GEZ: ein privater Erpresserverein?

…es ist kein privater-, sonder ein staatlicher Nötigungsverein, der alle  (auch un)rechtlichen Mittel einsetzt, um an das sauerverdiente Geld, der anstaltseigenen Arbeitssklaven heranzukommen- egal wie(…)

 

http://gez-abschaffen.de/talk.htm#Talk06082010

Höcker und Marmor

– Der ehrlicheTalk –

Prolog

Mit diesem neuen Format möchte ich einmal mit dem Intendanten des Norddeutschen Rundfunks, Herrn Lutz Marmor, persönlich ins Gespräch kommen. Herr Marmor hatte ja in den letzten Jahren und Monaten immer wieder den Kontakt zu mir gesucht. Bisher hatten wir uns allerdings praktisch nur mittels juristischer Schriftsätze, über Anwälte, Gerichte und aus Anlass der Zwangsanmeldung, des Verwaltungsauskunftserzwingungsverfahrens und der Zensurklage gegen meinen Blog eher schroff miteinander auseinandergesetzt. Und es war ja auch immer der Herr Justitiar Abcdefg mein "Gesprächs- und Briefpartner" und nie der Herr Intendant Marmor selbst.

Das möchte ich jetzt ändern! Mit Hilfe der Kunst!

Ich verwende für diese meine erneute Kunst-Aktion das Stilmittel der Satire, das Hilfsmittel der Zauberei sowie die technische Unterstützung modernster Beam-Verfahren, um den Herrn Intendanten zu mir in mein Büro zu bringen und mit ihm zu plaudern. Nun kann's losgehen:

Bernd Höcker macht sein Zauberritual und grummelt "xxx xxxxx xx xxxxxx" (zensiert)

*** ping ***-

Gespräch vom 16. Juli 2010

Über die Haushaltsabgabe und die Taschengeldlösung

Lutz Marmor (NDR-Intendant)
Huch, wo bin ich denn? Ich saß doch eben noch auf meinem Chefsessel beim NDR!

Bernd Höcker (Blogger)
Moin Herr Marmor! Sie sind hier bei gez-abschaffen.de gelandet! Keine Angst! Ich habe Sie hierher gezaubert, weil ich gerne einmal locker und entspannt mit Ihnen reden möchte. Ich möchte hiermit unser mittlerweile doch ziemlich verkrampftes und verbohrtes Verhältnis positiv beeinflussen! Dazu habe ich mir gedacht, ich zaubere Sie einfach mal her und wir machen zusammen eine unterhaltsame Talkshow unter dem Motto "Leichte Gespräche bei schwerem Wein". Ich möchte als erstes gern von Ihnen wissen, ob Sie dabei mitmachen möchten oder ob ich Sie gleich wieder zurückzaubern soll.

Marmor
Moooment mal! Sind Sie so etwas wie Harry Potter, Herr Höcker? Wie bin ich hierher gekommen? Wie haben Sie das gemacht mit dieser verhexten Zauberei?

Höcker
Das war Glücksache, Herr Marmor! Ich hatte einen Fehlversuch. Plötzlich saß Herr Abcdefg vor mir und lies sich nicht wieder wegzaubern. Ich hab ihn dann zu Fuß zurück geschickt. Aber reden wir nicht über Zauberei. Ich möchte gerne von Ihnen wissen, ob Sie mit unserem lockeren, satirischen Gespräch und dessen Veröffentlichung einverstanden sind oder ob Sie mich später auf Unterlassung verklagen werden?

Marmor
Oooh Herr Höcker…. Was soll ich jetzt dazu sagen? … Also gut, von mir aus können wir das ruhig machen…. Ich hab ja als Intendant des Norddeutschen Rundfunks sowieso schon von Berufswegen jede Menge Humor! Warum also nicht! Schließlich ist das wieder einmal Kunst, was Sie hier machen! Ich bin übrigens ein heimlicher Fan Ihrer Aktionskunstwerke! Die Sendung heißt doch "Leichte Gespräche bei schwerem Wein", also wo bleibt der Wein? Ich sehe, Sie kredenzen einen GEZ Abschaffler, Jahrgang 2005. Da bin ich ja mal sehr gespannt!

(Höcker schenkt Beiden ein Glas köstlichen Weines ein. Beide prosten sich lächelnd zu.)

Höcker
Ich möchte heute mit Ihnen über die neue Haushaltsabgabe sprechen. Einige Medien schreiben, dass diese nun endlich die bei vielen verhasste GEZ überflüssig macht. Stimmt das?

Marmor
Tatsache ist: Wir müssen die neue Haushaltsabgabe möglichst unauffällig, schnell und problemlos über die Bühne bringen. Da greift man schon mal zu solchen Versprechungen, um den Ball in der Öffentlichkeit flach zu halten. Apropos Ball: Wir haben diesen Vorstoß natürlich nicht zufällig in die Zeit der Fußball Weltmeisterschaft gelegt. In dieser Zeit waren die Leute wie hypnotisiert. Man kann denen in solchen Situationen Schreibmaschinenpapier zu fressen geben und denen weismachen, das wäre Blattsalat. So macht man das eben, wenn man etwas unauffällig, schnell und problemlos durchsetzen will: Man verspricht viel und lenkt ab. Die GEZ aber in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf!

Höcker
Aber es heißt doch im neuen Staatsvertragsentwurf, dass für jede "Wohnung" eine Gebühr fällig ist. Da bräuchten Sie doch nur die Daten der Meldeämter auf Ihren Bestand übertragen, wie dies ja schon heute auf Grundlage der Meldedatenübermittlungsverordnungen der Bundesländer geschieht, und schon könnten Sie Ihre Gebührenbescheide verschicken. Fertig. Kontrollen wären doch überflüssig!

Marmor
Sagen Sie mal Herr Höcker! Ich dachte, Sie hätten Recht studiert, dann lesen Sie doch mal den Gesetzestext richtig. Da steht nämlich: "Wohnung im Sinne dieses Staatsvertrages ist unabhängig von der Zahl der darin enthaltenen Räume jede baulich abgeschlossene Raumeinheit innerhalb eines Gebäudes, die zum Wohnen oder Schlafen geeignet ist oder genutzt wird" – Und das bedeutet im Klartext, dass jede Gartenlaube, jeder Geräteschuppen und jeder separat zugängliche Kellerraum rundfunkgebührenpflichtig sein wird! Gartenlauben & Co sind aber leider noch nicht beim Einwohnermeldeamt erfasst. Da gibt es also jede Menge zu kontrollieren! Die Kontrollen werden für uns aber einfacher: Erspähen unsere Beauftragten irgendwo einen Geräteschuppen oder eine Datscha, notieren sie sich das und melden es der GEZ. Man kommt also dadurch kaum noch körperlich mit den wütenden und renitenten Bürgern in Kontakt und arbeitet effektiver und entspannter. Vielleicht benennen wir die GEZ auch um, in irgendwas mit "Servicestelle…" oder "Betreuungsstelle…" oder ähnlich Positivem. Unser neues, grünes, tuffiges Logo ist ja jetzt schon sehr positiv!

Höcker
Was halten Sie denn selbst von dieser neuen Gesetzgebung?

Marmor
Es ist leider nur die zweitbeste Lösung. Unser staatsferne Ministerpräsident und Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates, Kurt Beck, hatte eine noch viel bessere Idee eingebracht: Die Taschengeldlösung! Dabei erhält die GEZ sämtliche Einnahmen der Bürger und vergibt dann auf Antrag ein Taschengeld an die Bürger zurück. Das ganze könnte durch das System ELENA unterstützt werden, weil damit ja ohnehin bereits sämtliche Einkünfte der gesamten Bevölkerung erfasst werden. Der Verwaltungsaufwand wäre gering und das System effektiv. Die Anträge auf Taschengeld würden dann auch durch die GEZ bearbeitet. Vorausgesetzt, der Bürger kann seinen Bedarf auch mit entsprechenden Belegen beweisen… Natürlich wird es dabei auch wieder Krakeeler und Querulanten geben, die rummosern: "Warum gibt mir der NDR nur so wenig Taschengeld!??" Solche Stänkerer gibt es aber auch schon jetzt und die wird es immer geben!

Höcker
Und warum ist die Taschengeldlösung gescheitert?

Marmor
Gescheitert ist sie nicht wirklich, sondern nur verschoben. Auch der Hamburger Oberbürgermeister Ole von Beust und der damalige Ministerpräsident Niedersachsens, Christian Wulff, fanden die Idee übrigens ausgesprochen "sexy"! Christian Wulff will jetzt als Bundespräsident den Leuten schon mal die großen Vorteile dieser Taschengeldlösung in seinen Reden schmackhaft machen. Christian ist ja schon immer unser Boy, wenn Sie wissen, was ich meine. Wir sind allerdings erstmal übereingekommen abzuwarten, wie in der Bevölkerung die Haushaltsabgabe aufgenommen wird. Wenn die Leute die Haushaltsabgabe schlucken, kommt schon bei der nächsten Staatsvertragsänderung die Taschengeldlösung. Die logische Fortsetzung heißt: Rundfunkgebühr, Haushaltsabgabe, Taschengeldlösung!

Höcker
Nun wird es aber noch keine Taschengeldlösung geben, sondern die Haushaltsabgabe.

Marmor
Ich find's schade, dass wir auf die Taschengeldlösung wohl noch einige Jahre warten müssen. Zur Haushalsabgabe stehe ich noch sehr zwiespältig. Einerseits finde ich das natürlich einen Fortschritt zu vorher, andererseits mache ich mir aber auch sehr große Sorgen! Klasse finde ich es, weil die Leute nur auf diese Art und Weise überhaupt noch zu fassen sind! Die Leute haben ja die gute alte Rundfunkgebühr nicht mehr toleriert! Die Menschen wollen sich heutzutage selbstbestimmt ihre Medien auswählen und uns dabei umgehen! Da musste einfach was passieren! Schließlich haben wir vom Bundesverfassungsgericht eine "Bestandsgarantie" erhalten! Das heißt doch, dass wir immer überleben werden, egal ob man uns will oder gar braucht. Wir sind untodbar, wir sind ewig und immer! Wir sind die einzige Konstante in dieser unsicheren Zeit. Da ist die Haushaltsabgabe, wie es unser staatsferne Unterstützer Kurt Beck kürzlich gesagt hat, die im Moment einzig "zeitgemäße Grundlage" der Rundfunkfinanzierung.

Höcker
Gibt es denn da für die Bürger wirklich keine Fluchtmöglichkeit mehr?

Marmor
Doch: z.B. durch Selbstmord. Aber nicht vergessen, vorher abzumelden, was allerdings nicht geht, solange man noch lebt.

Höcker
Herr Marmor, Sie sagten vorhin, Sie seien zwiespältig, was die Einführung der Haushaltsabgabe angeht. Sie haben ja eben erklärt, warum Sie diese begrüßen. Was aber macht Ihnen Sorgen?

Marmor
Herr Höcker, ich muss jetzt einmal ganz ernst und offen mit Ihnen sprechen, und bitte lachen Sie mich nicht aus. Wir vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk verdienen so ein unverschämtes Schweinegeld, dass sich da kein normaler Straßenmensch eine Vorstellung von machen kann…

(Höcker schenkt noch mal Wein ein)

Höcker
Wie viel verdienen sie denn, Herr Marmor?

Marmor
Ich bekomme xx.xxx.xxx,xx Euro im Jahr…. – Aber bitte xen Sie das weg! Das wäre sonst ein Verstoß gegen den Artikel 5 GG, wenn das die Bevölkerung erfährt, weil das dann zu einer mittelbaren Beeinflussung der Programmgestaltung durch zunehmende Proteste führen würde. In dem Fall würde ich Sie tatsächlich auf Unterlassung und Schadenersatz verklagen und bei der Hamburger Landgerichtszensurkammer garantiert erneut gegen Sie obsiegen! Herr Höcker, seien Sie vorsichtig!

Höcker
Okay, okay, okay! Nicht schlecht aber die Summe von xx.xxx.xxx,xx Euro! Ich hatte es mir aber auch schon gedacht, da ja die Wichtigtuer, die Sie für Ihren dümmlichen Tingeltangel einkaufen, wie etwa Harald Schmidt, durchaus schon mal acht Millionen Euro im Jahr bekommen. Da dürfen Sie als Chef des Ganzen natürlich nicht zurückstecken. Den Betrag habe ich selbstverständlich weggeixt, Herr Marmor. Also keine Panik! – Nun verstehe ich aber immer noch nicht, was Sie gegen die Haushaltsabgabe haben. Es läuft doch alles bestens für Sie!

Marmor
Ich habe Ihnen eben zu erklären versucht, was für ein exorbitantes Gehalt ich – verglichen mit den gewöhnlichen Alltagsmenschen – beziehe. Auch bisher war es schon so, dass dieses Geld von Menschen eingetrieben wurde, die entweder gar kein, oder fast kein Einkommen hatten oder unsere Sender gar nicht empfangen konnten oder wollten. Oder alles zusammen. Das allein hat mich bisher psychisch schon sehr belastet. Nun kommen aber noch die Menschen hinzu, die definitiv weder Radio noch Fernseher noch irgendein neuartiges Rundfunkempfangsgerät besitzen. Menschen, die lieber ein schönes Buch für ihr Geld kaufen oder eine Zeitung abonnieren würden. Und da kommen wir und nehmen ihnen dieses Geld einfach weg! Herr Höcker! Ich könnte heulen und schreien zugleich, weil ich mich so schäme! Bitte schenken Sie mir noch ein Glas Wein ein!

(Höcker füllt beide Gläser nach. Beide schweigen….)

Marmor (fährt fort)
Glauben Sie eigentlich an Gerechtigkeit, Herr Höcker? Ich ja! Das Universum vergisst nichts! Irgendwann wird jede Rechnung bezahlt, und es werden alle Schulden beglichen werden müssen. Ob in diesem oder im nächsten Leben. So hat mir z.B. auch Thomas Gottschalk kürzlich erzählt, dass er regelmäßig ein Drittel seiner Einnahmen in Form von Goldbarren unter seinem Schloss begräbt, um im nächsten Leben davon jedenfalls schon mal eine Anzahlung an diejenigen zurückzahlen zu können, von denen er in diesem Leben das Geld über unsere GEZ hat eintreiben lassen. Ich halte das allerdings für sehr gefährlich, da durch so viel schweres Gold an dieser einen Stelle die Erde aus ihrem Gleichgewicht kommen könnte. Ich habe ihn daher überredet, sich in Australien einen weiteren Bunker zu kaufen, um dort ebensoviel Gold einzulagern. So wuchtet man die Erde wieder aus, wie einen Autoreifen. Thomas kriegt nun vom ZDF sechs Millionen Euro zusätzlich für diese Bunkeranlage. Das ist unser Beitrag zum Umweltschutz und zur Rettung der Erde, Herr Höcker! Der öffentlich-rechtliche Rundfunk nimmt schließlich seine Verantwortung gewissenhaft wahr!

Höcker
Herr Marmor, ich denke, wir sollten jetzt erstmal Schluss machen. Wir haben beide schon viel Wein verkonsumiert und ein interessantes Gespräch geführt. Das soll's für heute aber erstmal sein. Aus Rücksicht auf Sie. Danke, dass Sie sich auf diese für Sie doch sehr überraschende Aussprache eingelassen haben, bei der wir uns immerhin doch ein ganzes Stück näher gekommen sind! Ich möchte gern öfter mit Ihnen plaudern. Hätten Sie an einem der nächsten Freitag Abende wieder Zeit und Lust, mit mir ein leichtes Gespräch bei schwerem Wein zu führen?

Marmor
Ja, ich komme sehr gerne! Schon wegen Ihres hervorragenden 2005er GEZ Abschaffler-Weines! Und weil ich mich mit Ihnen endlich mal richtig aussprechen kann. Aber warum wollen Sie denn unbedingt wieder einen Freitag Abend als Termin für unser Gespräch nehmen? Weil wir am nächsten Tag ausschlafen können?

Höcker

Nein. Weil Sie es am Wochenende bei Gericht schwerer haben, eine Einstweilige Verfügung gegen mich erwirken zu können und bis Montag das Interview schon überall im Internet verbreitet ist! – Dann also bis irgendwann Freitag Abend!

Marmor
Bitte zaubern Sie mich jetzt wieder zurück zum NDR!

Höcker
Sehr gerne! Gute Reise, Herr Intendant!

(…murmelt unverständliches Zeug…)

…Ach Herr Intendant!!?? Nächstes Mal ist mein Thema die Zensur durch den NDR!!!

—- ping —-

(Höcker ist wieder allein)

Bitte lesen Sie zunächst oben den Prolog und nehmen Sie zur Kenntnis, dass es sich hier um reine Satire handelt und Kunst ist. Lesen Sie bitte nur weiter, wenn Sie akzeptieren, dass das folgende Interview nur erdacht wurde und niemals stattfand. Leider.

Höcker grummelt wieder seinen Zauberspruch: "xxxx xxx x xxxx" (zensiert)

*** Ping ***

Bernd Höcker (Blogger)
So, da ist ja auch schon der Herr Intendant!

Lutz Marmor (NDR-Intendant)
Hach! Da bin ich ja wieder! Und ich hatte eigentlich schon letzte Woche mit einem neuen leichten Gespräch bei schwerem Wein gerechnet! Da hatte ich mich nämlich extra mit Sekt zurückgehalten, den wir nach wie vor bei unserer täglichen Siegesfeier konsumieren! Und ich hatte mir letzte Woche extra auch die Taschen mit dem köstlichen Käse vollgestopft, den uns Ihre Besucher nach wie vor zukommen lassen. Dafür auch noch mal unser aller Dank! Nun komme ich ganz ohne etwas mitzubringen und wir müssen Ihren köstlichen Wein sozusagen trocken runterspülen.

Höcker
Erstmal einen schönen Freitag Abend, Herr Marmor! Zuerst aber wieder die ernste Frage, die ich Ihnen auch schon vor unserem letzten Gespräch gestellt hatte: Sind Sie mit dem satirischen Gespräch einverstanden? Einem Gespräch, das nie stattgefunden hat und ein reines Kunstwerk darstellt. Bitte antworten Sie mir so gerichtsfest, dass ich mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass Sie mich nicht deswegen verklagen oder anzeigen werden.

Marmor
Herr Höcker, ich bin Intendant des Norddeutschen Rundfunks. Ich habe nicht nur Humor, sondern bin auch souverän genug, um den Spaß wieder mitzumachen. Um es zum wiederholten Male klar zu sagen: Ich bin einverstanden mit unseren leichten Gesprächen bei schwerem Wein. Ich freu mich sogar drauf! Was ist heute unser Thema?

(Höcker schenkt beiden ein und beide trinken einen Schluck)

Höcker
Nun Herr Marmor, ich hatte es Ihnen letztes Mal noch hinterher gerufen, aber Sie waren wohl schon wohlbehalten im NDR auf Ihrem Chefsessel angekommen. Es geht heute um die Zensur durch den NDR.

Marmor
Meinen Sie jetzt etwa die Unterlassungsklage gegen Sie durch unseren besten und furchtlosesten Mann, den Justitiar Herrn Xxxxxxxx?

Höcker
Bitte sagen Sie künftig diesen Namen nicht mehr, sondern Herr Abcdefg, wie ich es beflissentlich auch tue, sonst kann ich bis zu zwei Jahre ins Gefängnis kommen, so steht es im Urteil, das Ihr Justitiar erstritten hat! Ich habe den Namen jetzt weggeixt.

Marmor
Na gut, aber was hat unsere Unterlassungsklage mit Zensur tun? Zensur gibt es in China, Nordkorea oder dem Iran. Wir sind hier in der Bundesrepublik Deutschland, Herr Höcker! Was wir machen ist Schreibhilfe!

Höcker
Wie "Schreibhilfe"?

Marmor
Wir helfen Journalisten, richtig zu schreiben. Viele können zwar schreiben, aber eben nicht richtig! Wir vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk helfen diesen Menschen, das "richtige Schreiben" zu erlernen. Wenn Sie so wollen, ist dies so eine Art Telekolleg! Also Weiterbildung für Journalisten! Sie fordern doch immer Schulfunk, Sprachkurse und Telekollegs, Herr Höcker! Das hier ist unsere Art, solche Vorschläge aufzugreifen und umzusetzen!

Höcker
Ja schon, aber die Lektionen, die Sie erteilen, sind mächtig teuer!

Marmor
Herr Höcker! Zu Ihrem Fall: Sie hatten immerhin Einzelunterricht! Und es waren gleich ganze fünf erstklassige Voll-Juristen, die Ihnen geholfen haben, das richtige Schreiben zu erlernen: Unser heldenhafter Star-Justitiar, dann unser gewiefter Top-Abmahnanwalt und nicht zu vergessen die drei sympathischen Presse-Richter des Landgerichts! Ein absolut hochkarätiges Team, das Ihnen zur Verfügung stand, oder!

Höcker
Ich bin gerührt. So habe ich das noch gar nicht gesehen!

Marmor
Das weiß ich. Viele Menschen fühlen sich durch uns bedrängt und wissen gar nicht, wie gut wir es mit ihnen meinen. Unser alleiniges Ziel ist es, Menschen zu helfen! Wer falsch schreibt, bekommt eine Lektion Schreibhilfe und wer richtig schreibt, bekommt eine Anzeige!

Höcker
Der wird angezeigt?!

Marmor
Ha, ha! Nein, nein! Der bekommt von uns einen Anzeigenauftrag! Z.B. für eine ganzseitige Anzeige für irgend eine Blabla-Sendung oder mit einem Dummspruch wie mit dem Zweiten, mit dem man besser sieht. So etwas ist von der Sache her absolut sinnfrei, da die Leute eh blechen müssen, ob sie wollen oder nicht. Die Anzeigen erfreuen aber vor allem die Zeitungsverleger und die wiederum sichern dafür die Arbeitsplätze ihrer gutschreibenden Journalisten. So sind alle froh! Eine klassische Win-Win-Situation!

(Höcker schenkt nach)

Höcker
Nochmal zum Einzelunterricht. Ich hätte eigentlich lieber keinen Unterricht von Ihnen erhalten. Diese kostenträchtige Unterrichtspflicht wirkt auf mich doch eher einschüchternd. Sie sehen das ja zum Teil auch so ähnlich: Man kann z.B. unter der Überschrift "NDR Intendant Marmor: Juristische Mittel dürfen investigative Berichterstattung nicht verhindern" im Internet nachlesen, dass Sie an die investigativen Journalisten appellieren, sich nicht von Abmahnanwälten einschüchtern zu lassen, sondern frei weg zu schreiben, sofern man niemanden beleidigt und bei der Wahrheit bleibt. Wie passt das mit Ihren eigenen Unterrichtsmaßnahmen zusammen?

Marmor
Ich bin eben vielseitig. Es ist doch so: Nur eine einzige Meinung zu haben, wäre dogmatisch und dogmatisch sein, ist nie gut! Sehen Sie: Es gibt Leute, die spielen immer nur Golf. Das nenne ich einseitig. Es gibt aber auch andere, die spielen Golf und Tennis. So einer bin ich. Ich kann auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen, wie man so schön sagt! Ich bin Intendant.

(Höcker schenkt beiden Wein nach)

Höcker
Trotzdem: Warum gleich immer mit Brachialgewalt den schlechtschreibenden Journalisten Ihren Unterricht aufdrängen, wie Sie es ja schon bei akademie.de und wegen meines Interview im Frühstücksfernsehen getan hatten.

Marmor
Die Schlechtsprechfälle "Akademie.de" und "Frühstücksfernsehen" waren noch vor meiner Zeit als Intendant. Aber: Sie müssen uns auch verstehen: Wenn wir so einen Schlechtschreiber oder Schlechtsprecher entdecken, müssen wir handeln! Und da wir viel Geld haben, ist auch schon die Lösung klar: Den Anwalt anrufen und ihn den Rest machen lassen. Herr Höcker, seien Sie froh, dass Sie arm an Geld sind. Sie sind noch gezwungen, Ihren Geist zu gebrauchen. Wir nicht.

Höcker
Sie geben ja nicht nur Journalisten Schreibhilfe, sondern auch Privatpersonen. Finden Sie es eine angemessene pädagogische Maßnahme, dass der GEZ-Beleidiger Schmidt nun für 50 Tage ins Gefängnis muss, weil er geschrieben hat, dass die GEZ keine Behörde, sondern ein privater Erpresserverein sei?

Marmor
Wenn man solche Leute ungeschoren davon kommen lassen würde, wäre das das Ende dieses in der Welt einmaligen öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems! Ich fände es allerdings besser, den Herrn Schmidt statt im Gefängnis, in einer stationären therapeutischen Einrichtung unterzubringen, wo er erstmal richtiges Denken und richtiges Deutsch lernen könnte. "Privater Erpresserverein" stimmt nämlich vorne und hinten nicht! Wir sind nicht "privat", sondern nach § 1 Abs. 4 VwVfG eine Behörde. Wir sind auch kein Verein, sondern, wie schon erwähnt, eine Behörde.

Höcker
Aber Sie sind doch staatsfern, wie können Sie da eine Behörde sein?

Marmor
Wir sind staatsfern, aber nicht privat. Wir sind in einer rechtsfreien Zone irgendwo mittendrin. Wir dürfen alles und müssen nichts. Niemand darf schlecht über uns reden, weil wir sonst sehr schnell verletzt und beleidigt reagieren, wenn Sie wissen, was ich meine…!

Höcker
Ja, ich glaube, ich verstehe. Ich hatte ja schon Unterricht.

Marmor
Sehr schön.

Höcker
Was sagen Sie eigentlich zu der Berichterstattung über die Haushaltsabgabe? Da gab es doch auch sehr negative Stimmen von Seiten der Presse.

Marmor
Die Presse soll sich kurz austoben. Das entlastet die Volksseele. Dann muss aber auch gut mit Schlechtschreib sein, sonst ist Schluss mit ganzseitigen Anzeigen. Und auf keinen Fall Elementarkritik, sonst gibt es wieder Unterricht!

Höcker
Wie schaffen Sie es eigentlich immer wieder, die Politiker dazu zu bringen, solche, wie ich finde, menschenverachtenden Normenwerke wie jetzt die Haushaltsabgabe oder auch früher den Rundfunkgebührenstaatsvertrag zu erlassen? Die verletzen doch ihren Eid, Schaden vom Deutschen Volke fernzuhalten! Zahlen Sie denen Geld? Bestechen Sie die etwa?

Marmor
I wo! Nur ganz selten geben wir denen ein Stück von unserem Käse äh, äh unserem Kuchen ab. Wir haben doch die besten Journalisten, die es gibt und wir bezahlen lieber diese, als die Politiker, die für uns tätig werden.

Höcker
Versteh ich nicht.

Marmor
Was machen Journalisten, Herr Höcker?

Höcker
Die recherchieren.

Marmor
Richtig. Unsere Journalisten recherchieren sogar sehr tiefgründig. Über jeden einzelnen Politiker, der irgendwas mit Rundfunk zu tun hat. Und sie finden fast immer was. Unsere Journalisten verdienen zwar gut, aber sie leisten Unbezahlbares…

Höcker
Versteh ich immer noch nicht.
 

Marmor
Schenken Sie nochmal ein.

(Höcker schenkt ein)

Marmor (fährt fort)
Es kommt dabei nicht darauf an, was veröffentlicht wird, sondern darauf, was nicht veröffentlicht wird! Jetzt kapiert?

Höcker
Ich fürchte, ich habe schon zuviel Wein getrunken. Lassen Sie uns bitte abbrechen.

Marmor
Okay, ist vielleicht wirklich besser.

Höcker
Herr Marmor, ich muss Sie noch ein Letztes fragen: Meinen Sie, dass es sich bei diesem Interview um Kunst gem. Art. 5 Abs. 3 des Grundgesetzes handelt?

Marmor
Aber ja, Herr Höcker! Seien sie doch etwas selbstbewusster bei dem was Sie tun! Allein die Idee mit dem Wein, der mich die Wahrheit sagen lässt, ist eine phantasiebegabte Leistung und hat sogar Schöpfungshöhe, was man von so manchem NDR-Geplapper nicht gerade behaupten kann! Dann die Idee mit dem Hierherzaubern! Herrlich! Oder Ihr toller Vorschlag mit der Taschengeldlösung in unserem letzten Gespräch! Dieser Einfall ist so begnadet, dass er direkt von mir sein könnte! Jeder erkennt ja auch an jeder Stelle, dass diese Gespräche reine Satire sind und ich nicht wirklich ich bin. Machen Sie sich keine Sorgen! Ich möchte Sie glatt von der Stelle weg als Leiter für unsere eigenen Satiresendungen gewinnen! Wir zahlen Ihnen am Anfang ein vierfaches Bundeskanzlergehalt! Wäre das okay?

Höcker
Das waren wieder "Leichte Gespräche bei schwerem Wein" mit Höcker und Marmor. Bis bald und auf Wiedersehen hier bei gez-abschaffen.de! Unser nächstes Interview handelt von Geld und Macht!

(Höcker grummelt wieder seine Zauberformel: xxx xx x xxxxxx.)

– ping –

(Intendant Marmor verschwindet – Höcker ist wieder allein)

Hinweis an die eifrigen Justitiare der Anstalten:

Ich nehme für dieses Mach-Werk als Schutzrecht
die Freiheit der Kunst gem. Art. 5 Abs. 3 GG in Anspruch!


Dies ist ein schrankenloses Grundrecht, das Sie hoffentlich respektieren!

"Worauf basiert eigentlich dieser Entschluss, ohne freien Willen und freie Marktwirtschaft (Angebot & Nachfrage) … Hat nix mit Demokratie gemein und sehe auch nicht den einzig bedeutenden Sin darin, das objektive Quellen bzw. Berichtserstattungen von den öffentlich Rechtlichen gewährleistet werden (selbst wenn, nehme ich es nicht in Anspruch weil es genügend Alternativen gibt)"

 

 

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