Frauen als Täterinnen – 3

4. Häusliche Gewalt gegen den Partner Herbert Schmidt Name verändert ist in den 50ern, er hat studiert, Karriere gemacht und steht gut im Beruf. Er wurde von seiner Exfrau gewürgt und geprügelt. Sie hatten alles, waren wohlhabend, hatten ein Haus, zwei gesunde Kinder. Aber seine Frau wurde immer unzufriedener, wollte immer noch mehr haben. Und ihre Aggressivität wuchs ständig. Zuerst redete sie stundenlang nicht mit ihm, später schrie sie ihn so laut an, dass die Nachbarn kamen. Das wurde mit den Jahren immer schlimmer. Zum Schluss sprach sie wochenlang nicht mit ihm, dann brüllte sie ihn an, schubste ihn um und schlug mit allem, was sie gerade in die Hand bekam auf ihn ein. Die Kinder mussten die Mutter dann von ihm wegzerren. Er fand keine Hilfe, weder Ärzte, Psychologen noch Pro Familia halfen ihm, sondern beruhigten ihn nur, dass seine Frau im Stress sei und das nur eine Phase sei, die vorbei gehen würde. Als Mann könne man das aushalten. Es ging nicht vorbei. Aber er verließ sie auch nicht, nicht einmal, als sie mit dem Fleischermesser auf ihn losging. Quelle: „Der geprügelte Mann“ von Gunter Held, Artikel in der Neuen Westfälischen Bielefeld 2004 Spricht man von Gewalt im häuslichen Bereich gegen den Partner, gehen die meisten Menschen davon aus, dass man Gewalt von Männern gegenüber ihrer Frau meint. Es ist sehr schwierig von häuslicher Gewalt gegen Männer zu sprechen, ohne über Gewalt gegen Frauen in der Familie zu sprechen, da ja auch der Begriff der häuslichen Gewalt nicht nur mit dem Mann in der Opferrolle identifiziert wird, eher umgekehrt. Der Mann als Opfer an sich ist begrifflich schwer zu definieren, da ein Mann kaum mit der Opferrolle in Verbindung gebracht wird. Jedoch ist mittlerweile unstrittig, dass es Gewalt gegen Männer durch ihre Partnerin gibt. Anfang der 80er Jahre veröffentlichten Murray Straus, Richard Gelles und Suzanne Steinmetz eine Studie zum Thema häusliche Gewalt durch Frauen in den USA, damit begann die Enttabuisierung der weiblichen Täterschaft im häuslichen Bereich. Bis zu dieser Untersuchung gingen die drei Experten auf dem Gebiet der häuslichen Gewalt davon aus, dass Männer eher selten verprügelt würden. 1980 untersuchte das Forscherteam dann die bis zu diesem Zeitpunkt ca. 30 vorliegenden Untersuchungen zu diesem Thema und stellten überraschend fest, dass mehr Männer als Frauen angegeben hatten, in der Partnerschaft gewalttätig angegriffen worden zu sein. Die bis zu diesem Zeitpunkt geachteten Wissenschaftler wurden von Vertretern der Frauenbewegung nun ignoriert oder bekämpft und es versuchten viele Kritiker von Straus, Gelles und Steinmetz die Untersuchungsergebnisse zu widerlegen. Jedoch konnten diese die Ergebnisse nur bestätigen. Bald wurden nun auch in anderen Ländern Untersuchungen zu weiblicher Gewalt im häuslichen Bereich angestellt und auch hier gab es ähnliche Ergebnisse wie in Amerika, die jedoch auch hier noch ignoriert und tabuisiert wurden. Auch in Deutschland wurden Untersuchungen angestellt, die jedoch zur damaligen Zeit nicht veröffentlicht wurden, da wohl die Ergebnisse zu brisant waren. Nur die freie Presse führte eine jedoch unwissenschaftliche Befragung durch und das Resultat wat, dass die Zahl der männlichen Opfer im häuslichen Bereich um einige Prozente höher lag als die Zahl der weiblichen Opfer. Sucht man nach Literatur über häusliche Gewalt und legt den Schwerpunkt auf weibliche Täterschaft, so stellt man fest, dass ältere Veröffentlichungen fast ausschließlich von Frauen als Opfer sprechen, jüngere Ausarbeitungen jedoch immer mehr davon weggehen und beide Geschlechter als Täter sowie auch als Opfer einbeziehen. So geht zum Beispiel die Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Gewalt in der Ehe und Partnerschaft“, veröffentlicht im November 1996 ausschließlich von weiblichen Opfern im häuslichen Bereich aus, hingegen die neuere Studie „Mehr Schutz bei häuslicher Gewalt“ des selben Bundesministeriums von Dezember 2003 keine Unterscheidung zwischen weiblichen und männlichen Opfern häuslicher Gewalt macht. Im September 2004 wurde sogar eine Pilotstudie „Gewalt gegen Männer in Deutschland“ veröffentlicht, ebenso herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, welche sich mit der Tabuisierung des Themas in der Gesellschaft und vor allem aber mit Gewalttätigkeiten gegenüber Männern, auch im häuslichen Bereich durch ihre Partnerinnen auseinandersetzt. Dies wäre vor einigen Jahren völlig undenkbar gewesen. Problematisch bei der Untersuchung häuslicher Gewalt gegen Männer ist auch, dass viele Männer die Misshandlungen, die sie erfahren haben, nicht zur Anzeige bringen und somit nicht in den Polizeistatistiken erscheinen. Männer tun dies nicht, weil sie sich schämen oder auch, weil ihnen niemand glaubt. So gibt es eine große Dunkelziffer von Frauen misshandelter und missbrauchter Männer, die durch Befragungen abgedeckt werden musste. Oftmals fehlt den geschlagenen Männern das Bewusstsein darüber, dass das, was ihnen angetan wird Unrecht ist. Dies kommt durch das öffentliche allgemeine Bewusstsein zustande, auch, dass ein Mann kein Opfer sein kann, da er ja schließlich stärker als die Frau sei und sich wehren könnte, vor allem, wenn er wesentlich größer und stärker als seine Frau erscheint. Viele Männer wissen nicht, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind und denken, sie wären ein Einzelfall. Männlichkeit wird im gesellschaftlichen Bewusstsein so konstruiert, dass das Widerfahrene nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Ein Mann ist kein Mann mehr, wenn ihm so etwas widerfährt, so das Denken der Männer, vor allem auch dann, wenn sie auch noch psychisch von ihrer Frau unterdrückt werden („Schlappschwanz“). Je häufiger und schlimmer die Gewalt vom Mann erlebt wird, um so mehr besteht die Gefahr, dass der Mann sich nicht gegenüber Helfern öffnet, sich hilflos und ohnmächtig fühlt. Natürlich ist auch die Angst da und sicher auch die Gefahr groß, dass die gewalttätige Partnerin sich rächt, wenn der Mann Hilfe sucht und sie anzeigt und/oder sich trennt. Verbunden mit dieser Angst ist die Angst davor, die gemeinsamen Kinder zu verlieren und nicht wieder zu sehen. Deshalb trennen sich misshandelte Männer von ihren Frauen sehr spät oder gar nicht, weiterführend auch wegen ihrer Angst vor der folgenden Einsamkeit und Isolation. vgl. Walter; Lenz; Puchert 2007, 142 Weitere Gründe, warum Männer auf eine Anzeige gegenüber ihrer Frau verzichten könnte die Hoffnung sein, dass die Frau ihr Verhalten verändert und vielleicht auch mit Hilfe einer Therapie einsieht, dass ihr gewalttätiges Verhalten falsch war und Schuldgefühle gegenüber ihrem Mann entwickelt und alles wieder gut wird. Sie wollen ihre Familie zusammenhalten und ihren Kindern nicht schaden. Einige der genannten Gründe treffen sowohl bei männlichen, als auch bei weiblichen Opfern häuslicher Gewalt zu, jedoch wurde, wie bereits erwähnt, dies nur bei weiblichen Opfern erforscht und festgestellt. vgl. ebenda, 143 Um einen Vergleich zwischen männlicher und weiblicher Aggressivität in intimen Partnerschaften ziehen zu können und die Dunkelziffern männlicher Opferschaft etwas aufzuhellen, entwickelte Murray A. Straus 1972 die CTS-Methode (Conflict Tactics Scales).

4.1 Partnergewalt – empirische, statistische Daten und CTS-Methode
 
 
 
 
 

  Vier von zehn Männer und Frauen zwischen 15 und 59 Jahren wurden bereits einoder mehrmals von einem Partner misshandelt, jeder dritte Mann und jede vierte Frau leben mit einem Partner zusammen, der sie schon einmal geschlagen hat. Bei jedem fünften Paar, das sind 20,9% der befragten Paare, gab es schon Schläge mit der Hand oder einem Gegenstand, bei jedem zehnten Paar (10,7%) bekam der Partner Fußtritte, bei jedem sechsten Paar (16,7%) gab es beim Streit bereits Kratzer oder blaue Flecke. 43,3% der Männer und 34,7% der Frauen aller Befragten zwischen 15 und 59 Jahren wurden schon einmal von ihrem Partner misshandelt, sie waren also mindestens einer Form von Gewalt ausgesetzt, die ein Verletzungsrisiko voraussetzt. vgl. Habermehl 1994, 188 In der folgenden Aufstellung werden die Prozentsätze der Befragten aufgezeigt, die Gewalt und Misshandlung gegen ihren derzeitigen Partner eingesetzt und selbst durch den Partner erlebt haben, unterteilt nach dem Geschlecht der Befragten. Es wurden 553 Männer und Frauen zwischen 15 und 59 Jahren befragt. vgl. ebenda, 190                                                                  E R L E B T                                                 E I N G E S E T Z T

MISSHANDLUNGIm letzten JahrIrgendwann einmalGEWALTIm letzten JahrIrgendwann einmal Männer10,5 %32,9 % 21,5 %53,9 %    Frauen5,9 %22,5 % 13,2 %45,3 % Männer7,1 %24,3 % 17,3 %48,0 % Frauen7,8 %26,8 % 13,9 %40,0 %

Man kann erkennen, dass mehr Männer Misshandlungen und Gewalt erlebt haben als Frauen und dass mehr Frauen misshandelt haben als Männer, gewalttätig wurden weniger Frauen als Männer, aber der Prozentsatz der gewalttätigen Frauen ist relativ hoch. Die CTS-Methode (Conflict Tactics Scales) wurde zur Systematischen Erfassung der von Partnern während eines Streites angewendeten Taktiken entwickelt. Die Ergebnisse, welche mit dieser Methode ermittelt wurden belegen, dass sich die Aggressivität von Männern und Frauen während eines Streites ähnlich entwickelt. So wurde immer wieder durch das CTS nachgewiesen, dass häusliche Gewalt gleich oft auch von Frauen ausgeht und Männer gleich oft Opfer dieser Gewalt sind. Es ist also klar: Frauen verhalten sich in der Partnerschaft ähnlich gewaltbereit und gewalttätig wie Männer. Eine erste Untersuchung von Straus 1975 mit 2.341 Befragten führte zu folgenden Ergebnissen: – bei 28% aller Partnerschaften kam es überhaupt schon zu Gewalt, 12,1% Männer und 11,6% Frauen waren in den letzten 12 Monaten gegenüber ihrem Partner gewalttätig – bei 16% aller Partnerschaften kam es innerhalb des letzten Jahres zu körperlicher Gewalt – bei 49% der Partnerschaften waren beide wechselseitig gewalttätig, bei 27% war nur der Mann und bei 24% nur die Frau gewalttätig vgl. Gemünden in Lamnek/Boatcá 2003, 338 CTS ist eine Befragungsmethode, die die Ursache für Partnergewalt in Partnerkonflikten sieht und Gewalttätigkeiten als Option der Konfliktbewältigung abfragt. Dem Befragten wird die Antwort nicht selbst überlassen, so dass er keine eigene Deutung von Gewalt einbringen kann, sondern die Antwortmöglichkeiten werden direkt vorgegeben. Sie sind dann aber sehr weitläufig gestaltet. Die Methode wurde immer weiterentwickelt und erweitert. Auch wurden die Reaktionen der Opfer auf ihnen entgegen gebrachte Gewalttätigkeiten abgefragt, zum Beispiel weinen, schreien oder zurückschlagen. Nach dieser Methode wurde herausgefunden, dass Frauen häufiger mit Gewalt auf die ihnen entgegen gebrachten Gewalttätigkeiten reagieren als Männer. Frauen reagieren insgesamt heftiger auf Gewalttätigkeiten. Bei den körperlichen Verletzungsfolgen gab es keine nennenswerten Geschlechtsunterschiede. vgl. ebenda 2003, 342 Wie bereits erwähnt wurde 2004 eine Pilotstudie „Gewalt gegen Männer“ vorgestellt. Sie ist derzeit die aktuellste Untersuchung der Bundesregierung über von Gewalt betroffene Männer, vor allem im häuslichen Bereich. Die Untersuchung wurde in der Zeit von September 2002 bis März 2004 durchgeführt. Sie sollte die Gewalt gegen Männer im sozialen Nahraum erforschen, erste Ergebnisse über das Ausmaß dieses Forschungsfeldes vorlegen und Statistiken aufgrund der Untersuchungsergebnisse zu dieser Problematik erstellen. Die Studie dauerte knapp zwei Jahre. In dieser Zeit wurden 32 Männer interviewt. Diese wurden zur Hälfte per Zufallsprinzip ermittelt und zur Hälfte gezielt ausgesucht. Die Männer wurden qualitativ mit Hilfe von verschiedenen Fragebögen befragt. Weiterhin wurden 266 mündliche quantitative Interviews mit qualitativen Anteilen mit zufällig ausgewählten Männern geführt, 190 befragte Männer füllten zusätzlich noch schriftlich einen Fragebogen speziell zur häuslichen Gewalt aus. Eine Verallgemeinerung der Ergebnisse auf alle in Deutschland lebenden Männer liefert die Studie nicht, da die Anzahl der befragten Männer zu gering war. Die Pilotstudie sollte klären, wie man überhaupt ernstzunehmende Daten zu dieser schwierigen Problematik erhalten könnte. Zumindest lieferte sie das Ergebnis, dass die Problematik tatsächlich überhaupt vorhanden ist, dass Männer in ihrer Partnerschaft von Gewalt als Opfer betroffen sein können und dass es diesen Männern schwer fällt, darüber zu sprechen. Die Studie lieferte auch Anzeichen darüber, dass psychische Gewalt durch Frauen an ihren Partnern gegenüber der körperlichen Gewalt favorisiert wird. Keiner der befragten Männer informierte nach Gewalttätigkeiten ihrer Partnerinnen die Polizei, auch wenn einige angaben, dass die Frauen bestraft werden müssten. vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2004

4.2 Formen von häuslicher Gewalt gegen Männer
 
 
 
 
 

  Gewalt durch Frauen gegen ihre Männer gibt es also oft, auch wenn dies im gesellschaftlichen Bewusstsein noch immer nicht vollständig realisiert wird. Aber was ist das für Gewalt, die Männern angetan wird in ihrer Partnerschaft?

4.2.1 Physische Gewalt
 
 
 
 
 

  Physische Gewalt ist körperliche Gewalt, nochmals unterschieden in leichte körperliche und schwere Gewalt. Zur physischen Gewalt zählt man zum Beispiel Schlagen mit den Händen oder mit Gegenständen, Treten, Beißen, Kratzen und viele andere Misshandlungen. Alles, was dem Opfer körperliche Schmerzen bereitet zählt zur physischen Gewalt. Frauen gelten in ihrer Rolle eher als friedfertig und unterdrücken oft ihre Aggressionen. Aus der Situation heraus kommt es dann oft zum Verlust der Selbstkontrolle und sie wenden Gewalt an, auch wenn sie zum überwiegenden Teil gar nicht die körperlichen Kräfte haben. Männer wehren sich oftmals nicht, weil sie nicht mit den Gewaltausbrüchen ihrer Frau gerechnet haben oder ihr einfach zwar nicht körperlich, aber psychisch unterlegen sind. Jedoch ist es nicht richtig, dass Frauen ihre Männer wegen ihrer körperlichen Unterlegenheit nicht schwer verletzen können. Frauen benutzen oft zur Kompensierung ihrer vermeintlichen Schwäche Hilfsmittel, also Gegenstände oder Waffen, welche selbstverständlich sehr verletzen können. Wenn eine Frau ihren Mann mit der Hand schlägt, ihn tritt oder an den Haaren zieht oder auch beißt, dann nennt man dies leichte körperliche Gewalt, da der körperliche Schaden beim Mann nicht zu groß ist. Greift die Frauen ihren Mann mit einem Messer oder einer Schere oder anderen spitzen Gegenständen an oder schlägt ihm beispielsweise eine Flasche über den Kopf, so ist dies bereits schwere körperliche Gewalt, da die Verletzungen beim Partner schwerwiegend sein können. Auch das Treten mit einem Hackenschuh, vor allem in die Geschlechtsteile des Mannes kann erhebliche Verletzungen nach sich ziehen und zählt daher schon zu schwerer körperlicher Gewalt. Das folgende Schaubild zeigt die Anzahl der Körperverletzungen im engen sozialen Umfeld (häuslicher Bereich) und die dabei festgestellten Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Das Schema stammt aus der Pilotstudie 2004 „Gewalt gegen Männer“ und verdeutlicht, dass es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Das folgende Schema zeigt einzelne Facetten körperlicher Gewalt durch Frauen in aktuellen Partnerschaften. Es stammt aus der Pilotstudie 2004 Gewalt gegen Männer

4.2.2 Psychische Gewalt
 
 
 
 
 

  Wesentlich häufiger als von körperlicher Gewalt durch Frauen wird von psychischer Gewalt gegenüber ihren Partnern gesprochen. Durch die geschlechtsspezifische Sozialisation von Männern und Frauen kommt es zu unterschiedlichen Kompetenzen. Obwohl man hier nicht für alle Männer und Frauen pauschalisieren kann, fühlen sich Frauen ihren Partnern aufgrund der Geschlechtsspezifität und der Unterschiede in der sprachlichen, emotionalen und sozialen Kompetenz oftmals überlegen. Somit wählen Frauen bewusst diesen Bereich der häuslichen Gewalt. Hier steht die soziale Kontrolle im Gegensatz zum direkten körperlichen Angriff im Vordergrund. Psychische Gewalt sind unter anderem Anschreien, Beleidigungen, Demütigungen, das Lächerlich machen vor Fremden, Einschüchtern, Verleumden oder Ausgrenzen, das heißt Ignorieren oder nicht mit dem Partner reden über einen längeren Zeitraum. Öffentliche Eifersuchtsszenen gehören oftmals zu einer gewalttätigen Partnerschaft. Auch die Kontrolle des Partners kann psychische Gewalt hervorrufen, wenn zum Beispiel die Frau ihrem Partner hinterher spioniert, seine Telefonate, SMS oder Mails kontrolliert oder seine Post unerlaubt öffnet. Es wird genau nachgefragt, wann der Partner wohin geht, was er tut und wann er zurück kommt oder sie bestimmt sogar, was er tun darf und was nicht. Hält sich der Partner nicht daran, wird er sanktioniert. Sie verhindert, dass er Freunde oder Bekannte oder auch seine Familie trifft oder erzählt Lügen über ihn. Psychische Gewalt zu hinterfragen und zu erforschen ist sehr schwierig, da man kaum eine Grenze zu nicht gewalttätigem Verhalten ziehen kann. Sie ist schwerer eindeutig definierbar. Somit ist psychische Gewalt wenig messbar und schon gar gegenüber Männern gibt es daher keine relevanten Studien über psychische Gewalt durch Frauen. Bei den wenigen Studien fällt jedoch auf, dass die psychische Gewalt gegenüber Männern in der Partnerschaft quantitativ eine sehr viel größere Rolle spielt als körperliche Gewalt. Auch fällt die finanzielle Kontrolle der Männer in den Bereich der psychischen Gewalt.vgl. Walter/Lenz/Puchert Pilotstudie 2004 „Gewalt gegen Männer“, 207

4.2.3 Sexuelle Gewalt
 
 
 
 
 

  Zuerst soll hier klargestellt werden, dass sich das Kapitel allein mit der sexuellen Gewalt durch Frauen an erwachsenen Männern, also ihren Partnern in Ehe oder Lebensgemeinschaft beschäftigt und nicht mit der an Jungen, also Kindern. Dazu später mehr in Kapitel 5.2.5 Es wurde bereits 1982 durch William H. Masters, einer der ersten und bedeutendsten Sexualforscher unserer Zeit nachgewiesen, dass Männer gegen ihren Willen sexuell erregt werden können und somit ein Mann auch vergewaltigt werden kann. Juristisch gesehen war dies in Deutschland bis 1997 nicht möglich, denn das entsprechende Gesetz berücksichtigte die Vergewaltigung eines Mannes nicht. Dann wurde der § 177 Strafgesetzbuch (Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung) geändert und gilt nun geschlechtsneutral für Männer und Frauen. Für Männer ist das Erleben der sexualisierten Gewalt durch ihre Frauen eines der am meisten Scham besetzten Themen. Vergewaltigung in der Partnerschaft scheint schier unmöglich und fast unansprechbar. Dies zieht sich bis in die heutige Zeit, denn es ist sehr wenig über den Bereich sexueller Gewalt durch Frauen bekannt. Möglicherweise mangelt es beiden Parteien, vor allem jedoch den männlichen Opfern am Problembewusstsein, eben aus dem Grund, da sie scheinbar erregt werden durch ihre Partnerin, auch wenn sie nicht verstehen, wie das gegen ihren Willen möglich ist. Auch werden Männer im sexuellen Bereich psychisch unter Druck gesetzt, weil sie fürchten, dass die Frau verbal abwertend, also mit psychischer Gewalt oder mit körperlicher Gewalt reagiert, wenn er keine Lust auf Sex hat. Nur einzelne befragte Männer gaben an, von ihrer Frau zu sexuellen Handlungen gezwungen worden zu sein. Das Thema ist zwar existent, aber schwer zu fassen und am stärksten tabuisiert, was die Gewalt durch Frauen anbelangt. vgl. Walter; Lenz; Puchert 2007, 161 Vermutlich ist es für die betroffenen Männer auch zu schwierig, über sexuelle Gewalt durch ihre Frauen zu sprechen, weil bisher keine „Sprache“ entwickelt wurde, die es ermöglicht, das Unaussprechbare zu übersetzten. vgl. Walter; Lenz; Puchert 2007, 162

4.3 Folgen häuslicher Gewalt gegen Männer
 
 
 
 
 

  Wenn Frauen gewalttätig gegenüber Männern sind, hinterlässt dies sichtbare körperliche Verletzungen, aber auch psychische Spuren. Zu den körperlichen Verletzungen zählt man Blutergüsse, Kratzer, gebrochene Glieder, Verstauchungen, Muskelrisse, äußere Blutungen oder ausgerissene Haare. Jedoch wird von Männern, abgesehen davon ob man ihnen geglaubt hat, dass sie Opfer von Gewalttätigkeit ihrer Partnerin geworden sind, erwartet, dass sie ihr Leiden nicht nach Außen tragen und stark und heldenhaft auftreten. Körperlich von außen erkennbare Verletzungen können heilen, die seelischen nicht. Reaktionen auf das Erlebte sind zum Beispiel Angstzustände, Depressionen oder andere psychische Folgen und auch Feindseeligkeit gegenüber der Partnerin, die sie verletzt hat. Jedoch haben sie Angst, dass die Frau verletzt wird, nicht zuletzt, um nicht als Übeltäter dazu stehen, und wehren sich daher nicht. Auch versuchen sie ständig, der Partnerin alles recht zu machen, damit sie nicht wieder in die Schusslinie geraten und wieder unter der Gewalttätigkeit leiden müssen. Sie versuchen, gemeinsam mit der Gewalttäterin eine Lösung zu finden und die Beziehungsprobleme zu lösen. Männer passen sich eher an die Gewaltsituation und tolerieren Gewalttätigkeiten als Bestandteil ihrer Partnerschaft. vgl. Cizek/Kapella/Pflegerl/Steck 2001, 294 Die häufigsten gesundheitlichen Auswirkungen von häuslicher Gewalt sind Alkoholismus, Essstörungen, Asthmaanfälle, Aggressionen gegen sich selbst und andere, sexuelle Probleme sowie Selbstmordgedanken und –versuche. vgl. Lenz/Jungnitz 2004, 115 Oftmals wird die Ursache der genannten gesundheitlichen Probleme gar nicht erkannt. Das Gesundheitssystem wurde bisher nicht ausreichend auf das Erkennen von Gewalt gegen den Mann vorbereitet und kann so auch nicht angemessen reagieren, wie es zum Beispiel bei der Gewalt gegen Kinder und auch gegen Frauen der Fall ist. Es werden keine Statistiken über geschlechtsspezifische Gewaltbelastung von Männern geführt. vgl. Puchert/Walter/Jungnitz/Lenz/Puhe 2007, 281

4.4 Hilfsangebote für die von Gewalt betroffenen Männer
 
 
 
 
 

  Die Rollenbilder bezüglich Mann und Frau, welche in den Köpfen sind und von der Gesellschaft, also auch der Sozialisation noch bestärkt werden, verschärfen, dass von Frauen geschlagene Partner nicht wahrgenommen werden. Diese Rollenstereotypen halten die Opfer nicht nur davon ab, ihr Schweigen zu brechen, sondern verhindern auch die Aufdeckung von Täterinnenschaft. Aber Männer sind auch Opfer, wie bereits festgestellt und brauchen Hilfe. Vor allem gerade dann, wenn Männer finanziell oder emotional von ihrer Partnerin abhängig sind, fällt es ihnen sehr schwer, Hilfe zu suchen, die Täterin anzuzeigen und/oder sich von ihr zu trennen. Dazu kommt, dass es wenige Hilfsangebote für misshandelte Männer gibt. Beratungsangebote sind noch immer, im Gegensatz zu denen misshandelter Männer selten. Die meisten Beratungsstellen befassen sich mit der Frau als Opfer oder mit dem Mann als Täter. Viele Beratungsstellen für weibliche Opfer bieten zwar an, Hilfe suchende Männer an entsprechende Stellen weiterzuleiten, jedoch ist diese Mühe schwierig, da es nur wenige Beratungsangebote speziell für von häuslicher Gewalt betroffene Männer gibt. Sucht man beispielsweise im Internet entsprechende Beratungsstellen, findet man zwar „Männerberatungsstellen“, aber diese wenden ihr Beratungsangebot fast ausschließlich an männliche Täter, die den Männern die Möglichkeit geben sollen, gewaltfreie Verhaltensweisen kennen zu lernen. Ganz selten findet man auf den Webseiten von Beratungsstellen, beispielsweise bei Pro Familia – Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V., welcher in mehreren Städten vertreten ist oder das Informationszentrum für Männerfragen e.V. in Frankfurt/M. das Gesprächsangebot für männliche Opfer. Erschreckend ist, dass es im Gegenzug zu derzeit ca. 400 Frauenhäusern in Deutschland, die teilweise staatlich gefördert sind, nur zwei Einrichtungen gibt, wo Männer, eventuell auch mit ihren Kindern, Zuflucht und Hilfe finden können, wenn die Partnerin übermächtig gewalttätig wird. Beispielsweise gibt es in Berlin ein Männerhaus, in dem es nur 8 Plätze für von Gewalt betroffene Männer gibt, davon 2 für Väter mit Kindern. Dieses Männerhaus wurde auf Initiative des Vereins Väteraufbruch für Kinder e.V. gegründet und steht zur Zeit kurz vor der Zwangsversteigerung, da die Kosten nicht mehr getragen werden können. In Oldenburg stellt der Verein Männerwohnhilfe e.V eine Wohnung für männliche Gewaltopfer von Partnergewalt zur Verfügung. Hier finden zwei Männer oder ein Mann mit Kindern im Notfall Zuflucht. Beide Einrichtungen werden durch Spenden und Zuzahlung der hilfesuchenden Bewohner finanziert. Weitere Hilfsangebote gibt es derzeit nicht. Auch das Gewaltschutzgesetz, welches seit dem 01.01.2002 in Kraft getreten ist bietet nur wenig Schutz und Hilfe, wenn die betroffenen Männer die Polizei nicht rufen und ihre Frauen nicht anzeigen. Normalerweise handelt das Gesetz nach der Devise „Wer schlägt, muss gehen“. Die Polizei kann, im Gegensatz zu dem Zeitraum vor der Erlassung des Gewaltschutzgesetzes, eingreifen und die gewalttätigen Partnerin bis zu einem gerichtlichen Beschluss aus der gemeinsamen Wohnung verweisen. Das Gericht kann dann unter anderem verfügen, ob die Täterin die Wohnung wieder betreten darf, inwieweit sich die Täterin in einem bestimmten Umkreis zur Wohnung aufhalten darf oder inwiefern sich die Täterin mit dem Opfer in Verbindung setzen darf. vgl. www.gesetze-im-internet.de Jedoch gibt es bei der Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes so einige Probleme. Wird die Polizei zu einem gewalttätigen Vorfall in eine Familie gerufen, nimmt sie fast ausschließlich den Mann mit. Diesem wird ein Platzverweis, also ein Verweis aus der Wohnung ausgesprochen. Dies geschieht auch, wenn die Frau nicht Opfer zu sein scheint, sie zur Eskalation beigetragen haben könnte oder sogar eindeutig die Täterin war. Das bedeutet, die Situation wird so interpretiert, dass alles was ein Mann tut auf seine Eigenschaft als Täter geschoben wird und alles was eine Frau tut erfolgt aus einer Notwehrsituation heraus. Die praktische Begründung für den Platzverweis des Mannes ist, dass eine Trennung der Partner erfolgen musste, um die Situation zu entschärfen und zu beruhigen. Und da sie ja die Kinder betreuen muss, bleibt sie in der Wohnung und er muss gehen. In Folge gilt die Aussage der Frau im Platzverweisverfahren als alleiniger Wahrheitsbeweis und selbst Zeugenaussagen für den Mann werden oftmals ignoriert. vgl. www.vaeter-aktuell.de/haeusliche_gewalt/Maennerdefensive-2004.doc, 3-5 So wird die Angelegenheit dann weitergegeben, eventuell auch ans Jugendamt. So wird der Mann als Täter abgestempelt und auch in die Kriminalstatistik aufgenommen. Wird dann bei der Staatsanwaltschaft oder bereits vor Gericht festgestellt, dass die Aussagen der Frau nicht zusammenpassen, wird das Verfahren zwar eingestellt, aber der Mann wird dadurch gesellschaftlich nicht rehabilitiert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein von Gewalt durch seine Partnerin betroffener Mann die Polizei nicht verständigt. Der Nebeneffekt solch einer Aktion ist, dass der aus der Wohnung verwiesene Mann in die Polizeistatistik als männlicher Gewalttäter im häuslichen Bereich aufgenommen wird, jedoch nach Klärung der Sachlage bei Gericht nicht wieder gestrichen wird. Der Mann zählt also laut der Statistik trotzdem als prügelnder Partner, der einen Platzverweis bekommen hat. Hier gibt es eine Kommunikationslücke zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft. Der Fakt an sich, dass Männer aus der Erfahrung heraus entweder gar nicht die Polizei informieren und wenn doch als Straftäter in die Statistik rutschen, verfälscht diese um ein Vielfaches. Hinzu kommt, dass die Falschaussage der Frau ignoriert und nicht weiter verfolgt wird. vgl. ebenda, 4