Frauen als Täterin 3- Gewalttätige Frauen im häuslichen Bereich werden immer noch tabuisiert und teilweise regelrecht ignoriert.

Veröffentlicht unter: Frauen als Täterinnen-von: drachenkatz

6. Hilfen für Täterinnen, aus der Gewaltspirale auszusteigen

Ist der Schutz des Kindes und/oder des Partners vor den Gewalttaten der Frau gewährleistet, ist es die Aufgabe der Gesellschaft, der Täterin Hilfsangebote zu unterbreiten. Dies gestaltet sich sehr schwierig, da Frauen ja als Täterinnen immer noch sehr tabuisiert werden und es, ähnlich wie es bei den Männern als Opfer ist, kaum spezielle Hilfsangebote zur Verfügung stehen. Jedoch stehen Tätern allgemein einige Hilfsangebote zur Verfügung, die selbstverständlich auch von Frauen genutzt werden könnten. Hilfsangebote für Täter kann man in drei Hauptgebiete unterteilen: die Täterberatungen, die Tätertherapien und die Täterprogramme.

6.1 Beratungsangebote  
Beratungs- und Therapieangebote gehen meistens fließend ineinander über. Diese Angebote finden meistens nur so lange statt, wie es der zu Beratende wünscht. In den meisten Fällen werden sie in Anspruch genommen, um akute Situationen konkret zu lösen. Meistens finden diese Beratungen im Einzelgespräch statt, manchmal auch mit dem von Gewalt betroffenen Partner in einer Art Paarberatung. Die Beratungsmethode setzt vorraus, dass die Gewalttätigkeit nicht als Krankheit angesehen wird und der Täter zur Veränderung der Situation bereit ist und von den professionellen Beratern auch so angesehen wird. Beratungsgespräche sind wichtiger Bestandteil in der Täterarbeit.
6.2 Therapienangebote  
Die psychotherapeutische Arbeit mit Tätern ist die Behandlung von psychischen Störungen und Krankheiten. Wenn ein Täter eine Therapie macht, geht man von einem Krankheitszustand aus, der geheilt werden soll. Es werden frühkindliche Erfahrungen und Probleme in der Lebensgeschichte thematisiert und aufgearbeitet. Besonders Missbrauchstäter werden therapiert, weil diese oftmals Gewalterfahrungen aus ihrer Kindheit haben.
6.3 Täterprogramme  
Täterprogramme sind strukturierte Gruppenarbeiten mit vorweg gehendem Einzelgespräch. Sie haben das Ziel, dass der Täter lernen soll, sich so zu verhalten, dass Konflikte gewaltfrei gelöst werden. Es sollen keine frühkindlichen Erfahrungen individuell aufgearbeitet werden und eine Gesundung des Täters vonstatten gehen, sondern es soll eine überprüfbare Verhaltensänderung zugunsten des verbesserten Opferschutzes vollzogen werden. Die Programme beruhen auf der Theorie, dass Gewalttätigkeit ein erlernbares Verhalten darstellt, dass durch gewaltfreie Handlungsstrategien ersetzt wird.

Basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen wird in allen Projekten davon ausgegangen, dass Gewalt nicht nur eine Ursache hat, sondern meistens mehrere Faktoren zusammen kommen. So werden vier Ursachenzusammenhänge zugrunde gelegt: gesellschaftliche Strukturen, die Identitätsentwicklung des Täters, Der Gewalt-Lernprozess in der Herkunftsfamilie und eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit. Die Projekte haben eine kognitiv-behavioristische Grundlage, mit dem theoretischen Grundverständnis, dass Menschen ihr bisheriges Handeln ablegen, neue Handlungsmöglichkeit entwickeln und erlernen und nach diesen weiterleben können. Hier spielen die unterschiedlichen Ursachen für die Gewalttätigkeit keine Rolle. Die Teilnehmer sollen sich also im Laufe des Projektes bewusst dafür entscheiden, künftig ihre Interessen gewaltfrei durchzusetzen. So haben die Programme das Ziel, das Opfer künftig zu schützen, indem der Täter sein Verhalten ändert.

Hierfür ist unter anderem eine verbesserte Selbstkontrolle beim Täter und eine Verbesserung der Zwischenmenschlichkeit durch das Erlernen und Trainieren sozialer Fähigkeiten notwendig.

Die Teilnehmer der Projekte sollen sich durch Konfrontation und Reflexion mit den von ihnen begangenen Taten auseinandersetzen, bis er sein Problem versteht und dann alternative Handlungsmöglichkeiten entwickeln und einüben. Nicht selten passiert es, dass der Täter nach dieser Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Tat freiwillig eine Therapie beginnt.  

7. Fazit  
Ehe ich diese Arbeit mit meinem persönlichen Fazit beende, möchte ich die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse noch einmal kurz skizzieren.
7.1 Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse  
Häusliche Gewalt ist ein Thema, welches viele Schicksale hat und viele Menschen berührt. Um zu verstehen, warum Menschen überhaupt anderen Menschen Gewalt antun, musste zuerst geklärt werden, was man unter den Begriffen Gewalt und Aggression versteht, um dann einen Schritt in Richtung häusliche Gewalt weiterzugehen. Es stellte sich die Frage, ob nur Männer in der Familie gewalttätig werden, wie es uns aus unzähliger Literatur entgegen schreit oder ob es da auch Frauen gibt, die ihre Liebsten misshandeln.

Gewalttätige Frauen im häuslichen Bereich werden immer noch tabuisiert und teilweise regelrecht ignoriert. Im weiteren Verlauf der Arbeit wurde aufgeschlüsselt, wie sehr die Tabuisierung des Themas auch heute noch vonstatten geht und wie schwer es männliche Opfer haben. Durch verschieden geartete Sozialisation von Mann und Frau werden immer noch Stereotypen geschaffen, die sich auch in den Köpfen der Menschen festsetzen. Sei es zu glauben, dass Frauen immer sanftmütig sind und treu sorgende Mütter und Partnerinnen oder auch zu ignorieren, dass Männer auch diese „weiblichen“ Eigenschaften in sich vereinen können, fest steht, dass Frauen und Männer kein verschiedenes biologisches Erbgut bezüglich mehr oder weniger Gewalttätigkeit von der Natur mitbekommen haben. Um die Ursachen für Gewalt und Aggression zu finden, wurden einige Erklärungsmuster und Risikobzw.

Belastungsfaktoren genannt und erläutert. Auch hier lautete das Ergebnis, dass es kein spezielles Erklärungsmuster für männliche oder weibliche Gewalt gibt, egal ob Mann oder Frau, sie sind den gleichen oder zumindest ähnlichen Belastungsfaktoren ausgesetzt.

Frauen können also genauso aggressiv und gewalttätig sein wie Männer und das sind sie auch. Es wird Zeit, dass der Mythos der in allen Fällen friedfertigen Frau aus den Köpfen verschwindet und die Frauen, welche gegenüber ihren Männern und Kindern gewalttätig werden als das gesehen werden, was sie sind, keine Verrückten, sondern Täterinnen. Sie misshandeln Kinder in der gleichen Form und Häufigkeit wie männliche Gewalttäter, bringt man alle Untersuchungen im Dunkelfeld auf einen Nenner, so sind Frauen sogar diejenigen, die in der Familie am häufigsten Gewalt ausüben.

Frauen sind in diesem sozialen Nahraum vor allem gegen Kinder und ihre Partner gewalttätig. Die Gewalt gegenüber dem männlichen Partner wird in unserer Gesellschaft kaum wahrgenommen.

So gibt es auch fast keine Hilfsangebote für männliche Opfer oder Täterinnen. Die Folgen der körperlichen, psychischen oder sogar sexuellen Gewalt gegenüber Männern sind groß. Jedoch wird die Gewalttäterin noch dadurch geschützt, dass der Mann oftmals nichts gegen seine Peinigerin unternimmt, was wiederum an den bereits beschriebenen Missständen des gesellschaftlichen Denkens und an den geschlechtlichen Stereotypen, aber auch an fehlenden Hilfsangeboten, wie Beratungsstellen oder „Männerhäusern“ liegt.

Schlimmer noch ist die Misshandlung, Vernachlässigung und der sexuelle Missbrauch von Kindern. Die meisten Menschen glauben gar nicht, dass Frauen zu so etwas fähig sind. Warum können Frauen das nicht? Männer können das auch. Es gibt in Bezug auf Misshandlung und Vernachlässigung keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern gehen die Zahlen doch mehr auseinander, der Prozentsatz der Täterinnen ist recht gering. Aber es gibt sie, die Frauen, die Kinder missbrauchen.

Zum Schluss stellte sich die Frage danach, ob gewalttätige Frauen eine Aufgabe für die Gesellschaft und für deren soziales Netz sind. Dies ist eindeutig mit Ja zu beantworten. Häusliche Gewalt darf kein Tabuthema mehr sein und erst recht nicht, wenn es um die TäterInnen geht. Es werden Programme zur Bewältigung von Gewalt und zum Abbau von Stress benötigt. Vermutlich ist es manchmal nur ein kleiner Schritt, Hilfe bei der Erziehung der Kinder oder bei der Haushaltsführung und/oder psychologische Hilfe verändern vielleicht bereits das Verhalten der Täterinnen. Vorraussetzung ist jedoch, dass das Thema endlich ernst genommen wird.

7.2 Persönliches Fazit
 
Zuerst beschäftigte ich mich mit dem Thema Gewalt gegen Kinder. Das resultierte schon daraus, dass ich bereits mit 17 Jahren Mutter wurde. Ich war fast selbst noch ein Kind und ganz klar überfordert mit der zwar zuerst nicht gewollten, aber dann angenommenen Schwangerschaft und auch mit den oftmals lautstark eingeforderten Bedürfnissen meiner Tochter. Zwar konnte ich auf Hilfe meiner Familie zählen, aber hinzu kam noch, dass ich noch zur Schule ging und erst ein Jahr nach der Geburt mein Abitur ablegte. Die Zeit war nicht einfach.

Aber schon damals dachte ich darüber nach, ob eine Ohrfeige oder ein Klaps auf den Hintern für mich eine Möglichkeit darstellte, mein Kind zu erziehen. Ich selbst habe nie von meinen Eltern Gewalt erfahren, selbst nachdem mein Vater starb, als ich 13 Jahre alt war, hat mich meine Mutter nie geschlagen. Und überfordert war auch sie, alleine mit drei Kindern und mit einer schweren Krankheit.

Für mich stand damals bereits vor der Geburt meiner Tochter fest, dass ich mein Kind nie schlagen werde oder ihr sonst in irgendeiner Weise Gewalt antun könnte. Diese Einstellung versuchte ich auch gegenüber ihrem Vater durchzusetzen, was mir fast immer gelang. Es stand auch für mich fest, dass wir niemals gegeneinander die Hand erheben würden und sollte er es doch jemals tun, wäre ich mit meiner Tochter gegangen. Aber auch wenn ich so darüber dachte, gab es doch im Freundes- und Bekanntenkreis genügend Eltern, die ihre Kinder schlugen oder sogar gegenseitig auf sich selbst losgingen.

Damals habe ich sehr wenig darüber nachgedacht, wichtig war, dass mein Kind in einer gewaltfreien Umgebung aufwächst. Aber im Laufe der Jahre fing ich an, mich immer mehr für Gewalt in der Familie zu interessieren. Seit es Internet gibt, sind die Möglichkeit, sich über bestimmte Themen zu informieren stetig gewachsen. Vor allem als meine Tochter größer wurde, redeten wir viel auch über Misshandlung und Missbrauch. Die Fragen kamen, als die Töchter meiner Schwester von ihrem Vater missbraucht wurden. Dann kamen auch bei mir die Fragen nach dem Warum und auch nach dem Wer. Schnell stellte ich fest, dass es angeblich nur Männer sind, die in der Familie Gewalt ausüben. Aber das konnte nicht sein, ging doch die Ex-Frau eines Bekannten sogar mit dem Messer auf ihn los und trat ihn so schlimm in die Geschlechtsteile, dass er lebensbedrohlich verletzt wurde und danach zeugungsunfähig war. Und das tat sie nur deshalb, weil er zum wiederholten Mal zu spät von der Arbeit nach Hause kam und sie eifersüchtig war..

Und so wuchs mein Interesse an der Thematik Stück für Stück und seit Beginn meines Pädagogikstudiums denke ich auch darüber nach, dass man immer und immer wieder darüber reden muss, damit das derzeit noch vorherrschende „Täter = männlich“-Denken aufhört und dass ein psychologischer und sozialarbeiterischer Rahmen geschaffen werden muss, in dem Täterinnen Hilfe suchen und finden.

Ebengleiches gilt für Hilfe suchende Männer, die zum Opfer werden. Selbst wenn es nur 10-15% männliche Opfer im häuslichen Bereich gibt, ohne die Dunkelfelder einzubeziehen, müsste es beispielsweise auch mindestens ca. 40 „Männerhäuser“ in Deutschland geben und nicht zwei, von dem eines nur eine Wohnung ist und eines kurz vor dem Ruin steht.

Ich werde mich auch künftig gegen Misshandlung und Missbrauch von Kindern engagieren, aber ich bin auch noch sensibler geworden für das Thema Hilfe für männliche Opfer und Täterinnen häuslicher Gewalt.

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18. http://www.landesstiftung-bw.de

*

zu Teil 1

http://www.auxiliaris.org/frauen-als-taterinnen-diplomarbeit/frauen-als-taterinnen-1/


zu Teil 2

http://www.auxiliaris.org/frauen-als-taterinnen-diplomarbeit/frauen-als-taterinnen-2-2/

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