"kleine homosexuelle Fragwürdigkeiten" an die BRD- (Moral- und Sittlichkeits-)Leitzentrale und ihre große Antwort…

 

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 QUELLE: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/023/1702348.pdf

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Deutscher Bundestag Drucksache 17/2348 17. Wahlperiode 29. 06. 2010 

Kleine Anfrage

der Abgeordneten Kai Gehring, Volker Beck (Köln), Ekin Deligöz, Katja Dörner, Priska Hinz (Herborn), Ingrid Hönlinger, Agnes Krumwiede, Monika Lazar, Tabea Rößner, Krista Sager, Josef Philip Winkler und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN *

Lesbische und schwule Jugendliche

 Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Er- ziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlich- keit. Daraus resultiert die Mitverantwortung der Bundesregierung, die Rahmen- bedingungen für das Aufwachsen der nachfolgenden Generationen weiter zu verbessern. Dazu zählt auch das soziale, psychische und physische Wohlbefin- den von Kindern und Jugendlichen. Der 13. Kinder- und Jugendbericht setzt sich intensiv mit der Lebenssituation der Heranwachsenden auseinander und zeigt der Bundesregierung Handlungsbedarfe auf. Allerdings wird in dem umfangrei- chen Bericht auf die Anliegen von homo- und bisexuellen Jugendlichen kaum eingegangen. Ihre Lebenssituation wird nicht ausreichend beachtet. Zwar wer- den im 13. Kinder- und Jugendbericht die in der Wissenschaft entwickelten diversitätsorientierten Ansätze, die unter anderem die sexuelle Orientierung be- rücksichtigen, erwähnt. Aber es werden lediglich homosexuelle Männer einmal im Kontext der Hauptrisikogruppen für HIV-Infektionen erwähnt.

 Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse einer von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegebenen Studie, dass trotz wachsender Akzeptanz von Les- ben und Schwulen Homophobie immer noch ein großes Problem darstellt. Dem- nach möchten 61 Prozent der Deutschen mit dem Thema Homosexualität mög- lichst wenig in Berührung kommen und 46 Prozent würden sich durch einen Kuss von einer gleichgeschlechtlichen Person provoziert fühlen (Abschluss- bericht: Diskriminierung im Alltag – Wahrnehmung von Diskriminierung und Antidiskriminierungspolitik in unserer Gesellschaft, Sinus Sociovision, Juli 2008, S. 85).

 An den Schulen ist Homophobie besonders verbreitet. Das Wort „schwul“ ist zu einem der häufigsten Schimpfwörter geworden. Nach Angaben der Bundes- regierung erleben lesbische und schwule Jugendliche gesellschaftliche Dis- kriminierung zum einen in Form von verbaler und psychischer Gewalt und zum anderen sehen sie sich auch körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt (Bun- destagsdrucksache 16/4818, S. 86). Für die große Zahl der gleichgeschlechtlich orientierten Jugendlichen ist daher der Weg vom inneren zum öffentlichen Comingout mit einer großen psychischen Belastung verbunden. Dies drückt sich auch darin aus, dass zum Zeitpunkt der Erhebung 18 Prozent der schwulen oder lesbischen Jugendlichen bereits einen oder mehrere Suizidversuche hinter sich hatten; mehr als die Hälfte hatte bereits an Selbstmord gedacht (ebenda, S. 87).

 Die vom „Lesben- und Schwulenverband in Deutschland“ (LSVD) – in Zusam- menarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Drucksache 17/2348 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode Jugend (BMFSFJ) – erstellte Studie der Universität Kiel „Einstellungen zur Homosexualität. Ausprägungsformen und sozialpsychologische Korrelate bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund“ kam zu dem Ergebnis, dass gerade unter solchen Schülern mit Migrationshintergrund, die weniger gut in die deutsche Gesellschaft integriert sind, homosexuellenfeindliche Einstellungen wesentlich stärker verbreitet sind als in der deutschen Vergleichsgruppe. Ein zweites wichtiges Ergebnis dieser Studie war, dass Schwule und Lesben mit Migrationshintergrund im besonderen Maße von dieser Form der Homophobie betroffen seien (vgl. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie (2008) S. 87 bis 99). * Wir fragen die Bundesregierung:

 1. Welche neuen Erkenntnisse hat die Bundesregierung seit ihrer Antwort auf die Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Jugendliche in Deutschland: Perspektiven durch Zugänge, Teilhabe und Generationenge- rechtigkeit“ (Bundestagsdrucksache 16/4818) über Ausmaß und Erschei- nungsformen gesellschaftlicher Diskriminierungen, mit denen lesbische und schwule Jugendliche konfrontiert sind, sowie über die Auswirkungen von Diskriminierung auf die Lebenssituation der Jugendlichen gewonnen?

 2. Welche neuen Erkenntnisse hat die Bundesregierung seit ihrer Antwort auf die Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Jugendliche in Deutschland: Perspektiven durch Zugänge, Teilhabe und Generationenge- rechtigkeit“ (Bundestagsdrucksache 16/4818) über Akzeptanz oder Nichtakzeptanz von sexuellen Identitäten und gleichgeschlechtlichen Lebensweisen Jugendlicher in deren Familien – mit und ohne Migrationshintergrund – und über die Auswirkungen von Nichtakzeptanz auf die Lebenssituation der Ju- gendlichen gewonnen? *

3. Steht die Bundesregierung in ihren jugendpolitischen Bemühungen zu den in der Wissenschaft entwickelten diversitätsorientierten Ansätzen, die unter anderem die sexuelle Identität berücksichtigen? Wenn ja, wie drückt sich dies hinsichtlich der lesbischen und schwulen Jugendlichen aus? Wenn nein, wie wird dies begründet? *

4. Sind der Bundesregierung die besonderen Probleme, mit denen lesbische und schwule Jugendliche in ihrer Pubertät konfrontiert werden, bewusst? Wenn ja, wie wird dem Rechnung getragen? Wenn nein, wie wird dies begründet?

 5. Plant die Bundesregierung Maßnahmen zur Akzeptanzförderung der sexuel- len Vielfalt bei Jugendlichen im Bildungsbereich (wie zum Beispiel ange- lehnt an die Initiative „Schulen ohne Homophobie – Schulen der Vielfalt“ siehe: www.schule-der-vielfalt.de, abgerufen am 17. Juni 2010)? Wenn nein, warum nicht?

 6. Wie erklärt die Bundesregierung die wissenschaftlich nachgewiesenen über- proportionalen Raten an Suizidversuchen unter lesbischen und schwulen Ju- gendlichen?

 7. Beabsichtigt die Bundesregierung Maßnahmen zu ergreifen, um den überpro- portionalen Raten an Suizidversuchen unter lesbischen und schwulen Ju- gendlichen entgegenzuwirken? Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode– 3 – Drucksache 17/2348

8. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung in Bezug auf die Identitäts- findung Jugendlicher, die laut dem 13. Kinder- und Jugendbericht die zen- trale Herausforderung der Jugendphase darstellt, hinsichtlich der lesbischen und schwulen Jugendlichen?

 9. Plant die Bundesregierung angesichts des Fehlens jeglicher Angaben zu les- bischen und schwulen Jugendlichen im 13. Kinder- und Jugendbericht eine bundesweite wissenschaftliche Bestandsaufnahme zur Lebenssituation ho- mosexueller Jugendlicher, zu deren Erfahrungen mit Diskriminierung sowie zu den Comingout-Prozessen durchzuführen? Wenn ja, wann sind deren Ergebnisse zu erwarten? Wenn nein, wie begründet die Bundesregierung das Ignorieren eines rele- vanten Teils der Jugendlichen in ihrer jugendpolitischen Arbeit?

10. Inwieweit richtet sich die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung als Fachbehörde für Prävention und Gesundheitsförderung an lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche? *

11. Beabsichtigt die Bundesregierung Maßnahmen zu ergreifen, um der – nach eigenen Angaben (Bundestagsdrucksache 16/4818, S. 86) – weit verbreite- ten psychischen wie physischen Gewalt, mit der lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche konfrontiert werden, präventiv entgegenzuwirken? Wenn ja, welche? *

12. Plant die Bundesregierung den „Nationalen Aktionsplan der Bundesrepu- blik Deutschland zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogene Intoleranz“ um das Problemfeld Ho- mophobie zu ergänzen? Wenn ja, wann? Wenn nein, mit welcher Begründung?

13. Haben die Bundesländer bzw. die Kommunen im Rahmen des Nationalen Integrationsplans (NIP) Selbstverpflichtungen abgegeben zur Förderung von interkulturell angelegten Angeboten – im Bildungs- bzw. sozialpädagogischen Bereich für (männliche) Jugend- liche mit Migrationshintergrund mit dem Ziel, die Akzeptanz unter- schiedlicher sexueller Identitäten und den Respekt gegenüber Lesben und Schwulen zu fördern,

 – zur Arbeit (gerade auch mit männlichen) homophoben Gewalttätern mit Migrationshintergrund bzw.

 – zugunsten von Opfern homophober Gewalt und zur Stärkung junger Lesben und Schwuler (mit und ohne Migrationshintergrund)? Wenn ja,

 – an welchen Stellen haben Länder und Kommunen – nach Kenntnis der Bundesregierung – eine derartige Selbstverpflichtung abgegeben und

 – in welchen Ländern wurden diese Selbstverpflichtungen inzwischen in haushaltswirksame Maßnahmen umgesetzt? Wenn nein, warum nicht? Drucksache 17/2348 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

14. Hat die Bundesregierung im Rahmen des NIP Selbstverpflichtungen abge- geben zur Förderung von interkulturell angelegten Angeboten

 – im Bildungs- bzw. sozialpädagogischen Bereich für (männliche) Jugend- liche mit Migrationshintergrund mit dem Ziel, die Akzeptanz unter- schiedlicher sexueller Identitäten und den Respekt gegenüber Lesben und Schwulen zu fördern, * – zur Arbeit (gerade auch mit männlichen) homophoben Gewalttätern mit Migrationshintergrund bzw. * – zugunsten von Opfern homophober Gewalt und zur Stärkung junger Lesben und Schwuler (mit und ohne Migrationshintergrund)? Wenn ja,

 – an welchen Stellen hat die Bundesregierung diese Selbstverpflichtungen abgegeben und

 – mit welchen haushaltswirksamen Maßnahmen wurden diese Selbstver- pflichtungen inzwischen umgesetzt (mit der Bitte um Angabe des ent- sprechenden Haushaltstitels)? Wenn nein, warum nicht? * Werden entsprechende Projekte eventuell außerhalb des NIP gefördert (wenn ja, welche, mit der Bitte um Angabe des entsprechenden Haushalts- titels)?

 15. Hat die Bundsregierung im Rahmen des NIP Selbstverpflichtungen abgege- ben zur Förderung von interkulturell angelegten Angeboten zur Aufklärung von bzw. zur Beratung für Familien mit Migrationshintergrund zum Thema Homosexualität? Wenn ja,

– an welchen Stellen hat die Bundesregierung diese Selbstverpflichtungen abgegeben und

 – in welchen haushaltswirksamen Maßnahmen wurden diese Selbstver- pflichtungen inzwischen umgesetzt (mit der Bitte um Angabe des ent- sprechenden Haushaltstitels)? Wenn nein, warum nicht?

 Werden entsprechende Projekte eventuell außerhalb des NIP gefördert (wenn ja, welche, mit der Bitte um Angabe des entsprechenden Haushalts- titels)?

16. Welche aus Sicht der Bundesregierung vorbildlichen Initiativen/Projekte führen Migrantenorganisationen gegen Homophobie bzw. zur Toleranz ge- genüber Schwulen und Lesben durch? 

 17. Ist die Bundesregierung bereit, Migrantenorganisationen bei der Konzep- tion, Finanzierung und Durchführung derartiger Initiativen und Projekte zu unterstützen? Wenn ja, inwiefern? Wenn nein, warum nicht?

 18. Ist die Bundesregierung bereit bzw. willens, dem Beispiel des Berliner Se- nats aus dem Jahr 2008 zu folgen und zusammen mit muslimischen Organi- sationen (z. B. innerhalb der Deutschen Islam Konferenz) eine Erklärung gegen Homophobie bzw. für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben abzuschließen, und wenn nein, warum nicht? Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode– 5 – Drucksache 17/2348

19. Wieviele Lieder und Alben von deutschen oder ausländischen Interpreten wurden nach Kenntnis der Bundesregierung von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien seit dem Jahr 2005 wegen homophoben oder transphoben Inhalten indiziert? Welche sind dies?

20. Welche weiteren Indizierungsverfahren der Bundesprüfstelle für jugend- gefährdende Medien wegen homophoben oder transphoben Inhalten wur- den nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2005 durchgeführt?

 21. Welche weiteren Maßnahmen plant oder unternimmt die Bundesregierung, um homophobe und/oder gewaltverherrlichende Inhalte in Songs der Ju- gendkultur zu verhindern oder ihnen vorzubeugen?

 22. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Einbeziehung der Problematik der Entwicklung der sexuellen Identität (einschließlich gleich- geschlechtlicher Orientierung, Bi-, Trans- und Intersexualität) in den Bil- dungsplänen der Bundesländer?

 23. Welche Rolle spielen nach Erkenntnissen der Bundesregierung die Ge- schichte und die Perspektiven von schwul-lesbischer Emanzipationsbewe- gung in der Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung? Welche Publikationen gab es zu diesem Thema?

 24. Plant – nach Erkenntnissen der Bundesregierung – das BMFSFJ als einer der Initiatoren des Projekts „Wertebildung in Familien“, dieses Projekt bzw. ähnliche Initiativen um das Thema Akzeptanz von Lesben und Schwulen zu ergänzen? Wenn ja, in welcher Form? Wenn nein, mit welcher Begründung?

 25. Welche Projekte hat die Bundesregierung in welcher Höhe in den Jahren 2008 und 2009 gefördert, die sich mit der Verbesserung der Lebenssituation von schwulen oder lesbischen Jugendlichen beschäftigen (bitte Zuwen- dungsgeber, Zuwendungsempfänger und Höhe der Förderung differenziert ausweisen)?

 26. Was unternimmt die Bundesregierung, um über pseudowissenschaftliche Angebote für die sogenannten Konversions- oder Reparationstherapien auf- zuklären und homosexuelle Jugendliche vor deren fragwürdigen Methoden zu warnen? Berlin, den 29. Juni 2010 Renate Künast, Jürgen Trittin und Fraktion

 

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ANTWORTEN zur "Kleinen Anfrage"

 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/025/1702588.pdf:

 

Antwort der Bundesregierung

auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Kai Gehring, Volker Beck (Köln), Ekin Deligöz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/2348 – Lesbische und schwule Jugendliche
 
 Vorbemerkung der Fragesteller 
 
Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Daraus resultiert die Mitverantwortung der Bundesregierung, die Rahmenbedingungen für das Aufwachsen der nachfolgenden Generationen weiter zu verbessern. Dazu zählt auch das soziale, psychische und physische Wohlbe- finden von Kindern und Jugendlichen. Der 13. Kinder- und Jugendbericht setzt sich intensiv mit der Lebenssituation der Heranwachsenden auseinander und zeigt der Bundesregierung Handlungsbedarfe auf. Allerdings wird in dem um- fangreichen Bericht auf die Anliegen von homo- und bisexuellen Jugendlichen kaum eingegangen. Ihre Lebenssituation wird nicht ausreichend beachtet. Zwar werden im 13. Kinder- und Jugendbericht die in der Wissenschaft entwickelten diversitätsorientierten Ansätze, die unter anderem die sexuelle Orientierung be- rücksichtigen, erwähnt. Aber es werden lediglich homosexuelle Männer einmal im Kontext der Hauptrisikogruppen für HIV-Infektionen erwähnt. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse einer von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegebenen Studie, dass trotz wachsender Akzeptanz von Lesben und Schwulen Homophobie immer noch ein großes Problem darstellt. Demnach möchten 61 Prozent der Deutschen mit dem Thema Homosexualität möglichst wenig in Berührung kommen und 46 Prozent würden sich durch einen Kuss von einer gleichgeschlechtlichen Person provoziert fühlen (Abschlussbericht: Diskriminierung im Alltag – Wahrnehmung von Diskriminierung und Antidiskriminierungspolitik in unserer Gesellschaft, Sinus Socio- vision, Juli 2008, S. 85). An den Schulen ist Homophobie besonders verbreitet. Das Wort „schwul“ ist zu einem der häufigsten Schimpfwörter geworden. Nach Angaben der Bundesregierung erleben lesbische und schwule Jugendliche gesellschaftliche Diskriminierung zum einen in Form von verbaler und psychischer Gewalt und zum anderen sehen sie sich auch körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt (Bundestagsdrucksache 16/4818, S. 86). Für die große Zahl der gleichgeschlechtlich orientierten Jugendlichen ist daher der Weg vom inneren zum öffentlichen Comingout mit einer großen psychischen Belastung verbunden. Dies drückt sich auch darin aus, dass zum Zeitpunkt der Erhebung 18 Prozent der schwulen oder lesbischen Jugendlichen bereits einen oder mehrere Suizidversuche hinter sich hatten; mehr als die Hälfte hatte bereits an Selbstmord gedacht (ebenda, S. 87). Die vom „Lesben- und Schwulenverband in Deutschland“ (LSVD) – in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) – erstellte Studie der Universität Kiel „Einstellungen zur Homosexualität. Ausprägungsformen und sozialpsychologische Korrelate bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund“ kam zu dem Ergebnis, dass gerade unter solchen Schülern mit Migrationshintergrund, die weniger gut in die deutsche Gesellschaft integriert sind, homosexuellenfeindliche Einstellun- gen wesentlich stärker verbreitet sind als in der deutschen Vergleichsgruppe. Ein zweites wichtiges Ergebnis dieser Studie war, dass Schwule und Lesben mit Migrationshintergrund im besonderen Maße von dieser Form der Homophobie betroffen seien (vgl. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie (2008) S. 87 bis 99). Vorbemerkung der Bundesregierung Chancengerechtigkeit – und zwar unabhängig von der individuellen sexuellen Orientierung – ist nach Auffassung der Bundesregierung eine essentielle Voraussetzung für Wachstum, Beschäftigung und sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Aus diesem Grunde hat die Koalition zwischen CDU/CSU und FDP in ihrem Koalitionsvertrag für die 17. Legislaturperiode niedergelegt, dass sie ins- besondere bestehende Benachteiligungen in Arbeitswelt, Politik und Gesellschaft beseitigen und eine Kultur der Vielfalt und die Entwicklung von Diversity- Strategien fördern will.  
 
 
1. Welche neuen Erkenntnisse hat die Bundesregierung seit ihrer Antwort auf die Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Jugendliche in Deutschland: Perspektiven durch Zugänge, Teilhabe und Generationengerechtigkeit“ (Bundestagsdrucksache 16/4818) über Ausmaß und Erscheinungsformen gesellschaftlicher Diskriminierungen, mit denen lesbische und schwule Jugendliche konfrontiert sind, sowie über die Auswirkungen von Diskriminierung auf die Lebenssituation der Jugendlichen gewonnen?
 
Die im Rahmen des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projektes „Homosexualität in Migrationsfamilien“ des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) durchgeführte empirische Studie „Einstellungen zur Homosexualität: Ausprägungen und sozialpsychologische Korrelate bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund (Simon, 2007) hatte zum Ergebnis, dass homosexuellenfeindliche Einstellungen unter Schülern mit Migrationshintergrund wesentlich stärker verbreitet sind als in der deutschen Vergleichsgruppe. Eine steigende Akzeptanz traditioneller Männlichkeitsnormen war bei beiden Gruppen mit zunehmender Homosexuellenfeindlichkeit verbun- den. Inwieweit sich diese homosexuellenfeindlichen Einstellungen in dementsprechenden Handlungen manifestieren wurde nicht erhoben, so dass sich aus dieser Studie keine unmittelbaren Schlüsse im Hinblick auf die Konfrontation lesbischer und schwuler Jugendlicher mit Diskriminierungen ableiten lassen.
 
 Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.  
 
 
2. Welche neuen Erkenntnisse hat die Bundesregierung seit ihrer Antwort auf die Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Jugendliche in Deutschland: Perspektiven durch Zugänge, Teilhabe und Generationengerechtigkeit“ (Bundestagsdrucksache 16/4818) über Akzeptanz oder Nichtakzeptanz von sexuellen Identitäten und gleichgeschlechtlichen
Lebensweisen Jugendlicher in deren Familien – mit und ohne Migrationshintergrund – und über die Auswirkungen von Nichtakzeptanz auf die Lebenssituation der Jugendlichen gewonnen?
 
Eine im Auftrag des LSVD und mit Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführte empirische Studie zu „Lebenssituationen von Lesben und Schwulen mit Migrationshintergrund in Deutschland (Steffens, Bergert & Heinecke 2009) zeigt, dass sich viele Lesben und Schwule mit Migrationshintergrund in Deutschland gut integriert fühlen und das gesellschaftliche Klima gegenüber Homosexuellen hierzulande als positiver als in ihren Herkunftsländern erleben. Von ihren „Migrationscommunities“ aber füh- len sie sich meist abgelehnt. Dem entspricht, dass sich die Diskriminierungserfahrungen, die Lesben und Schwule aufgrund ihrer sexuellen Orientierung außerhalb der Familie machen, nicht zwischen den Gruppen mit und ohne Migrationshintergrund unterscheiden. Homosexuelle mit Migrationshintergrund er- fahren aber aufgrund ihrer sexuellen Orientierung deutlich mehr Diskriminierung innerhalb der Familie. Infolgedessen gaben weit mehr Homosexuelle mit Migrationshintergrund an, zugunsten der Familie auf ein offenes Leben als Lesbe oder Schwuler zu verzichten. Den größten Erklärungswert für eine (vermutete) negative Reaktion der Eltern auf das Coming-out der Kinder hat nicht deren spezifischer Migrationshintergrund, sondern die mangelnde Integration der Eltern in Deutschland. Damit erweist sich die Integration der Familien als Schlüsselfaktor für deren Umgang mit dem Thema Sexualität. Die Studie zeigt, dass Homo- sexuelle ohne Migrationshintergrund ein positiveres Selbstbild und eine höhere Lebenszufriedenheit haben und mehr soziale Unterstützung erleben als Lesben und Schwule mit Migrationshintergrund. Schwule und Lesben aus Ländern mit starken Repressalien gegenüber Homosexualität weisen ein schlechteres Gesundheitsniveau auf als solche aus weniger unterdrückenden Ländern. Da der Anteil der Schüler an den Befragten mit Migrationshintergrund nur 4 Prozent (sechs Schüler) und an den Befragten ohne Migrationshintergrund nur 5 Prozent (fünf Schüler) ausmachte, haben die Studienergebnisse für die spezielle Situation von homosexuellen Jugendlichen nur mittelbare Aussagekraft.
   
 
3. Steht die Bundesregierung in ihren jugendpolitischen Bemühungen zu den in der Wissenschaft entwickelten diversitätsorientierten Ansätzen, die unter anderem die sexuelle Identität berücksichtigen?
 
Wenn ja, wie drückt sich dies hinsichtlich der lesbischen und schwulen Jugendlichen aus?
 
Wenn nein, wie wird dies begründet?
 
Die Bundesregierung anerkennt und berücksichtigt bei ihren jugendpolitischen Bemühungen die Unterschiedlichkeit von Jugendlichen. Über das Förderinstrument des Kinder- und Jugendplans des Bundes unterstützt sie unterschiedliche Angebote z. B. für lesbische und schwule Jugendliche.  
 
 
4. Sind der Bundesregierung die besonderen Probleme, mit denen lesbische und schwule Jugendliche in ihrer Pubertät konfrontiert werden, bewusst?
 
Wenn ja, wie wird dem Rechnung getragen?
 
Wenn nein, wie wird dies begründet?
 
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1, 2, 3, 7, 10 und 16 verwiesen.  
 
 
5. Plant die Bundesregierung Maßnahmen zur Akzeptanzförderung der sexuellen Vielfalt bei Jugendlichen im Bildungsbereich (wie zum Beispiel angelehnt an die Initiative „Schulen ohne Homophobie – Schulen der Vielfalt“ siehe: www.schule-der-vielfalt.de, abgerufen am 17. Juni 2010)?
 
Wenn nein, warum nicht?
 
Für alle Fragen der Kulturpolitik und Kulturverwaltung (insbesondere für die Bereiche Schulwesen, Hochschule und Erwachsenenbildung/Weiterbildung) sind nach der im Grundgesetz festgeschriebenen Kompetenzverteilung grundsätzlich allein die Länder zuständig.
 Die so genannte Kulturhoheit der Länder, d. h. die gesetzgeberische und administrative Kompetenz für alle Fragen der Kulturpolitik und Kulturverwaltung ist im Grundgesetz sogar als „Kernstück der Eigenstaatlichkeit der Länder“ (BVerfGE 6, 309, 345/347) verankert. Auf die im Grundgesetz festgelegte Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern im Bildungsbereich wurde im Rahmen des Fragewesens des Deutschen Bundestages bereits vielfach hingewiesen. Demnach fallen Fragen zur praktischen Gewährleistung von Diskriminierungsfreiheit für lesbische und schwule Jugendliche und zu deren Akzeptanz an Bildungseinrichtungen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Bundesregierung. 
 
 
6. Wie erklärt die Bundesregierung die wissenschaftlich nachgewiesenen überproportionalen Raten an Suizidversuchen unter lesbischen und schwulen Jugendlichen?
 
Der Bundesregierung liegen keine statistischen Daten zur Rate der Suizide bzw. Suizidversuche bei lesbischen und schwulen Jugendlichen vor. Insgesamt hat die Rate der Suizide bei 15- bis 20-Jährigen in den vergangenen 20 Jahren deutlich abgenommen (1987: 453 Personen, 1997: 292 Personen, 2008: 210 Personen; Quelle: Statistisches Bundesamt). Die diskutierte erhöhte Rate an Suizidver- suchen bei der Gruppe der lesbischen und schwulen Jugendlichen könnte nach Meinung von Sachverständigen wie folgt erklärt werden: Das Herausbilden einer sexuellen Identität im Verlauf der Pubertät und die Annahme der eigenen Geschlechterrolle in dieser Lebensphase ist eine entscheidende Entwicklungsaufgabe im Zuge des Erwachsenwerdens, die Heranwachsende vor eine große Herausforderung stellt und die zum Teil krisenhaft verläuft. Da die Akzeptanz einer lesbischen oder schwulen sexuellen Identität noch nicht in allen gesellschaftlichen Bereichen so weit vorhanden ist, dass sie als selbstverständliche Lebensentwürfe anerkannt werden, sind hier mögliche Erklärungen in der überproportionalen Rate an Suizidversuchen unter lesbischen und schwulen Jugendlichen zu suchen. Sowohl die nicht gelungene Akzeptanz der eigenen sexuellen Orientierung und damit einhergehende Selbstzweifel als auch Erfahrungen von sozia- ler Ausgrenzung bis hin zu Mobbing und Gewalt nach Preisgabe der lesbischen oder schwulen Identität sind als Faktoren zu sehen, die in dem komplexen Bedingungsgefüge der Entscheidung zum Suizid eine Rolle spielen können.
 
   
7. Beabsichtigt die Bundesregierung Maßnahmen zu ergreifen, um den überproportionalen Raten an Suizidversuchen unter lesbischen und schwulen Jugendlichen entgegenzuwirken?
 
Zur Prävention von Suizidversuchen und Suiziden fördert das Bundesministerium für Gesundheit Initiativen des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland (NASPRO). Eine Arbeitsgruppe des NASPRO befasst sich speziell mit der Thematik Suizidprävention bei Kindern und Jugendlichen. Mit Blick auf die in Frage 6 dargestellten Erklärungsmodelle hat die Sexualauf- klärung von Kindern und Jugendlichen eine besondere Bedeutung. Daher unter- stützt die Bundesregierung eine Selbstwert stärkende Sexualaufklärung von Jugendlichen durch vielfältige und zielgerichtete Maßnahmen der Bundes- zentrale für gesundheitliche Aufklärung (siehe Antwort zu Frage 10).  
 
 
8. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung in Bezug auf die Identitätsfindung Jugendlicher, die laut dem 13. Kinder- und Jugendbericht die zentrale Herausforderung der Jugendphase darstellt, hinsichtlich der lesbischen und schwulen Jugendlichen?
 
 
9. Plant die Bundesregierung angesichts des Fehlens jeglicher Angaben zu lesbischen und schwulen Jugendlichen im 13. Kinder- und Jugendbericht eine bundesweite wissenschaftliche Bestandsaufnahme zur Lebenssituation homosexueller Jugendlicher, zu deren Erfahrungen mit Diskriminierung sowie zu den Comingout-Prozessen durchzuführen?
 
Wenn ja, wann sind deren Ergebnisse zu erwarten?
 
Wenn nein, wie begründet die Bundesregierung das Ignorieren eines relevanten Teils der Jugendlichen in ihrer jugendpolitischen Arbeit?
 
Die Fragen 8 und 9 werden aufgrund des Zusammenhangs gemeinsam beantwortet. Der 13. Kinder- und Jugendbericht hat sich nicht speziell mit schwulen und lesbischen Jugendlichen befasst. Der 13. Kinder- und Jugendbericht wurde zum Thema „Mehr Chancen für gesundes Aufwachsen – Gesundheitsbezogene Prävention in der Kinder- und Jugendhilfe“ erstellt. Insofern stand die Befassung speziell mit schwulen und lesbischen Jugendlichen nicht im Mittelpunkt des Berichtes. Es wird im Übrigen auf die Antwort zu den Fragen 2, 23, 24 und 25 verwiesen.  
 
 
10. Inwieweit richtet sich die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung als Fachbehörde für Prävention und Gesundheitsförderung an lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche?
 
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung adressiert lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche zum Themenbereich „Sexualaufklärung“ und „Aidsprävention“. In allen Aufklärungsangeboten verfolgt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen Selbstwert stärkenden Ansatz. Sie wendet sich mit ihren Maßnahmen ausdrücklich gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung. So sind z. B. in den allgemeinen Broschüren zu HIV/AIDS/STI und Safer Sex unterschiedliche sexuelle Orientierungen selbstverständlich berück- sichtigt. In den Jugendbroschüren „In unserer Straße … Jungsgeschichten“ sowie „Mädchensache(n)“ sind Jungenrollen/Mädchenrollen, Coming-out in der Pubertät und sexuelle Orientierung als Themen integriert.
 Die Broschüre „Heterosexuell? Homosexuell? Sexuelle Orientierung und Coming Out“ informiert spezifisch zum Coming-out und spricht damit sowohl Jugendliche als auch ihre Eltern an. In der Arbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Sexualaufklärung und Familienplanung werden Themen wie sexuelle Orientierung, Coming-out etc. integriert angesprochen und finden zielgruppengerechte Berücksichtigung.  
 
 
11. Beabsichtigt die Bundesregierung Maßnahmen zu ergreifen, um der – nach eigenen Angaben (Bundestagsdrucksache 16/4818, S. 86) – weit verbreite- ten psychischen wie physischen Gewalt, mit der lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche konfrontiert werden, präventiv entgegenzuwirken?
 
Wenn ja, welche?
 
Auf Seite 86 der oben genannten Bundestagsdrucksache 16/4818 verweist die Bundesregierung auf diesbezügliche Untersuchungen der Bundesländer. Aktuellere Informationen der Bundesländer liegen der Bundesregierung nicht vor.
   
 
12. Plant die Bundesregierung den „Nationalen Aktionsplan der Bundesrepublik Deutschland zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogene Intoleranz“ um das Problemfeld Homophobie zu ergänzen?
 
Wenn ja, wann?
 
Wenn nein, mit welcher Begründung?
 
Im Rahmen der Weiterentwicklung von im Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und darauf bezogener Intoleranz enthaltenen Aspekten werden derzeit in enger Zusammenarbeit mit den Nichtregierungsorganisationen Handlungsfelder erarbeitet und priorisiert.  
 
 
13. Haben die Bundesländer bzw. die Kommunen im Rahmen des Nationalen Integrationsplans (NIP) Selbstverpflichtungen abgegeben zur Förderung von interkulturell angelegten Angeboten
– im Bildungs- bzw. sozialpädagogischen Bereich für (männliche) Jugendliche mit Migrationshintergrund mit dem Ziel, die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Identitäten und den Respekt gegenüber Les- ben und Schwulen zu fördern,
 
– zur Arbeit (gerade auch mit männlichen) homophoben Gewalttätern mit Migrationshintergrund bzw.
 
– zugunsten von Opfern homophober Gewalt und zur Stärkung junger Lesben und Schwuler (mit und ohne Migrationshintergrund)? Wenn ja, – an welchen Stellen haben Länder und Kommunen – nach Kenntnis der Bundesregierung – eine derartige Selbstverpflichtung abgegeben und – in welchen Ländern wurden diese Selbstverpflichtungen inzwischen in haushaltswirksame Maßnahmen umgesetzt? Wenn nein, warum nicht?
 
 
14. Hat die Bundesregierung im Rahmen des NIP Selbstverpflichtungen abge- geben zur Förderung von interkulturell angelegten Angeboten – im Bildungs- bzw. sozialpädagogischen Bereich für (männliche) Jugendliche mit Migrationshintergrund mit dem Ziel, die Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Identitäten und den Respekt gegenüber Lesben und Schwulen zu fördern, – zur Arbeit (gerade auch mit männlichen) homophoben Gewalttätern mit Migrationshintergrund bzw. – zugunsten von Opfern homophober Gewalt und zur Stärkung junger Lesben und Schwuler (mit und ohne Migrationshintergrund)? Wenn ja, – an welchen Stellen hat die Bundesregierung diese Selbstverpflichtun- gen abgegeben und – mit welchen haushaltswirksamen Maßnahmen wurden diese Selbstverpflichtungen inzwischen umgesetzt (mit der Bitte um Angabe des ent- sprechenden Haushaltstitels)? Wenn nein, warum nicht? Werden entsprechende Projekte eventuell außerhalb des NIP gefördert (wenn ja, welche, mit der Bitte um Angabe des entsprechenden Haushaltstitels)?
 
 
15. Hat die Bundesregierung im Rahmen des NIP Selbstverpflichtungen abgegeben zur Förderung von interkulturell angelegten Angeboten zur Aufklärung von bzw. zur Beratung für Familien mit Migrationshintergrund zum Thema Homosexualität?
 
Wenn ja, – an welchen Stellen hat die Bundesregierung diese Selbstverpflichtungen abgegeben und – in welchen haushaltswirksamen Maßnahmen wurden diese Selbstverpflichtungen inzwischen umgesetzt (mit der Bitte um Angabe des entsprechenden Haushaltstitels)? Wenn nein, warum nicht?
 
Werden entsprechende Projekte eventuell außerhalb des NIP gefördert (wenn ja, welche, mit der Bitte um Angabe des entsprechenden Haushaltstitels)?
 
Die Fragen 13 bis 15 werden aufgrund des Zusammenhangs gemeinsam beantwortet. Im Rahmen des Nationalen Integrationsplans wurden keine Selbstverpflichtun- gen abgegeben, die explizit die Förderung von interkulturellen Angeboten mit Bezug zu den Themen Homosexualität und Homophobie zum Inhalt haben. Dies schließt nicht aus, dass andere Maßnahmen von Bund, Ländern oder zivilgesellschaftlichen Organisationen diese Themen zum Inhalt haben.  
 
 
16. Welche aus Sicht der Bundesregierung vorbildlichen Initiativen/Projekte führen Migrantenorganisationen gegen Homophobie bzw. zur Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben durch?
 
Das Zentrum für Migranten Lesben und Schwule (MILES) des Bildungs- und Sozialwerk des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (BLSB e. V.) bietet Beratung und Hilfe zur Selbsthilfe für lesbische Migrantinnen und schwule Migranten. Weitere Angebote des MILES sind Aufklärungsveranstaltungen, Multiplikatorenschulungen, Vortragsreihen, Kulturabende und Sprachkurse sowie die Unterstützung beim Aufbau von Selbsthilfegruppen und deren Vernetzung.
 
  Dadurch gründeten sich in den letzten Jahren z. B. türkeistämmige, griechische, asiatische und russische Gruppen im Zentrum MILES. Zu Migrantenorganisationen aus dem nicht schwullesbischen Bereich, die vergleichbare Projekte durchführen, liegen keine Erkenntnisse vor. Die Erfahrungen aus den vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projekten „Homosexualität als Thema in Migrationsfamilien“ und „Kultursensible Aufklärung zum Thema Homosexualität für Familien mit Migrationsfamilien“ des Familien- und Sozialvereins des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) haben jedoch gezeigt, dass viele Migrantenorganisationen Kooperationsangeboten in Form von Aufklärungs- und Diskussionsveranstaltungen, Gesprächsabenden etc. offen gegenüberstehen.  
 
 
17. Ist die Bundesregierung bereit, Migrantenorganisationen bei der Konzeption, Finanzierung und Durchführung derartiger Initiativen und Projekte zu unterstützen?
 
Wenn ja, inwiefern?
 
Wenn nein, warum nicht?
 
Die Bundesregierung unterstützt derartige Projekte. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützte die Projekte des Bundesver- bandes der Eltern und Angehörigen von Homosexuellen e. V. „Eltern-Seminar „Diskriminierung durch Sprachen (2008: 2 092 Euro) und „Teilnahme des Ver- bandes am Evangelischen Kirchentag 2009 und das Bundeselterntreffen (2009: 26 501 Euro). Weiterhin wurde das Projekt des Familien und Sozialvereins des Lesben und Schwulenverbandes „Kultursensible Aufklärung zum Thema Homosexualität für Familien mit Migrationshintergrund“ unterstützt (2009: 65 623 Euro/2010: 108 558 Euro) Im Rahmen des Kinder- und Jugendplans als zentralem Förderinstrument des Bundes in der Kinder- und Jugendhilfe können auch Projekte /Initiativen von Migrantenorganisationen finanziell unterstützt werden soweit die Anforderungen nach den Richtlinien zum KJP erfüllt sind.  
 
 
18. Ist die Bundesregierung bereit bzw. willens, dem Beispiel des Berliner Senats aus dem Jahr 2008 zu folgen und zusammen mit muslimischen Organisationen (z. B. innerhalb der Deutschen Islam Konferenz) eine Erklärung gegen Homophobie bzw. für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben abzuschließen, und wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung verfolgt mit der Einrichtung der Deutschen Islamkonferenz das Ziel, durch einen langfristig angelegten Dialog zwischen staatlichen und muslimischen Vertretern das Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Ob und inwieweit die Abgabe einer solchen Erklärung gemeinsam vereinbart wird, muss im Rahmen dieses Prozesses entschieden wer- den.
 
 
19. Wie viele Lieder und Alben von deutschen oder ausländischen Interpreten wurden nach Kenntnis der Bundesregierung von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien seit dem Jahr 2005 wegen homophoben oder transphoben Inhalten indiziert?
 
Welche sind dies?
 
Vom 1. Januar 2005 bis 30. Juni 2010 hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien insgesamt 68 Tonträger aufgrund ihrer verrohenden Wirkung auf Kinder und Jugendliche indiziert, da sie zur Gewaltanwendung gegen Homo- sexuelle aufrufen und/oder Homosexuelle diskriminieren.
Zur Übersicht wird auf die Anlage 1 verwiesen.  
 
 
20. Welche weiteren Indizierungsverfahren der Bundesprüfstelle für jugend- gefährdende Medien wegen homophoben oder transphoben Inhalten wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2005 durchgeführt?
 
Vom 1. Januar 2005 bis 30. Juni 2010 hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien neben 20 Internetangeboten, deren Indizierungen nicht im Bundesanzeiger bekannt gemacht werden, vier Bücher, ein Computerspiel und zwei DVDs aufgrund ihrer verrohenden Wirkung auf Kinder und Jugendliche indiziert, da sie zur Gewaltanwendung gegen Homosexuelle aufrufen und/oder Homo- sexuelle diskriminieren. Zur Übersicht wird auf die Anlage 2 verwiesen.  
 
 
21. Welche weiteren Maßnahmen plant oder unternimmt die Bundesregierung, um homophobe und/oder gewaltverherrlichende Inhalte in Songs der Jugendkultur zu verhindern oder ihnen vorzubeugen?
 
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat veran- lasst, dass ein externer Übersetzer 95 Alben der Reggae- und Dancehall-Sänger aus Jamaika systematisch sichtet (vergleiche Antwort der Bundesregierung vom 8. Juli 2008 zu Frage 8 der Kleinen Anfrage „Lage der Homosexuellen auf Jamaika“ (Bundestagsdrucksache 16/9953). Auf der Grundlage der deutschen Übersetzungen der Lieder aus dem jamaikanischen Englisch („Patois“) hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu 23 Alben Indizierungsanträge gestellt. Auf deren Grundlage wurden zwölf Alben indiziert.
 
Neben den gesetzlichen Regelungen und den Maßnahmen der freiwilligen Selbstkontrolle ist die Vermittlung und Stärkung der Medienkompetenz eine wichtige Voraussetzung für einen effektiven Jugendmedienschutz. Medienkompetenz beginnt in der Familie, denn Kinder lernen in erster Linie von ihren Eltern. Zu den vielfältigen Maßnahmen zur Vermittlung und Stärkung der Medienkompetenz sowie zu weiteren Maßnahmen der Bundesregierung zur Bekämpfung un- zulässiger rechtextremistischer Inhalte im In- und Ausland wird auf die Antwort der Bundesregierung vom 7. Juni 2010 auf die Kleine Anfrage „Rechtsextremismus im Internet“ verwiesen, Bundestagsdrucksache 17/1930.  
 
 
22. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Einbeziehung der Problematik der Entwicklung der sexuellen Identität (einschließlich gleichgeschlechtlicher Orientierung, Bi-, Trans- und Intersexualität) in den Bildungsplänen der Bundesländer?
 
Die Erstellung der Bildungspläne liegt in der alleinigen Zuständigkeit der Bundesländer.
 
 
23. Welche Rolle spielen nach Erkenntnissen der Bundesregierung die Ge- schichte und die Perspektiven von schwul-lesbischer Emanzipationsbewegung in der Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung?
 
Welche Publikationen gab es zu diesem Thema?
 
Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) hat die Aufgabe, durch Maßnahmen der politischen Bildung Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken. Politische Bildung fußt auf der normativen Grundlage von Demokratie, Toleranz und Menschenrechten und fördert auf diese Weise das Bewusstsein für Vielfalt und die Toleranz gegenüber jeglichen gesellschaftlichen Gruppen und Minderheiten.
  Die BpB hat in den letzten Jahren in folgenden Bildungsangeboten die Ge- schichte und aktuelle Situation schwul-lesbischer Emanzipationsbewegungen bzw. das Thema „Homosexualität“ thematisiert:
 
● Online-Dossier „Homosexualität“ Die BpB hat ein Spezial-Dossier zum Thema erarbeitet, das seit Mai 2010 online steht und nach wie vor weiterentwickelt wird: http://www.bpb.de/themen/1TFVML,0,0,Homosexualit%E4t.html
 
● Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) zu „Homosexualität“ Eine Ausgabe der Beilage APuZ vom 12. April 2010 (APuZ 15-16/2010) be- arbeitet das Thema Homosexualität und ist sowohl als Printversion wie online verfügbar: http://www.bpb.de/publikationen/PGK0O9,0,Homosexualit%E4t.html
 
● Eröffnung einer Ausstellung zum Thema Homosexualität und Sport Die BpB hat die Eröffnung der Ausstellung „Gegen die Regeln – Lesben und Schwule im Sport“ am 4. Mai 2010 in Berlin gefördert, die auf Diskriminierung und Stigmatisierung von Homosexuellen im Sport aufmerksam macht. Die Eröffnung fand öffentlichkeitswirksam im Rahmen einer Konferenz statt und im Beisein von Klaus Wowereit und Dr. Theo Zwanziger.
 
● Regelförderung der Akademie Waldschlösschen Im Rahmen der Trägerförderung unterstützt die BpB seit mehreren Jahren die Akademie Waldschlösschen (anerkannter Bildungsträger), die sich insbesondere um Bildungsanstrengungen bemüht, die Identität, Selbstbewusstsein und Einsatz für gesellschaftliche Veränderung bei Schwulen und Lesben stärkt. ● Rechtsextremismus und Homophobie Im Kontext der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Ideologien wird unter anderem auch Ablehnung und Hass gegenüber Homosexualität thematisiert. So wird unter anderem im BpB-Dossier Rechtsextremismus im Zusammenhang mit Ideologien ein entsprechender Beitrag aus der SWR-Redaktion online dokumentiert: http://www.bpb.de/themenP9MLQR,0,Antisemitismus_und_Schwulenhass. html
 
● Filmheft Eine Ausgabe zum Film „Sommersturm“ (Neuauflage 2006) unterstützt den didaktischen Einsatz des Filmes über ein jugendliches Coming-out. http://www.bpb.de/publikationen/P8FRCP,0,0,Sommersturm.html
 
● Thema im Newsletter „ufuq“ Im Rahmen des von der BpB geförderten Modellprojektes „Jugendkultur, Religion und Demokratie“ erscheint der Newsletter „ufuq“ (www.ufuq.de), der in der Ausgabe 7/2008 das Thema Islam und Homosexualität aufgegriffen hat und damit erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit und Debatten angeregt hatte. ● Themenschwerpunkte 2007 und 2008 auf Eurotopics Auf der Eurotopics-Seite sind weiterhin zwei zurückliegende Themenschwerpunkte zugänglich: ● vom 23. Juli 2008 zu Europäischen Gesetzgebung bezüglich Schwulen und Lesben: http://www.eurotopics.net/de/archiv/magazin/gesellschaft-verteilerseite/ homosexualitaet_2008_07/homosexualitaet_gauquelin ● vom 16. August 2007 zur Homophobie in Osteuropa http://www.eurotopics.net/de/archiv/magazin/gesellschaft-verteilerseite/ homophobie  
 
 
24. Plant – nach Erkenntnissen der Bundesregierung – das BMFSFJ als einer der Initiatoren des Projekts „Wertebildung in Familien“, dieses Projekt bzw. ähnliche Initiativen um das Thema Akzeptanz von Lesben und Schwulen zu ergänzen?
 
Wenn ja, in welcher Form?
 
Wenn nein, mit welcher Begründung?
 
Die Angebote der Familienbildung, deren bundeszentrale Träger vom Bundes- ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert werden, sind so angelegt, dass sie auf die Bedürfnisse, Interessen und Erfahrungen von Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen eingehen. Dies umfasst auch die Akzeptanz von allen Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Identität oder/und ihrer gleichgeschlechtlichen Lebensweise. In diesem Sinne wendet sich das Praxisprojekt „Wertebildung in Familien“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz an Erziehungsverantwortliche unabhängig von Familienleitbild, Rollenbildern und Formen des Zusammenlebens, um sie bei der Vermittlung von Werten zu unterstützen und ihnen in einer von wachsender Heterogenität und Komplexität geprägten Gesellschaft Orientierung zu geben. Sie sollen in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden, damit sie Kindern geteilte Werte wie Respekt, Toleranz und gegenseitige Akzeptanz vermitteln können.  
 
 
25. Welche Projekte hat die Bundesregierung in welcher Höhe in den Jahren 2008 und 2009 gefördert, die sich mit der Verbesserung der Lebenssituation von schwulen oder lesbischen Jugendlichen beschäftigen (bitte Zuwendungsgeber, Zuwendungsempfänger und Höhe der Förderung differenziert ausweisen)?
 
Eine Übersicht der aus dem Kinder- und Jugendplan bewilligten Projekte ist in Anlage 3 beigefügt.
 
 
26. Was unternimmt die Bundesregierung, um über pseudowissenschaftliche Angebote für die sogenannten Konversions- oder Reparationstherapien aufzuklären und homosexuelle Jugendliche vor deren fragwürdigen Methoden zu warnen?
 
Der Bundesregierung liegen zu dieser Art von Angeboten keine Informationen vor.
 

 

ANLAGE 1 zur Frage Nr. 19 
 
Im Jahr 2005 wurden folgende Tonträger indiziert: 
 
1. „AGGRO Ansage Nr. 2“ Sampler, Aggro Berlin, Berlin, Bundesanzeiger Nr. 98 vom 31. 
Mai 2005 [Listenteil A] 
 
2. „Automatikk – Des Killatape Vol. 1“ der Gruppe „Automatikk“, Amstaff Muzx, Berlin, 
Bundesanzeiger Nr. 248 vom 31. Dezember 2005 [Listenteil B] 
 
3. „Bozz, Der“ des Interpreten „Azad“, Universal Berlin, Bundesanzeiger Nr. 248 vom 31. 
Dezember 2005 [Listenteil A] 
 
4. „Brothers through blood Vol.II“ der Gruppen „Bulldog Breed ” und “Intimidation One”, 
 
Panzerfaust Records, Newport/USA, Bundesanzeiger Nr. 186 vom 30. September 2005 [Listenteil A] 
 
5. „Helden für’s Vaterland „ der Gruppe „Hassgesang“, Black Sun Records, Anschrift unbekannt, Bundesanzeiger Nr. 98 vom 31. Mai 2005 [Listenteil B] 
 
6. „Prisoner of Conscience“ der Gruppe „Kolovrat”, KVT, Moskau/RUS, Bundesanzeiger Nr. 248 vom 31. Dezember 2005 [Listenteil B] 
 
7. „Storming across Europe“ der Gruppe „White Devils/Violent Division”, Footballfanworld 
Hessen, Mücke, Bundesanzeiger Nr. 248 vom 31. Dezember 2005 [Listenteil A] 
 
8. “Tribute to Lunikoff”, Sampler WB Versand Thorsten Heise, Fretterode, Bundesanzeiger 
Nr. 60 vom 31. März 2005 [Listenteil A] 
 
9. „Vom Bordstein bis zur Skyline“ des Interpreten „Bushido“, Aggro Berlin, Berlin, Bundesanzeiger Nr. 186 vom 30. September 2005 [Listenteil A] 
 
10. “We are the Law” der Gruppe „Warhammer“, Celtic Moon, Hilleröd/DK, Bundesanzeiger  Nr. 120 vom 30. Juni 2005 [Listenteil B] 
 
11. „Where Iron Eagles Fly“ der Gruppe „Aryan”, Resistance Records, Detroit/USA, Bundesanzeiger Nr. 206 vom 29. Oktober 2005 [Listenteil A] 
Im Jahr 2006 wurden folgende Tonträger indiziert: 
 
12. „Blood & Honour Deutschland – Trotz Verbot nicht tot“ der Gruppe „Blood & Honour 
Deutschland“, Celtic Moon, Anschrift unbekannt, Bundesanzeiger Nr. 164 vom 31. August 
2006 [Listenteil B] Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiod
 
 

Homosexuelle und ihre überprüfenden Untersuchungen, ob sie in das vorurteilsfreie Regenbogenland einreisen dürfen…: http://www.auxiliaris.org/?cat=810

 

Manuel Neuer hat sich für einen offenen Umgang mit Homosexualität im Fußball ausgesprochen.

"Ja, wer schwul ist, sollte sich outen. Da fällt doch eine Last ab."

HOME: http://www.auxiliaris.org/

 

5 Gedanken zu “"kleine homosexuelle Fragwürdigkeiten" an die BRD- (Moral- und Sittlichkeits-)Leitzentrale und ihre große Antwort…

  1. Nein, ich hatte verständnisvolle Eltern. Auch bei meinen Freunden war es kein Problem. Wenn man sich gegenseitig respektiert geht das. Ich habe auch akzeptiert dass sich die Anderen unwohl fühlen, wenn ich einen Mann küsse, wir haben darüber geredet und ich muss niemand provozieren, wenn es passt dann küssen wir uns, aber nur um andere damit vor den Kopf zu stoßen, ne, sicher nicht.

    Ich finde es aber auch schlimm wenn viele meiner Freunde die Homophobenkeule auspacken. Eigentlich gibt es sowas ja gar nicht. Schwulenhasser schon aber homophob, was soll das letztlich sein? Jemand der Angst vor uns hat, eine Phobie? Dann könnte man uns ja auch unterstellen wir wären heterophob oder so.

    Ich habe momentan viel mehr Ärger mit den Frauen, die mir das Mannsein absprechen wollen. Gut, dass du dagegen anschreibst, wir müssen doch alle zusammenhelfen, wir Männer.

    Aber ich sage auch, dass es auch unter uns Schwulen viele gibt, die sich unter uns verstecken, sagen sie werden diskriminiert um ihre Perversitäten auszuleben, sich an Kindern zu vergehen -- das ist nunmal so. Da bin ich dagegen.

    Ich lese öfter schwule Fachzeitschriften und da argumentieren nicht wenige dafür dass Sex mit Minderjährigen vor allem Buben erlaubt sein soll. Kein Wunder also wenn die Menschen immer meinen dass viele Pädophile unter uns seien. Ich glaube, davon müssen wir uns endlich ganz trennen.

    • Ist schon eine denkwürdige Sache, wenn ein Mensch aus der achtzig prozentigen üblichen „Handelsnorm“ des Genlieferanten Natur fällt und er sich Verständins seiner Umwelt für seine Andersartigkeit erhoffen muss. Er sogar froh sein kann, dass er nicht durch Diskriminierungen, Spott, Verhöhnungen, Umerziehungen und gesellschaftlichen Benachteiligungen an seiner Persönlichkeitsentwicklung- an seinem Ich- ausleben gehindert wird. Wenn eines Tages die Homosexualität als völlig normal angesehen wird, dann kann sich das gnadenvolle Verständnis endlich auf dem Selbstverständnis- level der Hetros auslöschen lassen. Einfacher ausgedrückt, Schwule werden genauso wie sie als etwas ganz normales anerkannt- das keinerlei Verständnis für ihr Vorhandensein benötigt.

      Vielleicht ist das ein Fehler, euch nicht öffentlich zu küssen- keiner nimmt Anstoß, wenn sich ein Weib/Kerl- pärchen zu solchen Lippenbekenntnissen ihrer Liebe anmundet. Es ist einfach eine reine Gewohnheitssache und nichts anderes….ist meine Meinung. Wir haben fünf kleine Jungs in der Familie, für sie ist es völlig normal, wenn sich unsere schwulen Freunde umarmen, Händchen halten oder sich küssen. Sie wissen, das es etwas ganz natürliches ist, dass Gleichgeschlechtliche aus Liebe zusammenleben, wie es bei einem „Otto Normalverbraucher“ auch “ an- ausgeliebt“ wird.

      Wenn Frauen Dir das Mannsein absprechen, übersehe einfach ihre Dummheit und lasse Dich von ihnen nicht aus der Reserve locken. Du und ich wissen, dass Du ein ganzer Mann bist und durch Deine Homosexualität darin nicht im mindesten „abgekerlt“ wirst. Was lösen solche blödsinnigen Unterstellungen bei Dir aus? Ich nehme an, diese unwissenden Damen, kennen die ganzen Abstufungen der Sexualität nicht- die unterschiedlichen Mischungen des Hormon-Cocktail wird ihnen nicht bekannt sein. Ich nehme an, das brauche ich Dir jetzt nicht näher zu erläutern.

      Ich kenne Frauen, die immer davon sprechen, die schönsten Kerlchen sind „leider“ vom anderen Ufer…(Neid und schmoll)….und für sie als Partner nicht erreichbar. Und sie wären die besseren männlichen Freunde, die sich ein Weib nur vorstellen kann. Also nur postives über euch zu berichten haben- negativ nur der Aspekt, ihr steht dem HeiRATstmarkt nicht zur Verfügung. Und werden die Hetros nicht auch zu gerne als Waschlappen, Memmen und als unmännlich bezeichnet, wenn sie sich nicht ganz passend für manche Menschen verhalten…….

      Ob das wirklich echte Schwulenhasser sind oder nur eine dämliche Gruppe von Menschen, die ihren persönlichen Frust an euch auslassen oder mit ihrer Freizeit nichts schlaueres anfangen können oder euch als schlechtes „Aushängeschild“ für die Gattung Mann ansehen, sie mit diesen Vorurteilen erzogen wurden sind, sie sich profilieren müssen, um ihr Selbstwertgefühl damit steigern zu können????? Ich gehe davon aus, all diese erwähnten Möglichkeiten werden zutreffend sein.

      Daniel, dass es viele Homosexuelle gibt, die sich an Kindern vergreifen, glaube ich nicht. Es werden nicht mehr sein als es bei den Hetros usw. auch der Fall ist. Sie schweigen sich nur darüber aus. Und was ich auch noch anführen will, es gibt sehr viele Männer, die als Kind sexuell missbraucht wurden und ihre natürliche Sexualität nie selber entwickeln konnten und sie neigen deshalb hin und wieder auch dazu, sich an kleinen Jungs zu vergreifen- auch dann, wenn sie von Mütter, Tanten oder anderen weiblichen Personen vergewaltigt wurden sind- sie eine Abscheu zu Frauen entwickelt haben.

      Ich gebe Dir Recht, wir sollten uns langsam aber sicher, von vielen Vorurteilen verabschieden und erkennen, „Andersartigkeit“ ist eine Bereicherung……………………….

  2. Wenn wir sie alle immer nur als homophob beschimpfen ändert das für uns auch nichts und schürt nur noch mehr hass. Wir müssen mehr kommunizieren.

    Daniel
    coming out mit 15

    • Ich gebe Dir vollkommen recht, Beschimpfungen, werden uns nicht aneinander näher bringen, sondern die Kluft nur noch erweitern.

      Allerdings frage ich mich, wo hier Beleidigungen zu ersehen sind? Ich bin selbst ein „normal versexter“- oder zumindest ich war einer und versuche schon seit vielen Jahren, diese erniedrigenden Vorurteile gegenüber Homosexuellen abzubauen. Gemeinsam werden wir es bestimmt- irgentwann- durch Aufklärung auch schaffen

      War es für Dich schwierig, Dich zu Deiner Sexuallität zu bekennen und wie wurde das outing aufgenommen?

    • @daniel: Wir müssen mehr kommunizieren.

      Ja -- das ist richtig. Aber komunizieren auf Augenhöhe. Es geht hier auch nicht Ums beschimpfen, sondern um das Aufzeigen von Missständen. Wenn sie benannt werden ist nachdenken und Änderung der Einstellung möglich -- denke ich.
      Es muss endlich verstanden werden das jeder Mensch wertvoll ist -- und keiner be -- oder verurteilt wird für sein Sein.

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