Lieber ein Schwein als einen Mann

 

Der Überlebenskampf der Männer wird bereits seit einigen Jahrzehnte ausgefochten und ihre Diskriminierung, Her(r)abwürdigung, Verunglimpfung, Unterdrückung, Ausbeutung, Versklavung  ist ein jahrhundert- jahrtausend- jahrmillionen alter (Geld- Blut)- Zoll, den sie an  Frauen bezahlt haben- bezahlen und bezahlen werden ……heute fordern  ihn die Damen allerdings nicht mehr so hinterhältig verlogen, und mit einem Lächeln versehen, an.  Heute dürfen sie öffentlich die Fäuste für die Abgabe einsetzen und sie werden dabei noch tatkräftig von den Ladies der oberen Macht-etagen unterstützt und dazu aufgefordert……"Nieder mit den Dreckskerlen……sie sind endlich an der Reihe, einer aussterbenden Rasse anzugehören"….

 

 

Quellennachweis:

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=4344

 

literaturkritik.de » Nr. 1, Januar 2002

 

Lieber ein Schwein als einen Mann

 

 

Moderata Fonte begründet bereits um 1600, warum Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer

Von Rolf Löchel

"Als Gott den Mann erschuf übte sie nur." Dieses Bonmot der Feministinnen in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde im Venedig des 16. Jahrhunderts bereits argumentativ vorweggenommen. In ihrem Buch "Das Verdienst der Frauen" unternahm es Modesta Pozzo, unter dem Pseudonym Moderata Fonte ebenso fein- wie scharfsinnig zu belegen, dass Eva aufgrund ihrer Erschaffung aus Adams Rippe "würdiger und vollkommener" sei als er. Auf die Idee, dass Gott weiblich sei, war Fonte allerdings noch nicht gekommen.

 

Daniela Hacke gebührt Dank dafür, dass Fontes Buch nach vierhundert Jahren nunmehr endlich in deutscher Sprache vorliegt. Dabei war die Venezianerin schon eine "erprobte Autorin", als ihre "protofeministische Streitschrift" im Jahre 1600 erstmals erschien. Hacke fungiert nicht nur als Herausgeberin und Übersetzerin des Werkes, sondern hat es auch mit einem ebenso umfangreichen wie nützlichen Anmerkungsapparat sowie einem kenntnisreichen und informativen Vorwort versehen. Die Herausgeberin verortet Fontes Text im Zusammenhang der querelles des femmes, die im 16. und 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreicht hatten, und betont mit einigem Recht, dass die im Roman dargestellte und von sieben Frauen geführte Debatte über "das Wesen und die Gleichberechtigung von Frau und Mann" auch heute noch relevant sei, da sie eine "lange Tradition weiblicher Gelehrsamkeit" aufzeige. Dies ist umso wichtiger, als diese Tradition im Laufe der Jahrhunderte weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Weder war sie der historischen Frauenbewegung um 1900 bekannt, noch ist sie in weiteren Kreisen des gegenwärtigen wissenschaftlichen und politischen Feminismus präsent. Zwar sind heute, anders als noch in den 60er und 70er Jahren, die Grundzüge der Geschichte der Frauenbewegung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts feministisches Gemeingut, das sich etwa in der Rede von der "Ersten" und "Zweiten" Frauenbewegung niederschlägt. Doch besteht noch immer kaum ein Bewusstsein über die weiter zurückreichende Historie des Streites um die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Emanzipation der Frauen, sieht man vielleicht einmal von Olympe de Gouges ab, die 1791 vor der Französischen Nationalversammlung eine "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" verlas und 1793 von den brüderlichen Revolutionären zur Guillotine geschleppt wurde.

 

Doch ist Fontes Buch von mehr als bloß historischem Interesse. In der Frage der Prostitution dürfte die Autorin den meisten Männern des beginnenden 21. Jahrhunderts immer noch meilenweit voraus sein. Denn die Prostitution entehre nicht die Frauen, so Fonte, sondern die Männer, die durch ihre Schlechtigkeit Frauen in die Prostitution trieben; insbesondere aber entehre sie die Freier, die sich der Frauen bedienen.

 

Zwar wurden seit Platons Dialogen philosophische oder literarische Schriften immer wieder als Dialoge angelegt. Doch ein "reines Frauengespräch", wie Fonte es entwarf, war zu ihrer Zeit eine "literarische Innovation". Dass sich im Garten der "jungen Witwe Leonora" nur Geschlechtsgenossinnen zum Gespräch versammeln, ist kein Zufall. Sie bleiben ganz bewusst unter sich, um sich "ohne Scheu vor Männern, die hätten stören oder hindern können", zwanglos zu besprechen. Ziel des zweitägigen Disputes ist die Erörterung der Frage, ob Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer. Hierzu hat sich die siebenköpfige Gartengesellschaft in drei Kritikerinnen und drei Verteidigerinnen der Männer aufgeteilt – die Gastgeberin moderiert als "Königin" das Streitgespräch. Besonderes Augenmerk wird auf die persönliche Unterdrückung der Frauen durch Männer – insbesondere durch ihre Ehemänner – gelegt. Strukturelle Ungleichheit kommt hingegen weniger in den Blick. Die Disputantinnen argumentieren sowohl mit venezianischen Alltagserfahrung im zu Ende gehenden 16. Jahrhundert als auch mit Ereignissen und Beispielen aus der Geschichte oder der antiken und zeitgenössischen Literatur. Darüber hinaus werden insbesondere theoretische und wissenschaftliche Argumente angeführt: philosophische ebenso wie theologische, biologische und medizinische nicht minder als mythologische und etymologische – sowie gelegentlich psychologische. So wird sich der unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen der Zeit bedient, auf deren Höhe sich die Diskussion durchweg bewegt. Dabei lässt Fonte ihre Figuren mit logischen Kausalketten ebenso argumentieren wie mit halb scherzhaften Sophismen oder mit Analogien und Illustrationen. Die verschiedenen Argumentationsebenen werden intelligent miteinander verknüpft: So wird etwa die humoralpathologische Begründung der männlichen Grausamkeit als Ursache der in Venedig allgegenwärtigen Unterdrückung der Frau in der Ehe angeführt – was eine der Frauen überzeugt sein lässt, dass sie besser daran täten, sich "jedes Jahr zum Karneval ein schönes Schwein zu kaufen" statt einen Mann zu heiraten.

 

Schließlich kommen die Disputantinnen darin überein, dass Frauen aus vielfältigen Gründen Vorrang haben. Denn anders als Männer haben Frauen eine "bessere körperliche Natur" und lassen sich zudem vom Verstand leiten – und nicht wie die Männer von ihren Begierden, und sie fliehen das Böse und widmen sich dem Guten. Der Vorrang der Frauen wird also nicht so sehr theologisch wie biologisch und sozial begründet. So heißt es ganz explizit, dass einige Männer aufgrund ihrer Natur zu ihren Frauen "boshaft" seien. Andere seien es jedoch, weil sie außer Haus "verspottet wurden" und daher zu Hause "ihren Ärger an den armen Frauen" auslassen, um sich an ihnen "schadlos" zu halten. Auch wird festgestellt, dass "Männer von Natur aus und aus eigenem Willen schlecht" sind und aus beiden Gründen ihr "Bestes" tun, "um uns zu verderben". Insofern die Minderwertigkeit der Männer sozial bedingt und ihre Boshaftigkeit willentlich ist, wird ihre Möglichkeit zur Besserung erkannt und anerkannt. Denn sie könnten "sicherlich gut sein", "wenn sie nur wollten", meint eine der Disputantinnen, denn man sage doch, "sie könnten ihr Wesen durch die Fähigkeiten und die Lebendigkeit ihres Verstandes verbessern".

 

Da das eigentliche Thema der Zusammenkunft bereits am Ende des ersten Tages erschöpfend diskutiert wurde, beschließen die Frauen, am zweiten Tag zu erörtern, warum sie Männern trotz allem ihr "Herz" schenken und sich "ihnen freiwillig als Sklavinnen anbieten, bis in den Tod". Hierfür werden kurz einige astrologische Gründe angeführt, wie es im 16. Jahrhundert nicht unüblich war. Doch bald wird allerlei Anderes, nicht zum Thema Gehöriges, erörtert; so unter anderem die Entstehung von Erdbeben, der Vogelfang, Fragen der Freundschaft, verschiedenes absonderliches Meeresgetier, die damals noch nicht klar getrennten Gebiete der Astrologie und der Astronomie, die Musik, die Dichtkunst und die Malerei und ein ums andere Mal die Zubereitung, Schmackhaftigkeit und Bekömmlichkeit verschiedener Speisen. Allerdings dient vieles hiervon dazu, auf die Männer und ihre Schlechtigkeit zu sprechen zu kommen.

 

Am Ende des Buches hält eine der Disputantinnen ein flammendes Plädoyer für einen Aufstand der Frauen:

"Könnten wir uns die Männer denn nicht vom Hals schaffen […] und dieser Last ein für alle mal ein Ende bereiten? Könnten wir nicht ohne sie leben? Und allein für unseren Lebensunterhalt aufkommen und uns um unsere Angelegenheiten kümmern, ganz ohne ihre Hilfe? Ich bitte Euch inständig, laßt uns erwachen und unsere Freiheit zurückerobern, mit all der Ehre und der Würde, die sie sich schon vor langer Zeit widerrechtlich angeeignet haben. […]

Laßt uns nur ein einziges Mal tapfer sein, denn dann kann es uns egal sein, ob die Männer besser werden."

Doch die anderen Frauen lassen sich nicht entflammen, ihre Reaktion ist von Resignation geprägt. "So wie das Leben in dieser Welt nun einmal" sei, halten sie entgegen, bliebe ihnen nichts anderes übrig als zu heiraten. Denn angesichts der Bedrohungen, die von der Männerwelt nun einmal ausgingen, sei es "weitaus besser", wenigstens unter dem "Schutz" eines Gatten zu leben. Und gegen Ehemänner sei jede Auflehnung aussichtslos. "Da wir ihnen untergeordnet sind, ist das einzige, was wir tun können, sie zu umschmeicheln" und sie im Übrigen geduldig und schweigsam zu ertragen, lautet das ausweglose Fazit.

 

Hackes Vorschlag einer "positivere[n] und weniger ernüchternde[n] Lesart" vermag nicht so recht zu überzeugen. Es sei das von den Disputantinnen ebenfalls vorgetragene Lob der Stadt Venedig, so die Herausgeberin, das "gesellschaftliche Brisanz" entfalte, wenn es "mit der frühneuzeitlichen Geschlechtersymbolik verbunden" werde. 

 

 

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