Wenn der Hoden einen Hochstand ausweist, sollte man/n ihn rechtzeitig behandeln lassen

 

Aktuelles für Eltern und Kinderärzte auf dem 62. Urologen-Kongress Düsseldorf, 24.08.2010.

Unfruchtbarkeit und ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs sind mögliche Spätfolgen des Hodenhochstands. Die Fehllage der Hoden zählt zu den häufigsten urologischen Erkrankungen von Kindern und ist deshalb auch eines der Top-Themen auf der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 22. bis 25. September 2010 im Congress Center Düsseldorf. Wichtig für Eltern und Kinderärzte: Die Behandlung soll frühzeitig eingeleitet und wenn möglich zum ersten Geburtstag abgeschlossen sein. Im Laufe der fetalen Entwicklung wandern die männlichen Keimdrüsen durch den Leistenkanal und liegen bei der termingerechten Geburt bei den meisten Jungen im Hodensack. „Ist das nicht der Fall sprechen wir von Hodenhochstand oder Hodenfehllage, die ein- oder beidseitig auftreten kann.

Es wird zwischen einem  Pendel- und Gleithoden sowie Leisten- und Bauchhoden unterschieden“,

sagt Professor Dr. Raimund Stein, Vorsitzender des DGU-Arbeitskreises Kinderurologie. Störungen im Androgen-Haushalt werden hierfür verantwortlich gemacht. „Betroffen sind durchschnittlich drei Prozent der zum Termin geborenen Jungen. Je geringer das Geburtsgewicht ist, desto häufiger tritt der Hodenhochstand auf. Bei Frühchen steigt das Risiko bis auf 30 Prozent.“ Der Pendelhoden, der zum Beispiel aufgrund von Kälte zeitweise in den Leistenkanal wandert, bedarf in der Regel der Beobachtung durch den Kinderurologen. Alle anderen Hodenfehllagen sind behandlungsbedürftig, denn vor allem die höhere Temperatur im Körperinneren kann schon im zweiten Lebensjahr zu einer Schädigung der Keimzellen und eingeschränkter Fruchtbarkeit führen. Professor Stein weist darauf hin, dass:

„Unbehandelt nur etwa 30 Prozent der Männer mit einseitigem Hodenhochstand ein normales Spermiogramm haben. Bei einem unbehandelten bilateralen Hodenhochstand  sind sehr oft keine Spermien vorhanden.“

Entscheidend ist die frühe Therapie. Wurde vor kurzem noch das Ende des zweiten Lebensjahres angestrebt, soll die Behandlung nach neuen Erkenntnissen vor dem Ende des ersten Lebensjahres erfolgen. „Beim Baden oder Wickeln in freundlicher und warmer Umgebung können Eltern am besten sehen, ob die Hoden im Hodensack liegen“, erklärt der Leiter der Abteilung Kinderurologie der Urologischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. Zwar wandern die Keimdrüsen in manchen Fällen von selbst in den Hodensack, doch dies ist nur bis zum dritten maximal bis zum sechsten Lebensmonat zu erwarten. Danach sollte unbedingt der Kinderurologe aufgesucht werden. In der Praxis werden allerdings noch immer nicht alle Jungen rechtzeitig einer Behandlung zugeführt. Dennoch verzeichnet Professor Stein aus persönlicher Beobachtung eine vorsichtig positive Tendenz als Folge langjähriger Aufklärungsarbeit.

„Dass rund 1,5 Prozent der 4 – bis 8jährigen Jungen einen Hodenhochstand aufweisen, ist nach jüngsten Studien, nicht als Diagnose-Versäumnis, sondern als ein eigenständiges Phänomen anzusehen, bei dem der primär im Hodensack gelegene Hoden später aufsteigt“,

sagt der Kinderurologe. Aufmerksamkeit ist demnach über die ersten Lebensmonate hinaus notwendig. Zur Behandlung im ersten Lebensjahr ist zunächst eine Hormontherapie angezeigt. Sie ist mit 20 Prozent zwar nur mäßig erfolgreich und es kommt in einem Viertel der Fälle zu einem Rezidivhodenhochstand, sie kann aber möglicherweise einen positiven Einfluss auf die Keimzellzellentwicklung haben. Bei einem operativen Eingriff ist die Erfolgsrate weit über 95 Prozent. Bei späterem Behandlungsbeginn, sollte individuell entschieden werden ob eine Hormontherapie oder eine Operation angeraten ist. „Bei rechtzeitiger Behandlung eines einseitigen Hodenhochstands scheint die Fruchtbarkeit nicht wesentlich eingeschränkt zu sein. Bei beidseitiger Fehllage ist das Risiko einer verminderten Fertilität erhöht“, so Professor Dr. Raimund Stein.

 

Männer und Ärzte sollen durch die Leitlinie bei der Entscheidung über Früherkennungsmaßnahmen unterstützt werden. Die Leitlinie soll dazu beitragen, eine angemessene Gesundheitsversorgung bei der Früherkennung sicherzustellen:

http://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/PDF/S3_LL_PCAS3_PCa_Aktualisierung_2011_110912f.pdf

HOME: http://www.auxiliaris.org/

 

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