Gründe, die Eltern dazu bewegen, ihren Sohn einem Arzt vorzustellen, sind häufig
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Entzündungen oder Rötungen der Vorhaut und/oder der Eichel (Balanitis /Balanoposthitis)

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Probleme beim Wasserlassen
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Aufblähen der Vorhaut beim urinieren
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Ganz allgemein: Die Vorhaut lässt sich nicht zurückschieben (Unkenntnis, dass dies bei Kindern ein völlig normaler Zustand ist, sofern keine Entzündungen o. ä. hinzutreten).

Bei größere Jungen etwa ab der Pubertät ist meist eine im erigierten Zustand des Penis nicht vollständig zurückziehbar Vorhaut Grund, irgendwann doch zum Arzt zu gehen (Hintergrund: Hygiene, Selbstbefriedigung, Probleme beim Geschlechtsverkehr).
Oft bleibt eine Phimose symptomfrei, d. h. die Vorhaut ist zwar verengt und lässt sich nicht vollständig zurückziehen, aber die Jungen haben keine Schmerzen. Sie fühlen sich auch nicht eingeschränkt oder krank.
Das einzige Problem, das diese Jungen haben, ist, dass Ärzte, Erzieher, Eltern oder die Nachbarin glauben, die Jungen hätten ein Problem. Und so redet man über die Jungen, aber nur selten mit ihnen – und oft bleibt es nicht beim Reden …

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Dennis (14 Jahre, mit 11 beschnitten):

Es fing damit an, dass Dennis sich ständig im Bad einschloss. Seine Mutter nahm das hin. Irgendwann entwickeln schließlich alle Kinder ein Schamgefühl im Bezug auf ihren Intimbereich. Dass der Junge den gut gemeinten, wenn auch „nervenden“ Hinweis auf seine Genitalhygiene jeweils mit einem Wutanfall und „Türen knallen“ quittierte, machte die Mutter dann aber doch stutzig.
„Sie hat so lange genervt, bis ich ihr erzählt habe, dass meine Vorhaut nicht zurückgeht wie bei den anderen Jungs.“
„Wie bei den anderen Jungs“ – Dennis selbst hatte kein Problem damit. Er hatte lediglich gesehen, dass andere Jungen ihre Vorhaut zurückziehen können, er aber nicht. Der Junge glaubte daher, er sei krank oder „unnormal“ entwickelt und das allein war der Grund, weswegen er sich überwand, mit der Mutter zu reden.

Dennis ist Förderschüler. Er schämt sich dafür – und nun ist er auch noch „da unten“ anders, als die anderen …

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Erik (34 Jahre, mit 12 Jahren beschnitten):

„Ich wurde (beschnitten), weil ich das Pech hatte, als Zwölfjähriger aufs Internat zu kommen. Unsere Internatsärztin war Deutschamerikanerin und hatte die Zeit davor in den USA praktiziert. Wie selbstverständlich dort Beschneidungen sind, brauche ich … sicher nicht zu sagen … Eltern, die dort ihre Kinder nicht beschneiden lassen, werden drüben ganz schief angesehen, etwa so, als würde man hier Kinder nicht gegen Kinderlähmung impfen … Jedenfalls kam bei dieser Ärztin kaum ein Junge ohne Überweisung zum „Beschneider“ durch die Eingangsuntersuchung.“

Auch Erik hatte, genau wie Dennis, kein Problem. Diesmal war es die Ärztin (und deren Vita), die dem Jungen quasi eine prophylaktische Routinebeschneidung aufzwang – weil sie es so aus den USA kannte und nichts Besonderes dabei fand. Dass sie zudem die Hilflosigkeit des Jungen ausnutzte – ihr musste schließlich klar sein, dass elterliche Einwände nicht zu befürchten sind – verleiht dem Vorgang einen besonders perfiden Beigeschmack.

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Chris (5 Jahre):

Die Mutter (sinngemäße Wiedergabe): „Beim Waschen hatte ich bemerkt, dass Chris’ Vorhaut an der Spitze etwas gerötet war. Ob er Schmerzen hatte? Er hat sich oft da hin gefasst, aber nichts gesagt und auch nicht geweint. Allerdings ging die Haut gar nicht zurück und da bin ich lieber mal mit ihm zum Arzt gegangen.“

Wer Söhne hat weiß: Es ist völlig normal, dass sie sich manchmal, ohne sich dessen selbst richtig bewusst zu sein, an den Penis fassen. Es ist sogar nützlich! Meist „spielen“ sie nämlich mit ihrer Vorhaut, indem sie die Haut nach vorne in die Länge ziehen – und somit den natürlichen Ablösungsprozess von der Eichel unterstützen.

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Matthias (33 Jahre, mit 14 beschnitten):

„Es war einmal … ein Unfall beim Schulsport. Keine große Sache, Fuß umgeknickt, Bänderdehnung. Aua! Also ab zum Orthopäden und gewartet. Ohne Termin kann das allerdings einige Zeit dauern.“
Und in jenen Minuten, die schließlich zu Stunden werden, weckt eine Illustrierte das Interesse des 14jährigen:

Kleiner Eingriff löst alle Probleme!“

steht da in großen Buchstaben zwischen Backrezepten und Tamponwerbung. Der kleine Junge auf dem Foto sieht glücklich aus – nach „seinem“ kleinen Eingriff.
Dass man dem etwa 6jährigen die komplette Vorhaut abgeschnitten hat steht zwar nicht im Artikel (man will ja niemanden verschrecken), wohl aber der Grund der Operation: Phimose! Wegen eben dieser Phimose konnte der Kleine nicht  geradeaus pinkeln! Na ja, und damit Mama nicht so viel Arbeit beim Saubermachen der Toilette hat wollten die Eltern das gern „begradigt“ wissen …
„Es gab also einen (wie es hieß) ganz kleinen und harmlosen „Eingriff“, der meiner Erinnerung nach auch nicht weiter beschrieben war, der aber einen Namen hatte: Phimose-OP.“
„Phimose? Das Wort hatte ich schon mal irgendwo gelesen. Nur wo? Richtig: In meinem Untersuchungsheft. Da haben doch tatsächlich irgendwelche schrulligen Ärztinnen, als ich ein paar Monate alt war, an meiner Vorhaut herumexperimentiert und mir den Stempel „Phimose“ verpasst.“
Phimose bei einem kleinen Jungen

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Dew10610_fm-1.jpg

Irgendwie ist der Sportunfall plötzlich zweitrangig. Die Frage für Matthias lautet jetzt: „Habe ich eine Phimose oder nicht?“
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Diagnose

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Peinliche Vorstellung

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Was passiert bei einer „Phimose-Untersuchung“?

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Es ist mir peinlich, mit meinen Eltern zu reden. Kann ich auch alleine zum Arzt gehen?

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Was macht der Arzt/die Ärztin, wie läuft die Untersuchung ab?

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Tut das weh?

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Muss ich mich vor einer Schwester ausziehen, wer ist bei der Untersuchung dabei?

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Wenn ich operiert werden muss: Was wird da gemacht? Tut das weh? Wie sieht es hinterher aus?

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Größere Jungen wollen natürlich auch wissen, ob sich hinsichtlich Masturbation oder Geschlechtsverkehr irgendwas ändert –
Fragen betroffener Jungen, die den Erwachsenen nur selten offen gestellt und noch seltener vernünftig beantwortet werden.
Sofern Jungen heute überhaupt etwas über Phimose wissen verbinden sie diesen Begriff fast immer mit Beschneidung, „da wird die Vorhaut abgeschnitten“ usw. Dass dies in den meisten Fällen völlig unnötig ist wissen sie nicht.
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Im Unterschied zur Aufklärung von Mädchen, z. B. vor dem ersten Besuch beim Frauenarzt, werden Jungen mit intimen Problemen allein und völlig im Unklaren gelassen.

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Worum geht es bei der ärztlichen Untersuchung?

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Zunächst unterscheidet man vor allem bei kleinen Jungen zwischen einer Vorhautverengung (Phimose) und einer Vorhautverklebung (Konglutination, Adhäsion). Beide Erscheinungen sind im Kleinkindalter völlig normal und können manchmal bis zur Pubertät bestehen. Sie müssen normalerweise nicht vom Arzt behandelt werden, wenn der Junge keine Schmerzen, Entzündungen oder Probleme beim Pinkeln hat und sich die Vorhaut z. B. nicht „aufbläht“.

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Versuche der Eltern oder des Arztes, die Vorhaut zurückzuschieben, sollten unterlassen werden. Größere Jungen können das vorsichtig selbst versuchen – es muss aber nicht klappen. Es darf auf gar keinen Fall Gewalt angewendet werden. Der erste Mensch, der die Vorhaut eines Jungen zurückzieht, sollte der Junge selbst sein!

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Wie läuft die Untersuchung ab?

Du kannst mit Deinen Eltern oder allein zum Arzt gehen. Du brauchst einen Termin (vorher anrufen) und Deine Chipkarte (siehe auch Beitrag „Gezeichnet fürs Leben“ auf dieser Website).
Normalerweise wird der Arzt zunächst versuchen, Dir die Angst zu nehmen und mit Dir ins Gespräch zu kommen. Vielleicht redet Ihr erstmal über etwas ganz anderes, damit Ihr Euch ein wenig kennen lernt. Den meisten Jungen ist die Untersuchung total peinlich und deshalb ist es wichtig, dass Dir der Arzt nicht unsympathisch ist.
Im Gespräch mit Dir (und Deinen Eltern) wird der Arzt erfragen, welche Beschwerden Du hast und ob diese schon häufiger aufgetreten sind.
Bevor Du untersucht wirst kannst Du darum bitten, dass der Arzt Deine Eltern rausschickt, solange Du untersucht wirst. Ein guter Arzt wird Dich außerdem vorher fragen, ob Du mit der Untersuchung einverstanden bist.
Die Untersuchung findet manchmal stehend und manchmal auf einer Pritsche liegend statt. Meistens müssen die Jungs dazu nur Hose und Unterwäsche ein Stück nach unten ziehen.
Um festzustellen, ob und wie beweglich die Vorhaut ist, wirst Du aufgefordert, sie zurück zu ziehen, soweit es ohne Problem geht. Manchmal tut das auch der Arzt. Er wird die Vorhaut nur soweit zurückstreifen, wie dies ohne Schmerzen und Verformung der Eichel möglich ist.
Bei einer Phimose achtet der Arzt darauf, ob sich beim Zurückziehen der Vorhaut ein Schnürring zeigt, ob die Eichel beim Durchgang durch die Vorhautöffnung zusammengedrückt wird, ob Vorhaut und Eichel entzündet sind, ob eine Verklebung zwischen

Vorhaut und Eichel besteht oder ob ein zu kurzes Vorhautbändchen Ursache der Probleme sein kann.

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Tut die Untersuchung weh?

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„Würden Sie den Jungen bitte mal fest halten?“

fragt der Arzt die Mutter eher beiläufig, während er den Penis des Knaben untersucht.
Fast im gleichen Moment schreit Chris vor Schmerzen auf. Genau wie bei Erik hat der Arzt die Vorhaut des Jungen mit einem kräftigen Ruck nach hinten gezogen. Der kleine Junge will nur noch eines – zu seiner Mama, die er auch auf dem Weg nach Hause nicht mehr los lässt!

So unglaublich es klingt: Chris wurde NICHT operiert! Seine Mutter war von dieser Szene so entsetzt, dass sie die „Behandlung“ sofort abgebrochen hat. Körperlich ist Chris heute gesund. Ob er tatsächlich eine Phimose oder Vorhautverklebung hatte?

Psychisch allerdings dürfte die Sache noch längst nicht ausgestanden sein. Er hat Angst vor Ärzten!

Was dieses Trauma später einmal anrichten kann, wenn es um wirklich notwendige medizinische Behandlungen geht, darf sich jeder selbst ausmalen.

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Die Operation und das Leben danach

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Notwendige Beschneidung oder

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Beschneidung auf das Notwendige?

Die Beschneidung selbst ist für die meisten Jungen und Männer ein „weißer Fleck“ in ihrem Leben, da die OP bei Kindern in der Regel in Vollnarkose erfolgt. Auch viele Eltern haben keine Vorstellung davon, wie eine solche Operation abläuft.

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Was passiert im Operationssaal?

Die Operation erfolgt unter Vollnarkose. Du spürst dabei nichts (außer der Spritze für die Narkose, falls keine Maske verwendet wird). Zunächst wird der Genitalbereich des Jungen desinfiziert. Zu Beginn der Operation wird die Vorhaut mit einer Schere längs aufgeschnitten. Eine evtl. noch bestehende Vorhautverklebung wird gelöst. Nun wird das „Operationsgebiet“ erneut gereinigt und desinfiziert. Das Abtragen der Vorhaut erfolgt je nach Beschneidungsmethode auf unterschiedliche Weise.
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Ein Beispiel für eine sog. freihändige Beschneidung mit Bildern findest Du hier:
http://www.aerzteverlag.de/buecher/buchimg/extra_1046.pdf
(PDF ca. 510 KB)

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Dabei wird die Vorhaut, nachdem sie zunächst längs aufgeschnitten wurde, mit einer Schere in Höhe des hinteren Eichelrandes abgeschnitten. Das Frenulum bleibt teilweise erhalten. Abb. a auf S. 201 veranschaulicht, wie groß die sensible Innenfläche der Vorhaut ist, die bei der Beschneidung fast vollständig entfernt wird.
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Eine Beschneidung mittels Gomco-Klemme verläuft wie folgt:

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Die Vorhautöffnung wird mittels Schere durch einen Längsschnitt erweitert. Eine mit der Eichel verklebte Vorhaut wird gelöst.
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Die Vorhaut wird hinter die Eichel zurückgezogen. Über die Eichel wird eine kleine Metallglocke gestülpt.
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Die Vorhaut wird nach vorn straff über die Glocke gezogen und an der Spitze fixiert (zugebunden). Aus der Vorhautöffnung ragt nun nur noch der kleine stiftförmige Griff der Glocke.
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Der Penis mit der über die Glocke gespannten Vorhaut wird in die Klemme eingespannt. Die Klemme hält oben den Griff der Glocke und unten den unter der Vorhaut liegenden Rand der Glocke fest. Zwischen unterer Klemme und Glocke ist die Vorhaut „eingeklemmt“. Die Klemme wird fest angezogen und die Blutzufuhr der Vorhaut damit unterbunden.
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Mit einem Skalpell wird die Vorhaut hinter der Eichel rundum vom Penis abgeschnitten. Dabei dient die Oberfläche der Glocke als „Unterlage“, damit Penis und Eichel nicht verletzt werden.
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Bei einer radikalen Beschneidung werden 30 – 50 % der gesamten Penishaut entfernt. Die hochsensible und für die Wahrnehmung 10
feinster taktiler Reize geschaffene Eichel liegt nun komplett und für immer frei.
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Die körperlichen und psychischen Folgen für den Jungen sind unabsehbar. Sie reichen von „gar keine wahrnehmbaren Auswirkungen“ über „deutliche Reduzierung der sexuellen Reizwahrnehmung“ (sexuelle Gefühlswahrnehmung ist eingeschränkt oder fehlt ganz) bis „dauernde Schmerzen an der in einen unnatürlichen Zustand versetzen Eichel“.
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Operation gelungen?

Körperlich beschnitten, psychisch traumatisiert und von der Medizin ignoriert?

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Erik

„Strafbeschneidung“

nennt Erik die Operation, die ohne wirkliche Notwendigkeit und ohne seine Zustimmung mit 12 Jahren an seinem Körper vorgenommen wurde.

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„Ich weiß, wovon ich spreche, da ich genau in dem Alter gegen meinen Willen beschnitten wurde und ich die Ärztin dafür hasse!“
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Erik leidet nicht nur psychisch darunter, dass man gegen seinen Willen und ohne medizinische Notwendigkeit seine Geschlechtsorgane operativ verändert und dabei sein sexuelles Empfinden deutlich reduziert hat. Er wusste bereits, wie sich gesunde Sexualität anfühlt – und ist von dem, was ihm nach der OP geblieben ist, maßlos enttäuscht:
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„Ich habe zwar keine Schmerzen, leide aber noch immer unter dem Gefühlsverlust. Schließlich habe ich vor der Beschneidung auch schon Orgasmen gehabt, wenn auch trockene. Trotzdem waren die viel, viel besser!“

Die vor allem radikale Beschneidung der Vorhaut führt bei Jungen und Männern zu einer gestörten oder mangelnden sexuellen Reizwahrnehmung.

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Ursachen sind

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das Austrocknen der Oberflächenschleimhaut auf der Eichel,

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die Abstumpfung (Desensibilisierung) der Nerven in Folge permanenter Überreizung (Reibung an der Kleidung),

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die Bildung einer dünnen Hornhaut auf der vormals zarten und empfindlichen Eichel (Keratinisierung) und

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der Verlust hochsensibler Nerven, der so genannten Meissnerschen Tastkörperchen, die in der Vorhaut in hoher Dichte vorhanden sind und bei der Operation zwangsläufig abgetrennt werden.

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Die Funktionsfähigkeit des Penis wird somit im schlimmsten Fall auf das Notwendige – die Fähigkeit zum Geschlechtsakt –

reduziert. Von drei erogenen Zonen am Penis (Eichel, Vorhaut, Frenulum) werden zwei beseitigt und die dritte schutzlos gemacht und damit ebenfalls geschädigt – Steinzeitchirurgie am Beginn des 3. Jahrtausends!

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Aber auch das andere Extrem kommt vor – eine jahrelang äußerst empfindliche Eichel, die bei jeder Berührung schmerzt und jeden Anflug sexueller Lust von vorneherein tötet.

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Matthias:

„Phimose-OP heute um 11? Unterschreiben sie mal hier.“
Auf diese Worte lässt sich das „Aufklärungsgespräch“ im Krankenhaus reduzieren, das etwa 2 Stunden vor der Operation stattfindet.
Dass der Arzt „Phimose-OP“ notiert hatte, obwohl davon nie die Rede war, ahnen weder Matthias noch seine Eltern.
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„2 Stunden später war die Vorhaut ab. Komplett natürlich.
Noch bevor ich das richtig realisiert hatte und mit blutverschmiertem Unterkörper in meinem Krankenbett lag bekam ich das fast unwiderstehliche Angebot eines studierten Herren im weißen Kittel:“
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Der 14jährige, der gerade irgendwie versucht, damit fertig zu werden, dass man ihm trotz anders lautender Erklärung ca. 30 % Haut vom Penis entfernt hat, soll seine zwangsweise frei gelegte Eichel einem illustren Kreis von Studenten zu Ausbildungszwecken darbieten, was er mehrfach ablehnen muss, bevor man ihn endlich in Ruhe lässt.
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„Erst ein ziemlich deutliches „kommt nicht in Betracht“ führte dazu, dass er Ruhe gegeben hat. Hinzu kommt noch, dass sich diese Szene nur zur Hälfte in meinem Krankenzimmer abspielte. Ich hatte meine Decke hochgeschlagen, er stand draußen im Gang und hat Volksreden gehalten und zwischen uns war ein ca. 6jähriger Junge mit Mandelentzündung, der danach ziemlich verstört in die Gegend geguckt hat, so hat ihn der Anblick auf mein Operationsergebnis mitgenommen.
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Der Junge aus der Zeitung war hinterher glücklich. Ich frage mich worüber. Aber vielleicht hatte er – im Gegensatz zu mir – tatsächlich ein Problem. Ich hab im Krankenhaus eins bekommen – einen Penis, der durch die fehlende Vorhaut für meinen Geschmack reichlich merkwürdig aussieht und mit der Zeit auch ziemlich abgestumpft ist, eine Eichel die beim Tragen weiter Kleidung ständig irgendwo scheuert, die Erkenntnis, dass es für einen Beschnittenen ziemlich egal ist ob er … (masturbiert) oder in Boxershorts eine Treppe hinunterläuft, beides fühlt sich in etwa gleich an, nur das man vom Treppenlaufen keinen Orgasmus bekommt.“
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Niemand kannte sich richtig aus, niemand hat richtig mit Matthias geredet, aber alle glaubten zu wissen, dass eine Beschneidung
wohl das Beste für den Jungen sei – eine gefährliche Mischung aus Unwissen, Gutgläubigkeit und unglücklichen Zufällen…
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Was haben sie eigentlich gemeinsam – Chris, Dennis, Erik und Matthias? Dass sie beschnitten sind? Ein unsichtbares Zeichen an ihrem Körper, von dem ohnehin nur die Wenigsten etwas wissen?
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Nein. Chris z. B. ist ja gar nicht beschnitten. Gemeinsam haben sie, dass sich ihr „Leben nach der Phimose“ veränderte, in ganz anderer Weise, als man das erwarten würde.

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Chris hat panische Angst vor Ärzten – obwohl die meisten von ihnen es ganz sicher gut meinen und ihren Job gut machen (ein schwarzes Schaf verdirbt eben die ganze Herde);

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Dennis, der ohnehin schon Probleme hat, Kontakte zu Gleichaltrigen zu knüpfen, verkriecht sich noch ein bisschen mehr.

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Erik ist hellwach, wenn es um gesundheitliche Probleme bei seinem Kind geht und versucht, ebenso wie Matthias, aktiv auf die Probleme von Jungen hinzuweisen, denen es heute so geht wie ihnen vor vielen Jahren…

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Epilog?

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„Lässt sich die Vorhaut nicht über die Eichel schieben (Phimose), kann durch eine kleine Operation geholfen werden.“
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Nein, diese Zeilen stammen von keinem der hier zitierten Jungen bzw. Männer. Ich fand diesen Satz in einem Biologiebuch für Schüler der 5. Klasse – und das war auch alles, was die 12jährigen dort über das Problem Vorhaut-verengung im Unterricht erfahren!

Über diesen Beitrag
Die Namen aller Personen im Beitrag wurden geändert.
Auf die Wiedergabe wörtlicher Zitate der beiden minderjährigen Jungen haben wir mit Ausnahme einzelner Worte zu deren persönlichem Schutz verzichtet und die Hintergrundinformationen auf das Notwendigste reduziert bzw. „verwischt“.

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Quellen und nützliche Links

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eltern.de
http://www.eltern.de/kleinkind/gesundheit/Penis-pflege.html

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Medizinische Publikationen:
http://www.aerztezeitung.de/docs/2004/04…nderkrankheiten

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http://www.aerztezeitung.de/docs/2004/09/27/173a0401.asp?cat

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http://www.thieme-connect.com/ejournals/…55/s-2001-12876

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Plädoyer für die Vorhaut von Prim. Univ. Doz. Dr. Michael Rauchenberg,
Vorstand der Abteilung für Urologie und Andrologie, Donauspital, Wien

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http://www.universimed.com/frame.php?fra…le%26id%3D10272

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Rosemary Romberg
eine bemerkenswerte Frau aus dem fernen Alaska. Frau Romberg arbeitet seit vielen Jahren als Geburtshelferin. Sie engagiert sich gegen die immer noch verbreitete routinemäßige Säuglingsbeschneidung in den USA. Sie ist Mutter von 5 Kindern, davon 4 Jungen, von denen 3 beschnitten wurden.

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http://www.tornwing.com/peacefulbeginnin…wersforboys.htm

2 Gedanken zu “Wenn das Recht für Jungs und Männer beschnitten wird

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