Geschlechterkonstruktionen und die Darstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter* (LSBTI) in Schulbüchern

von Melanie Bittner im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung

Geschlechterkonstruktionen und die Darstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* 
und Inter* (LSBTI) in Schulbüchern lösen laut Medienberichten aktuell in vielen Ländern kontroverse Debatten aus. In Frankreich führte eine Änderung des Lehrplans für Sexualerziehung und deren Umsetzung in neuen Biologiebüchern zu Beginn des Schuljahrs 2011 dazu, dass nun auch die Rolle von Gesellschaft und Erziehung bei der Entwicklung zu Frauen und Männern thematisiert wird. Während dies einigen zu weit zu gehen scheint, weisen andere darauf hin, dass dies dem Stand der Genderforschung entspreche und begrüßen die neuen Bücher.
 
In Kalifornien wurde 2011 der FAIR Education Act verabschiedet, der u.a. regelt, dass der Beitrag von LSBTI zur ökonomischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Staates in Schulbüchern aufgegriffen werden muss, damit die Schüler_innen ein gerechtes und angemessenes Bild der Gesellschaft vermittelt bekommen.
 
Der größte Niederländische Schulbuchverlag hat 2010 verkündet, dass auch schwule und lesbische Paare mit Kindern selbstverständlich als Familien in den Lehrmaterialien dargestellt werden sollen. 5) In Polen führte die Zulassung eines Schulbuchs, in dem Homosexualität als Krankheit dargestellt wird, zu öffentlichen Protesten des Arbeitskreises für Diversity. 

Schulbücher spielen in der täglichen Unterrichtspraxis auch in Deutschland eine große Rolle. In ihnen wird Wissen aufbereitet, das als besonders relevant für das Leben in einer Gesellschaft definiert wurde. Die Lernziele und –inhalte des Unterrichts, die durch Schulbücher vermittelt werden sollen, werden von staatlichen Institutionen geregelt und ändern sich regelmäßig, wie die internationalen Beispiele gezeigt haben. Schulbücher unterliegen weiterhin rechtlichen Normen wie dem UN-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau, dem Grundgesetz und den Schulgesetzen der Länder. Daher dürfen sie nicht diskriminieren und haben den Auftrag, tatsächliche Gleichstellung zu fördern. In Schulbuchanalysen zu Geschlechterkonstruktionen in Schulbüchern konnte aufgezeigt werden, dass dieses Ziel noch nicht erreicht wurde. War in älteren Studien aus den 1980er Jahren die Unterrepräsentation von Frauen noch eklatant, geht es zunehmend um subtilere Mechanismen. So wird vielleicht nicht gesagt, Männer seien nicht für Hausarbeit zuständig, Mädchen müssten sich schminken und schwule und lesbische Paare sollten keine Kinder haben. Aber werden solche oder andere normative Botschaften in Schulbüchern vielleicht doch noch vermittelt? Gibt es durch Stereotypisierungen noch einen „heimlichen Lehrplan“ für Geschlecht und Sexualität oder wird tatsächliche Vielfalt auch positiv dargestellt? Kinder aus Regenbogenfamilien, also Familien mit lesbischen Müttern oder schwulen Vätern, erleben die Auslassung ihrer Familienformen in Lehrmaterialien und als Thema im Unterricht als unangenehm bis diskriminierend. 

Es geht also nicht nur um die formale Erfüllung rechtlicher Normen zu Antidiskriminierung und Gleichstellung, sondern um wertschätzende und gleiche Lernbedingungen für alle Schüler_innen unabhängig von ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität oder der Familienform, in der sie leben, also eben um tatsächliche Gleichstellung. Ziel dieser Studie ist es, exemplarisch zu untersuchen, welche Geschlechterkonstruktionen in aktuellen Schulbüchern zu finden sind und wie Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter* dargestellt werden. Der Fokus wird dabei auf vermittelte Normen und Stereotype gesetzt, bzw. auf Normierungen und Stereotypisierungen durch Schulbücher, denn siesind, so ließe sich zugespitzt formulieren, Konstruktionen und zugleich Konstrukteure sozialer Ordnungen und gesellschaftlichen Wissens.“

Die empirische Analyse ist der Kern dieser Arbeit. Es werden Schulbücher der Sekundarstufe 1 in drei Fächern für mehrere Bundesländer und verschiedene Schulformen untersucht. Berücksichtigt wurdenBücher der Fächer Englisch, Biologie und Geschichte der drei größten Schulbuchverlage bzw. Verlagsgruppen Cornelsen, Klett und Westermann. Die Zusammenstellung des Samples und das methodische Vorgehen werden in den entsprechenden Kapiteln beschrieben. Der theoretische und rechtliche Teil der Studie wurde so kurz wie möglich gehalten. Hier werden zunächst zentrale Begriffe wie Geschlecht, Inter*, Trans* oder Heteronormativität geklärt, so dass die theoretischen Grundlagen verständlich und transparent sind. Anschließend werden grundlegende Annahmen der Schulbuchtheorie und der Stand der Schulbuchforschung skizziert. Es folgt eine Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die für Schulbücher in Deutschland gelten. Anschließend wird der Schulbuchmarkt beschrieben, da dieser speziellen Mechanismen unterliegt, die nicht nur für die Entstehung von Schulbüchern wichtig sind, sondern sich auch auf die Durchführung von Schulbuchanalysen wie der vorliegenden auswirken. Nach der Untersuchung der Englisch-, Biologie- und Geschichtsbücher werden die Ergebnisse zusammengefasst und Schlussfolgerungen präsentiert. Weiterhin wurde eine Liste mit Materialien und Unterrichtsanregungen zusammengestellt. Sie kann von Lehrerinnen zur Ergänzung von Schulbüchern genutzt werden, wenn diese Gender oder LSBTI unzureichend aufgreifen oder wenn vielfältigere Lernmethoden genutzt werden sollen. 

Dieses Kapitel dient der Klärung zentraler Begriffe. Es wird dargestellt, welches gendertheoretische Verständnis Ausgangspunkt dieser Untersuchung ist und die Konzeption der Studie, die Durchführung der empirischen Analyse sowie die Bewertung der Ergebnisse prägt. Im Alltagsverständnis und auch in vielen populärwissenschaftlichen Publikationen wird Geschlecht häufig als Differenz zwischen Frauen und Männern verstanden. Nach Wetterer umfasst die Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit die Annahmen, „[d]ass es zwei und nur zwei Geschlechter gibt; dass jeder Mensch entweder das eine oder das andere Geschlecht hat; dass die Geschlechtszugehörigkeit von Geburt an feststeht und sich weder verändert noch verschwindet; dass sie anhand der Genitalien zweifelsfrei erkannt werden kann und deshalb ein natürlicher, biologisch eindeutig bestimmbarer Tatbestand ist, auf den wir keinen Einfluss haben“ 

Gendertheoretisch handelt es sich bei der Zweigeschlechtlichkeit jedoch um eine soziale Konstruktion. Geschlecht wird hergestellt, es wird gemacht. Diese Konstruktion, auch doing gender genannt, funktioniert über viele unterschiedliche Mechanismen. Da sind einerseits Elemente der alltäglichen Interaktion wie Kleidung, Körperhaltung, Stimme. Aber auch die Institutionalisierung der Zweigeschlechtlichkeit über so unscheinbare Regelungen wie die Kennzeichnung von Toiletten für Frauen einerseits und für Männer andererseits. Auch das Namensrecht in Deutschland schreibt vor, dass Menschen einen geschlechtlich eindeutigen Vornamen brauchen, der normalerweise mit ihrem Personenstand, dem im Pass eingetragenen Geschlecht, übereinstimmen muss. Dabei gibt es viele Beispiele, die Fragen zu Geschlecht als binärer Kategorie aufwerfen. Historische und sozialanthropologische Forschung haben gezeigt, dass es auch Geschlechtermodelle jenseits der Zweigeschlechtlichkeit gibt bzw. dass unsere Alltagstheorie der Zweigeschlechtlichkeit erst seit der Aufklärung und Industrialisierung so wie sie heute die meisten für selbstverständlich halten existiert.

Manche Menschen können oder wollen keinem der beiden üblichen Geschlechter zugeordnet werden. Statt all diese Beispiele als Ausnahmen zu behandeln, plädieren die Gender Studies dafür, die Norm der Zweigeschlechtlichkeit in Frage zu stellen. Und dies bezieht sich nicht nur auf das soziale Geschlecht, welches zunächst mit Gender in Abgrenzung zu Sex gemeint war. Denn gerade biologisch-medizinisch ist die Vorstellung der Zweigeschlechtlichkeit einerseits historisch recht jung und entspricht andererseits sehr viel weniger als oft vermutet dem aktuellen Forschungsstand.

Quellennachweis und weiterlesen:

http://www.gew.de/Binaries/Binary88533/Schulbuchanalyse_web.pdf

 

…Anal- yse…hmmm?….jaja, ich weiß…typisch Kerl, wieder mal toben sich nur schweinische Gedanken in seinem versauten Oberstübchen, aus….Jens-  eits von allen genderisierter Sittsamkeit….übrigens, Schweine können es bis zu 30 Minuten…ist doch eigentlich ein Kompliment, wenn man/n dieser Gattung angehört…..

 

Rede zur Tagung „Sexuelle Identität und Gender – (K)ein Thema in Schulbüchern?"

am 20. April 2012 in der Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin

 

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes:

Sehr geehrter Damen und Herren, sehr geehrte Interessierte,

ich habe mich sehr über die Einladung zu dieser Konferenz gefreut, denn das Thema Diskriminierungsfreiheit in der Bildung, ein Klima der Akzeptanz und Offenheit auf deutschen Schulhöfen liegt mir sehr am Herzen – nicht zuletzt weil ich selber viele Jahre an einer Frankfurter Gesamtschule unterrichtet habe und weiß, wie wichtig es ist, die Diversität der Schülerinnen und Schüler nicht auszublenden und allen Jugendlichen eine freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu ermöglichen.

Gestatten Sie mir, ehe ich mich zum Thema der Studie äußere, kurz die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle zu umreißen. Wir haben vom Gesetzgeber die Aufgabe erhalten, Diskriminierungen zu beseitigen und zukünftig zu verhindern oder zu reduzieren und zwar durch Beratung, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit. Wir arbeiten auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG- http://tiny.cc/4cfmdw), das im Jahr 2006 von der großen Koalition verabschiedet wurde und verschiedene europäische Gleichbehandlungsrichtlinien in deutsches Recht umsetzt. Zwar wurde das Gesetz in Deutschland mit Verspätung umgesetzt, es geht aber an einem Punkt, der für sexuelle Minderheiten sehr relevant ist, über die europäischen Richtlinien hinaus, indem es sexuelle Identität neben Religion, Behinderung und Alter in den zivilrechtlichen Diskriminierungsschutz einbezieht. Das AGG- ist dem sogenannten horizontalen Ansatz verpflichtet. Das heißt, alle sechs Diskriminierungsgründe – ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion/Weltanschauung, Behinderung, Alter und eben auch sexuelle Identität – genießen grundsätzlich denselben Schutz. Auch mehrdimensionale Diskriminierung wird besonders in den Blick genommen.

Nichtsdestotrotz hilft das AGG als solches im schulischen Alltag über seine Symbolwirkung hinaus kaum. Denn Sanktionen sieht das Gesetz nur im Arbeits- und Zivilrecht vor. Im öffentlichen Bildungsbereich ist es nicht anwendbar. Einen rechtlichen Schutz vor Diskriminierung kann hier der allgemeine Gleichheitssatz (Artikel 3.1 des Grundgesetzes) bieten und teilweise auch die Regelungen der einzelnen Landesverfassungen und der Schulgesetze. Das Grundgesetz sieht allerdings nicht explizit den Schutz vor Benachteiligung aufgrund der sexuellen Identität vor. Ich halte es für wichtig, dies auch explizit in den Schutzbereich des Grundgesetzes aufzunehmen.

Diese Einschränkung hindert die ADS allerdings nicht daran, auch zum Thema Diskriminierung im Bildungsbereich Stellung zu nehmen.

Als ehemalige Lehrerin einer sogenannten Brennpunktschule in Frankfurt am Main ist mir nur zu bewusst, dass die Schule der Ort ist, an dem Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit bekommen müssen, Stereotype, Vorurteile und Ressentiments zu überdenken. Dies gerade in einer Lebensphase, in der sie Identitäten suchen und entdecken, Rollen erproben. Einer Phase, in der sie vielfachen Klischees, Erwartungen und Rollenzwängen ausgesetzt sind. Es ist ureigene Aufgabe von Fürsorge- und Bildungseinrichtungen, Schülerinnen und Schülern Akzeptanz zu vermitteln.

Und nicht nur das: Fürsorgeeinrichtungen müssen sicherstellen, dass die ihnen anvertrauten Jugendlichen sich frei von Angst und Diskriminierung entfalten können. Schulen müssen ein sicherer und inklusiver Ort für alle Jugendlichen werden, ob mit oder ohne Behinderungen, mit oder ohne Migrationshintergrund, egal welcher Religion oder welcher geschlechtlichen oder sexuellen Identität. Gerade für transidente, lesbische und schwule Jugendliche ist das leider oft nicht der Fall.

Ich freue mich sehr, dass Sie sich diesem Thema hier anhand der Schulbücher annehmen. Denn es besteht Handlungsbedarf: Die Diskriminierung, die lesbische, schwule und transidente Jugendliche an deutschen Schulen erleiden, ist mit dem Fürsorgeauftrag von Erziehungs- und Bildungseinrichtungen nicht vereinbar. Das Coming-out ist leider noch immer sehr belastend für viele Jugendliche. Die wenigen Untersuchungen, die es dazu gibt, weisen auf durchaus dramatische Folgen hin. Eine höhere Selbstmordrate, größere Anfälligkeit für Depressionen und Beeinträchtigung der schulischen Leistungen sind die Folge. Institutionen, in deren Obhut sich Jugendliche befinden, müssen aber sicherstellen, dass alle Jugendlichen sich ohne Angst selbstbestimmt entfalten können.

Die Erfahrung zeigt, dass die Thematisierung unterschiedlicher sexueller Identitäten gerade in Schulen oft auf Widerstände stößt. Nicht zuletzt ist es immer wieder der Jugendschutz, der als Argument dafür herhalten muss, die Rechte und die Sichtbarkeit von Lesben und Schwulen in der Gesellschaft einzuschränken. So ganz aktuell mit einem neuen Gesetz in St. Petersburg oder bis 2003 in Großbritannien mit der „Clause 28“, beides Gesetze, die die so genannte „Werbung für Homosexualität“ verbieten sollen und so verhindern bzw. verhinderten, Jugendlichen Akzeptanz zu vermitteln. Transidente, schwule und lesbische Jugendliche werden Ressentiments so schutzlos ausgeliefert – und das im Namen des Jugendschutzes. In Deutschland ist es zum Glück nicht gesetzlich verboten, über das Thema zu sprechen. Die Studie, mit der wir uns heute befassen und die Realität auf deutschen Schulhöfen zeigt aber, dass es konkrete Maßnahmen braucht, damit diese Freiheit auch genutzt wird.

Nun haben wir in Deutschland inzwischen eine weitgehende rechtliche Gleichstellung für Lesben und Schwule, bei Trans*Personen besteht noch erheblicher Handlungsbedarf, das ist mir bewusst. So oder so bestehen noch viele Ressentiments und viele Jugendliche werden von ihren Elternhäusern nicht gestützt, wenn ihre Identitäten nicht der heterosexuellen Norm entsprechen. Gerade diesen Schülerinnen und Schülern muss die Schule Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein vermitteln. Wir dürfen diese Kinder nicht alleine lassen.

Dabei gibt es zwei zentrale Handlungsfelder:

  1. Autoritäten in Schulen, Sportvereinen, Seelsorge und Familienberatungen sind gefordert, lesben- und schwulenfeindliche Beleidigungen und Ausgrenzung konsequent zu unterbinden. Wenn eine Schülerin oder ein Schüler „schwule Sau“ sagt, dann müssen Lehrerinnen und Lehrer eingreifen, so wie sie auch eingreifen, wenn es zu antisemitischen oder rassistischen Beleidigungen kommt. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist keine Lappalie, dies muss Schülerinnen und Schülern bewusst gemacht werden.

  2. Die Vielfalt unserer Gesellschaft, die Vielfalt von familiären Zusammenhängen, kulturellen und religiösen Hintergründen, von Menschen mit unterschiedlichen Befähigungen und die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten muss sich im Unterricht widerspiegeln. Denn wie wollen wir unserem Nachwuchs Akzeptanz vermitteln, wenn der Lehrstoff die Vielfalt unserer Gesellschaft ignoriert und längst überholte Rollenbilder vermittelt?

Es ist gut und wichtig, dass die Studie, über die wir heute sprechen, Bestand aufnimmt und so Handlungsfelder definiert. Die Ergebnisse der Studie haben mich in ihrem Gesamtbild allerdings (leider) nicht überrascht. Es wird deutlich, dass das Thema sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Schulbüchern kaum oder unangemessen Thema ist. Warum hat mich das nicht überrascht? Weil trotz aller Fortschritte die Widerstände gegen die Sichtbarkeit und gleichberechtigte Repräsentation von Trans*Personen und schwulen und lesbischen Lebensweisen bestehen bleiben. Lehrkräfte, die sich diesem Thema stellen, beweisen durchaus Mut, denn es erfordert Selbstbewusstsein und Standfestigkeit, das Thema Homosexualität in der Schule sachgerecht anzusprechen und Diskriminierungen entgegenzutreten. Dazu muss man nicht nur eigene Tabus überwinden, sondern sich durchaus auch Gegenwind stellen. Denn oft gibt es Widerstände dagegen, Kinder mit dem Thema zu konfrontieren. Manchmal sogar aus der irrationalen Angst heraus, Kinder könnten „umgepolt“ werden.

Ich bin der Überzeugung, dass dieser Prozess nur "Top-Down" funktionieren wird. Es reicht nicht aus, dass Schulbuchautoren keine diskriminierenden Absichten haben. Es braucht einen klaren öffentlichen Auftrag, die Vielfalt unserer Gesellschaft in Lehrmaterialien abzubilden.

Lassen Sie mich zum Ende einige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation umreißen:

  1. Pädagogisches Personal und Beschäftigte der Schulverwaltungen müssen geschult werden, um angemessen auf diskriminierende Äußerungen und Gewalt zu reagieren. Dies betrifft auch Sportvereine, Jugendfreizeiteinrichtungen, Seelsorge und Familienberatungseinrichtungen.

  2. Schulen müssen Ansprechpersonen für lesbische, schwule und transidente Schülerinnen und Schüler benennen.

  3. Die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten, die Vielfalt menschlicher Befähigungen, die Vielfalt kultureller und religiöser Hintergründe muss sachgerecht und unvoreingenommen im Unterricht thematisiert werden. Dies muss fächerübergreifend geschehen und nicht nur im Sexualkundeunterricht. In Deutsch- und Fremdsprachenunterricht darf homosexuelle Literatur nicht ausgeblendet werden, in Politik- und Sozialkunde nicht die Geschichte der lesbisch-schwulen Verfolgungs- und Emanzipationsgeschichte. Deshalb sollten Lehrpläne entsprechend überarbeitet werden.

  4. Transidente, lesbische und schwule Jugendliche brauchen Rollenbilder. Deshalb müssen Schulen schwule und lesbische Lehrkräfte stützen, die sich dazu entschlossen haben, offen mit ihrer sexuellen Identität umzugehen. Schulen können auch auf bewährte Initiativen zurückgreifen, die qualifizierte und bewährte Workshops für Schülerinnen und Schüler anbieten.

Liebe Zuhörende, meine Damen und Herren, ich danke Ihnen vielmals für die Aufmerksamkeit und wünsche dieser Tagung und ihrem Anliegen viel Erfolg.

H O M E:http://www.auxiliaris.org/

 

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