Von der Verwandlung des Mannes in ein sorgendes Haustier – ein Nachruf!

 

 
26.08.2011        

Von Eva Herman
 
Ein Mann und eine Frau liegen nachts im Bett. Plötzlich hören die beiden das Zerbersten von Fensterscheiben, klirrend fällt Glas zu Boden. Offensichtlich wird gerade eingebrochen im Haus. Der Mann will aus dem Bett springen. Doch die emanzipierte Frau hält ihn zurück: »Lass mal, Schatz, ich mach das schon!«
 
Ein Witz? Ja, auf jeden Fall ist das ein Witz. Und kein schlechter. Denn bei aller Emanzipationsentwicklung: Für die Drecksarbeit bleibt uns Frauen zum Glück doch immer noch der Mann. Da darf er Held sein. Man stelle sich nur vor, er würde in diesem Moment die Bettdecke über die Ohren ziehen und darauf warten, dass Muttern den Fall klärt. Dann wäre aber was los, daheim am Küchenherd! Nein, nein, Emanzipation geht anders. Frau sucht sich aus, wo sie Gas geben will, und Mann wartet ab, was für ihn noch zum Heldentum übrig bleibt.
 
Feministisch wurde er zu- und hingerichtet, von seiner tradierten Rolle wurde er damit weitgehend emanzipiert, der heutige westliche Mann. »Ein Geschöpf, das weder Heroismus noch Größe kennt oder gar verkörpert. Er hat sich vielmehr damit arrangiert, dass bereits der Begriff Männlichkeit jenseits der Welt des Parfüms tabu ist.«
 
Der Mann von heute, nicht nur nach Klonovsky ein bedauernswertes Wesen: Er schlägt und unterdrückt Frauen, lebt ständig an der Grenze zur Vergewaltigung und gefährdet als sozialer Idiot mit seiner Aggressivität das gesellschaftliche Zusammenleben. Mit seinem Testosteron-Überschuss balanciert er täglich am Burn-out und bevölkert keine Arenen mehr, dafür jedoch zunehmend psychiatrische Praxen. Spielplatz statt Kampfplatz, heimatlos in der Männerwelt, dafür bestens eingearbeitet in Küche und Haushalt. Er diskutiert alle Probleme aus, anstatt sich auf sein Pferd zu schwingen und schweigend durch den Wald zu reiten. Gegen Schmerzen hat er Tabletten, sein Geld verdient er im Sitzen und nicht durch Manneskraft. Mit seiner zweiten Haut durch Jack Wolfskin schützt er sich nicht nur bei Wind und Regen, sondern auch beim Brötchenholen. Klaglos stellt er beim Check-In seine Schuhe aufs Band: Sicherheit ist heute das Allerwichtigste. Der moderne Krieger im Boss-Anzug ist die Schrumpfversion des Waffenträgers von einst.
Der Abgesang der Männer ist längst angestimmt, übrig geblieben ist ein watteweicher Softie, ein Warmduscher, ein männliches Nichts. Geht es noch weiter abwärts? Aber sicher: Bis zur Unsichtbarkeit werden wir den Mann degradieren. Helden? Abenteurer? Kämpfer? Fehlanzeige.
 
Auch der im Kopf zum Neutrum umerzogene Mann bleibt körperlich und hormonell einer. Wenn er keine Muskulatur, keinen Willen zur Herrschaft und keine Schmerztoleranz mehr besitzt, so spürt er doch immer wieder einen Rest von Scham deshalb.« Er ahne, dass er keinen Ernstfall überstehen würde, obwohl er eigentlich, Zelle für Zelle, dafür geschaffen ist.
 
»Nach der Entnazifizierung kommt jetzt die Entmachoisierung, die Verwandlung des Mannes in ein sorgendes Haustier.«
 
Der amerikanische Bestsellerautor John Eldridge schrieb vor Jahren Ähnliches über die Abschaffung des Mannes. In seinem Bestsellerbuch Der ungezähmte Mann heißt es: »Wir Männer brauchen eine Erlaubnis, das sein zu dürfen, was wir sind: Männer! Wir brauchen die Erlaubnis, nach dem Maßstab unseres Herzens zu leben und nicht nur eine Liste von Erwartungen und Verpflichtungen abzuarbeiten – denn genau das hat so viele von uns müde und antriebslos gemacht.«
 
Denn Heldentum, das vermutlich in nahezu allen Männern noch fragmentartig vorhanden sein dürfte, das allerdings kaum mehr zugelassen wird in unserer feminisierten Welt, bezeichnet ja die Befähigung herausragender Leistungen. Die spricht man Männern heute jedoch weitgehend ab, weil nicht sein kann, was nicht sein darf
 
Klonovsky, der zweifellos beträchtliche Reste heroischen Handelns allein durch die Veröffentlichung des gut lesbaren Büchleins aufbrachte, beschreibt den Kern des männlichen Problems von heute in einer Gesellschaft, die Heldentaten bestraft. Politisch, zeitgeistig, polizeilich und juristisch! Wer seine Angelegenheiten selbst in die Hände nimmt und löst, wird als Feind der Gesellschaft behandelt
 
Ganz sicher nicht. Diese sichere Erkenntnis macht der Autor an dem berühmten Fall Dominik Brunners fest. Vor zwei Jahren war der Mann an der Münchner S-Bahn von Jugendlichen totgeschlagen worden, als er eingriff, um andere junge Menschen vor Schlägen der Gewaltverbrecher zu schützen.
Der verstorbene Brunner wird noch heute als »S-Bahn-Held« gefeiert. Doch hatte er wirklich vor, bei diesem Eingriff zu sterben, fragt der Journalist? Wohl kaum. Wahrscheinlicher dürfte sein, dass Brunner, würde er heute noch leben, womöglich eher als überreagierender Problem-Jugendliche-Zusammenschläger im Gefängnis säße. Denn Brunner war es gewesen, der Zeugenaussagen zufolge den ersten Schlag ausführte, »und man kennt deutsche Richter inzwischen: Viele von ihnen akzeptieren Notwehr bei sozial Bessergestellten ohne Migrationshintergrund nicht so schnell«, so Klonovsky.
 
Nachdenklich müsste uns Frauen die Erkenntnis des männlichen Autors machen, dass die Männer heute auch gar keine Helden mehr sein möchten. Wie bitte? Kein Prinz auf dem weißen Ross, der die Königstochter mit starken Armen vor Ungeheuern errettet und sie heimführt vor den Traualtar? Nein, das scheint vorbei zu sein. Schuld haben wir Frauen selbst, denn wir waren es, die sie in die Pantoffeln gezwungen haben, die einstigen strahlenden, starken Helden. Nun haben sie sich eingerichtet in den bequemen Verhältnissen. Stören wird sie dort vorerst niemand.
 
Der deutsche Mann unterscheidet sich zum Beispiel auffallend von dem gemeinen Amerikaner: Während die männliche Übersee-Ausgabe in puncto persönliche Freiheitsrechte wesentlich fundamentalistischer ausfällt, hat sich der deutsche Bürger entwaffnen lassen: »Wir haben uns dem Schutz eines Staates anvertraut beziehungsweise ausgeliefert, dessen Verlässlichkeit allerdings zunehmend zum Zweifel Anlass bietet.« Dieser Staat regiere inzwischen bis in die Ehebetten (außer in den bereits erwähnten Problembezirken, dort wagt er es noch nicht). Der Mann von heute hört weg, sieht weg, denkt sich die Probleme weg, und bald ist er ganz weg, der Schrumpfgermane.
 
Die Gesellschaft von heute: Weiß sie wirklich, was sie tut? Ahnen wir, was derzeit abgeschafft wird? Welche Werte uns verlorengehen mit der vorsätzlichen Abwertung des Mannes?
 
Der Mann von heute: trauriger Absturz eines einstigen Helden? Klare Antwort: Ja! Das kluge, alte Märchen vom Fischer und seiner Frau ist zu makabrer Wirklichkeit geworden: Immer mehr wollte sie, diese Frau mit der unstillbaren Gier nach allem, was sie nicht besaß, deren Mann einem geangelten Fisch das Leben schenkte, weil dieser Butt ihm dafür drei Wünsche gewährte. Der Mann machte bereits im allerersten Schritt den entscheidenden Fehler: Er ging nach Hause und fragte bei seiner Gattin nach, was sie sich denn wünschen sollten. Hätte er doch bloß einfach selbst entschieden, dann wäre die Sache mit Sicherheit geritzt gewesen: Schloss, Geld und noch irgendetwas anderes Schönes. Die Fischersfrau aber wollte Schloss, Geld – und sie wollte schließlich sein wie der liebe Gott. Sie selbst wollte so sein, nicht etwa ihr Mann. Und so griff der Schöpfer dann schließlich ein: Und stellte die arme Irre wieder dorthin, wohin sie in ihrem Wahn gehörte: in ihre alte, abbruchreife Fischerhütte! Schloss weg, Geld weg, Hoffnung auf eine sorgenfreie Zukunft: weg!
 
Wir Frauen sollten dieses Märchen niemals vergessen. Denn wir wissen ja, dass sie wahr sind, die alten Überlieferungen, die viel Lebensweisheit enthalten und Gut und Böse genau zu unterscheiden wissen.
 
 
 
 

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