Frauen als Täterinnen 2- Häusliche Gewalt gegen Kinder

5. Häusliche Gewalt gegen Kinder

Spricht man von häuslicher Gewalt, so ist in den häufigsten Fällen Gewalt gegen Kinder gemeint, vor allem sind sie der Gewalt ihrer Eltern ausgesetzt. Elterliche Gewalt ist auf keinen Fall Männersache, wesentlich öfter als es in den Medien dargestellt wird, misshandeln, vernachlässigen oder missbrauchen Mütter ihre Kinder. Durch empirische Untersuchungen wurde festgestellt, dass mehr Mütter als Väter Gewalt gegen ihre Kinder ausüben. vgl. Habermehl 1994, 22

Gewalt gegen Kinder lässt sich, wie auch schon bei der Gewalt gegen den Partner in physische und psychische Gewalt unterteilen, wobei man die Vernachlässigung in beiden Bereichen mit einbeziehen muss. Ein dritter großer Bereich ist der sexuelle Missbrauch von Kindern auch durch Frauen. Der weibliche Täteranteil bei Kindesmissbrauch und –misshandlung liegt derzeit bei ca. 15%, wobei es hier eine besonders hohe Dunkelziffer gibt. www.schotterblume.de

Selbst wenn man die Gewaltformen getrennt voneinander erläutern sollte, kann man sie in der Realität nicht trennen, da sie sich oft überlagern. Wie bereits bei der allgemeinen Gewaltdefinition gibt es auch bei der Definition von Kindesgewalt weiter und enger gefasste Definitionen in der verschiedenen Fachliteratur. Die weiter gefassten Definitionen bezeichnen alle gewalttätigen Handlungen der Eltern gegen das Kind als Misshandlung, selbst wenn diese keine körperlichen oder psychischen Schäden hinterlässt. Auch können sich weit gefasste Definitionen aufgesellschaftliche Verhältnisse beziehen, welche kinderfeindlich sein können und/ oder die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen.

Enger gefasste Definitionen beinhalten nur Misshandlungen, welche zu sichtbaren Verletzungen des Kindes führen oder für das Kind lebendbedrohlich sind.

Psychische Gewalt fällt nach diesen Definitionen komplett aus der Kindesmisshandlung heraus, da sie keine sichtbaren körperlichen Schäden hinterlässt. Da jedoch auch psychische Gewalt schlimme Folgen bei Kindern hervorrufen kann und sich diese Arbeit selbstverständlich auch mit psychischer Gewalt durch Frauen befasst, werden weiter gefasste Definitionen bevorzugt. So definiert Blum-Maurice Kindesmisshandlung als eine „nicht zufällige, gewaltsame psychische und/oder physische Beeinträchtigung oder Vernachlässigung des Kindes durch Eltern/Erziehungsberechtigte oder Dritte, die das Kind schädigt, verletzt, in seiner Entwicklung hemmt oder zu Tode bringt.“ vgl. www.gesetze-im-internet.de

5.1 Häufigkeit von Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern 

Das Ausmaß von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung in Deutschland ist nicht wirklich bekannt. Es liegen lediglich Schätzungen vor. Die Statistik des Bundeskriminalamtes kann nur die Zahlen des „Hellfeldes“ liefern:

Im Jahr 2005 wurden in Deutschland ca. 3.000 Kinder misshandelt und ca. 14.000 Kinder sexuell missbraucht. Ca. 55% von den misshandelten Kindern waren Jungen und ca. 45% Mädchen, bei den missbrauchten Kindern waren 23% Jungen und ca. 77% Mädchen. Die Täter waren bei den misshandelten Kindern ca. 56% männlich und ca. 44% weiblich. Bei den missbrauchten Kindern waren ca. 96% männliche und ca. 4% weibliche Täter. Aber die Dunkelziffern liegen um ein vielfaches höher.

Beispielsweise starben in den USA 1996 mehr als 1.000 Kinder an den Folgen von

Misshandlungen, 1997 sind fast eine Million Kindesmisshandlungen nachgewiesen

worden. vgl. Garbarino/Bradshaw in Heitmeyer/Hagan 2002, 900

Aber in den USA gibt es auch ein Gesetz, welches besagt, dass bei Verdacht auf Kindesmisshandlung Anzeige zu erstatten ist, vor allem von Ärzten und Krankenhäusern. Solch ein Gesetz gibt es in Deutschland nicht, vermutlich wären die Hellfeldzahlen wesentlich höher. vgl. Engfer 1986, 18-22

Man schätzt die Dunkelziffer der von ihren Eltern insgesamt misshandelten Kinder auf 4.000 bis 400.000 pro Jahr.

Es gibt mehrere Gründe für diese hohen geschätzten Dunkelziffern. Viele davon wurden bereits in

anderen Kapiteln beschrieben. Hier könnte man die mit Schwierigkeiten behaftete Kontaktaufnahme zu betroffenen Familien anführen oder die schlechte Kommunikation und Kooperation zwischen Jugendamt und Schule/Kindergarten und anderen Institutionen sowie auch der Polizei.

Die ärztliche Betreuung spielt hier eine große Rolle, wobei jedoch die ärztliche Schweigepflicht oftmals einen schnellen Eingriff verhindert, abgesehen davon, dass körperliche Anzeichen gar nicht als Misshandlungen interpretiert werden müssen.

Kindesmisshandlung kann auch die Ursache von Selbsttötungen sein, muss also auch als indirekte Todesursache in Betracht gezogen werden. vgl. Habermehl 1994, 19

5.1.1 Die Merkmale der Täterinnen 

Es gibt kein Muster und keine besonderen typischen charakteristischen Eigenschaften für gewalttätige Frauen gegenüber Kindern. Gewalt kommt in allen sozialen Schichten vor, in jedem Alter und bei jedem Geschlecht. Aber aus den empirischen Studien zum Thema Gewalt gegen Kinder kann man erkennen, dass Täterinnen viele Gemeinsamkeiten haben. Einige der wichtigsten gemeinsamen Faktoren werden nachfolgend kurz beschrieben.

5.1.1.1 Verhältnis zum misshandelten Kind und Familienstand 

Kinder werden meist von ihnen sehr nahe stehenden Personen misshandelt, also oftmals Familienmitgliedern. Hier ist es tatsächlich so, dass den meisten Kindern von ihren Müttern Gewalt angetan wird. vgl. ebenda, 19 Habermehl legt dar, dass bereits 1968 über 100 Kinder durch Misshandlungen vorsätzlich ums Leben kamen und dass zu 47% die Täterinnen die Mütter waren. vgl. ebenda, 19

Bei einer Studie von Dörmann, welche für den Zeitraum von 1968 bis 1982 alle Tötungsdelikte an Kindern, welche von den Polizeidienststellen in Deutschland gemeldet wurden auflistete, wurden ähnliche Ergebnisse festgestellt. vgl. ebenda, 19/20

Die Täterinnen waren hier in 43,9% aller Fälle die leibliche Mutter. Auch andere Studien bestätigen diese Ergebnisse und geben als Haupttäter bei Missbrauch im häuslichen Bereich die Mutter an.

Bezüglich des Familienstandes der Täterinnen wurden in mehreren Studien festgestellt, dass die meisten misshandelten Kinder alleine oder mit Geschwistern mit ihrer Mutter ohne Partner zusammenleben. Nachfolgend sind es Kinder, die mit ihrer Mutter und einem Ersatzvater zusammenleben. vgl. Habermehl 1994, 27

5.1.1.2 Geschlecht der Täterinnen 

Aus Kapitel 5.1.1.1 geht bereits hervor, dass die empirischen Studien zum Thema Kindesmisshandlung bezüglich des Geschlechts des Täters eine deutliche Sprache sprechen. In den staatlichen Kriminalstatistiken wurden in etwa die Hälfte aller Gewalttäter als Frauen ermittelt. Die wissenschaftlichen Dunkelfeld-Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass es mehr weibliche Täter bei der häuslichen Gewalt gibt. Die Ursachen hierfür wurden bereits in anderen Kapiteln, vor allem im Kapitel 2.4 angesprochen und erörtert.

5.1.1.3 Alter der Täterinnen 

Bezüglich des Alters der Täterinnen wurde festgestellt, dass die meisten misshandelnden Mütter sehr jung sind, meist noch im Teenager-Alter. Jüngere Mütter bestrafen eher körperlich als ältere Mütter, was wohl daran liegt, dass sie eher in eine Überforderungssituation geraten. Sie sind mit der Geburt und der Versorgung eines Kindes eher Stress ausgesetzt als erwachsene Mütter. Die Mütter sind unerfahrener, vor allem bei Aufgaben im Haushalt und der Pflege der Kinder und es gibt eher finanzielle Probleme. vgl. ebenda, 27

Eventuell befinden sie sich noch in der Schule oder Ausbildung oder müssen mangels Unterstützung die Ausbildung abbrechen, wobei ältere Mütter diesen Abschnitt ihres Lebens wahrscheinlich schon hinter sich haben.

5.1.1.4 Zugehörigkeit zu sozialer Schicht 

Die Ergebnisse empirischer Untersuchungen zeigen weiterhin, dass Gewalt gegen Kinder zwar in allen sozialen Schichten auftritt, jedoch vor allem in den sozialen Unterschichten. Habermehl schreibt dazu, dass Kindesmisshandlung und Vernachlässigung mit allen Faktoren in Verbindung gebracht werden kann, die von einem niedrigen sozioökonomischen Status ausgehen, wie zum Beispiel niedriger

Bildungsstand, geringes Einkommen und/oder beengtes Wohnen. vgl. Habermehl 1994, 27

Hier muss vor allem die Vernachlässigung von Kindern hervorgehoben werden. In den höheren sozialen Schichten ist es eher das emotionale Vernachlässigen von Kindern, welches im Mittelpunkt steht. Zwar sind die Kinder meistens vom finanziellen Hintergrund gut versorg, werden jedoch mit ihren Gefühlen oft allein gelassen. Hier müssen die Mütter vielleicht viel arbeiten, die Kinder verbringen den Tag über bei einer Tagesmutter, weil die leibliche Mutter keine Zeit hat. Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist oftmals gestört.

Hinzu kommt, dass Misshandlungen und Vernachlässigungen in höheren Schichten nicht so schnell erkannt werden, da der öffentliche Blickwinkel diesbezüglich eher auf den unteren sozialen Schichten liegt. In höheren Schichten können die ja doch unstrittig wenigeren Fälle von Misshandlungen besser vertuscht werden. vgl. ebenda, 29

Vermutlich liegt aber gerade hier die Dunkelziffer wesentlich höher als bisher angenommen. Fest steht aber auch, dass körperliche Bestrafungen, wie zum Beispiel Ohrfeigen als „Erziehungsmaßnahme“ in den Unterschichten nur unwesentlich öfter vorkommen als in den oberen Schichten. Mittlerweile steht ja jegliche körperliche Gewalt gegen Kinder unter Strafe, jedoch hat sich dieser Fakt in den Köpfen noch

nicht durchgesetzt. Nach dem Motto „Eine Ohrfeige oder ein Klaps auf den Hintern hat noch niemandem geschadet“ nutzen Eltern körperliche „Bestrafung“ als letzte Konsequenz in der Erziehung.

5.1.1.5 Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit 

Bereits festgestellt wurde, dass es einen großen Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit und des Gewaltverhaltens der Täterinnen gibt. Frauen die in ihrer Kindheit mit Gewalt aufgewachsen sind, sei es mit eigener erlebter Gewalt oder mit beobachteter Gewalt neigen eher zu Gewalttätigkeiten im häuslichen Bereich als Frauen, die keinerlei Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit

gemacht haben. vgl. Habermehl 1994, 33

Das Erleben von Gewalt in der Herkunftsfamilie muss nicht zwangsläufig zu eigener Gewaltausübung führen, aber man lernt dadurch, dass es Gewalt als Mittel zur Durchsetzung seiner eigenen Ziele gibt. vgl. ebenda, 37

Diese Täterinnen haben nicht gelernt, dass man Konflikte gewaltfrei lösen kann und können

Problemsituationen nicht gewaltfrei klären. Sie akzeptieren und befürworten Gewalt, da sie aus der Herkunftsfamilie gewöhnt sind, dass Gewaltanwendung nicht bestraft wird. Jedoch muss man in diesem Zusammenhang erwähnen, dass es auch etliche Frauen gibt, die zwar Gewalterfahrungen in der Kindheit hatten, jedoch keine Gewalt gegen ihre Kinder ausüben und diese in einer liebevollen gewaltfreien Umgebung aufwachsen lassen. Und es gibt Mütter, die keine Gewalterfahrungen gemacht haben und ihre Kinder trotzdem schlagen und misshandeln. Es ist nicht zu erklären, warum einige Mütter ihre Kinder misshandeln und einige nicht, egal welche Erfahrungen sie gemacht haben. vgl. Engfer 1986, 41

5.1.1.6 Alkohol- und Drogenabhängigkeit 

Drogenabhängigkeit und Alkoholsucht sind keine typisch weiblichen Faktoren. Jedoch spielen Suchtprobleme bei Kindesmisshandlung auch eine Rolle. Bereits im Mutterleib wird das ungeborene Kind durch die Sucht seiner Mutter „misshandelt“. Drogen, Alkohol, Tablettenmissbrauch, Nikotingenuss, aber auch Stress zum Beispiel wegen ungewollter Schwangerschaft wirken schädigend auf das Kind.

Aber auch später sind Alkohol- und Drogenkonsum Risikofaktoren, die nicht zu unterschätzen sind. Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Misshandlungen und Vernachlässigungen in einer Familie. vgl. Habermehl 1994, 34

5.1.2 Merkmale der Opfer 

Auch von Gewalt betroffene Kinder, also die Opfer von Misshandlung und Vernachlässigung haben bestimmte Gemeinsamkeiten, die man jedoch nicht als Ursachen für Gewalt verstehen soll. Kinder sind niemals Schuld, wenn ihnen bewusst Gewalt angetan wird. Als charakteristische gemeinsame Merkmale der Kinder können unter anderem das Alter der Kinder, das Geschlecht, die Anzahl der Geschwister sein und die Häufigkeit der Misshandlungen genannt werden. Es können zwar Kinder jeden Alters Opfer von häuslicher Gewalt werden, jedoch sind kleinere Kinder gefährdeter als größere Kinder. vgl. Trube-Becker 1987, 17 Die Kinder sind oft unerwünscht, da die Schwangerschaft nicht geplant war oder die Frauen sind mit dem plötzlichen Wechsel von kinderlos zu Mutter so überfordert, dass sie gewalttätig werden. Auch könnten sich größere Kinder oder Jugendliche sich eher wehren als ein Säugling oder ein Kleinkind. Säuglinge schreien, vor allem wenn man nicht auf ihre Bedürfnisse eingeht und so geraten viele Mütter in Stress. Besonders gefährdet sind also Kinder im Alter unter 3 Jahren. vgl. ebenda, 17

Zu überlegen wäre noch, ob die Dunkelziffer der misshandelten älteren Kinder vielleicht doch höher ist, weil sie Verletzungen doch schon eher verkraften als kleinere Kinder, welche wiederum um ein Vielfaches anfälliger sind.

Bezüglich des Geschlechtes wird davon ausgegangen, dass Jungen häufiger Opfer von häuslicher Gewalt werden als Mädchen. vgl. Engfer 1986, 32 Hier unterscheidet man zwar nochmals zwischen den verschiedenen Altersgruppen, bis zum 2. Lebensjahr und ab dem 13. gibt es mehr weibliche Opfer und zwischen dem 2. und dem 13. Lebensjahr gibt es mehr männliche Opfer, aber insgesamt sind es mehr Jungen. vgl. Habermehl 1994, 36

Kinder aus kinderreichen Familien werden häufiger misshandelt als Einzelkinder oder Kinder mit nur einem Bruder oder einer Schwester. Die Wahrscheinlichkeit liegt um ein vielfaches höher. Jedoch nimmt das Risiko bei Familien ab mehr als 5 Kindern wieder ab. Es wird vermutet, dass dies daran liegt, dass sich in diesen Familien meist schon mindestens ein größeres Kind oder Jugendlicher befindet, der die Mutter im Haushalt und bei der Erziehung und Pflege der jüngeren Kinder unterstützen und entlasten kann. vgl. ebenda, 39

Bei Familien mit 4 oder 5 Kindern ist die Misshandlungsrate am Größten, was wiederum daran liegen könnte, dass es in diesen Familien meistens einen sehr großen finanziellen Engpass gibt, was die Mutter wiederum in Stress und Überforderungssituationen versetzt. vgl. ebenda, 39

Misshandelte Kinder werden immer wieder misshandelt, in den wenigsten Fällen werden Kinder von ihrer Mutter einmal misshandelt und dann nie wieder. Die Kinder haben oftmals bereits ein Martyrium hinter sich oder noch vor sich. Auch die Geschwister sind meistens von Misshandlung betroffen. Trube-Becker führte 1982 eine Untersuchung von 58 Todesfällen durch, bei der sie feststellte, dass 7 dieser Fälle bereits früher wegen Misshandlung auffällig geworden waren, bei 5 Fällen war das gestorbene Kind sogar schon wegen Verletzungen, die auf Misshandlungen hinweisen mehrfach behandelt worden. Bei 8 Fällen war bereits ein Geschwisterkind wegen Misshandlung aufgefallen und von der Familie weggeholt und bei 2 Fällen war sogar ein Geschwisterkind bereits an den Folgen der Misshandlungen gestorben. vgl. ebenda, 40

Misshandelte Kinder sind oft jahrelang der Gewalt ihrer Mutter ausgesetzt und wenn sie es überleben, tragen sie ihr Leben lang körperliche und/oder psychische Schäden mit sich herum und/oder geraten selber in den Strudel der Misshandlung und Vernachlässigung der eigenen Kinder.

5.2 Rechtliche Situation von Kindern in Deutschland 

Gewalt gegen Kinder wurde geschichtlich gesehen nicht immer verfolgt. Früher wurden Misshandlungen unter dem Deckmantel der Erziehung und Züchtigung verübt. Im 20. Jahrhundert wurden dann erstmals Gesetze gegen Kindesmisshandlung erlassen, welche man überwiegend im Bürgerlichen Gesetzbuch und im Strafgesetzbuch findet. In § 1626 BGB findet man die Grundsätze der elterlichen Sorge. Hier ist festgeschrieben, dass die Eltern die Pflicht und das Recht haben, für das minderjährige Kind zu sorgen, bei der Pflege und Erziehung die wachsenden Fähigkeiten und Bedürfnisse des Kindes zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln zu berücksichtigen. vgl. www.gesetze-im-internet.de Gemäß § 1631 BGB umfasst die Personensorge für das Kind die Pflicht und das Recht auf Pflege, Erziehung, Beaufsichtigung und Bestimmung des Aufenthaltes des Kindes. Ein ganz wichtiger Teil des Gesetzes beinhaltet, dass Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben und körperliche Bestrafungen und seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen unzulässig sind. vgl. www.gesetze-im-internet.de

Der Begriff „elterliche Sorge“ wurde erst 1980 im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert, vorher hieß es da „elterliche Gewalt“. Auch gab es bis zum Jahre 2000 noch das elterliche Züchtigungsrecht. 1998 wurde der § 1631 Abs. 2 BGB umformuliert, so dass entwürdigende Erziehungsmaßnahmen und Misshandlungen eindeutig als unzulässig bezeichnet wurden.

In §§174, 176 und 176a StGB wird das unter Strafe stehen von Kindesmissbrauch geregelt. §174 StGB besagt, dass, wer an einer minderjährigen Person unter 16 Jahren sexuellen Missbrauch ohne Beischlaf vornimmt oder vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe betraft. In § 176 StGB sind die gleichen Regelungen, nur betrifft dieser Kinder unter 14 Jahren. § 176a StGB regelt

den schweren Missbrauch von Kindern. Unter schwerem Missbrauch versteht man die Vollziehung des Beischlafes einer oder mehrerer Personen mit dem Kind, wenn das Kind in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung gebracht wird. zitiert von Deegener in Heitmeyer/Schröttle 2006, 26 Hier liegt das Strafmaß nicht unter einem Jahr Freiheitsstrafe. Nicht unter zwei Jahren Freiheitsstrafe erhält, wer diesen Missbrauch zum Gegenstand einer pornografische Schrift machen will, die verbreitet werden soll.

Weiterhin ist geregelt, dass mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft wird, wer das Kind bei der Tat schwer misshandelt oder in die Gefahr des Todes bringt.

Zuletzt regelt § 176b StGB den sexuellen Missbrauch eines Kindes mit Todesfolge. Das Strafmaß liegt hier bei mindestens zehn Jahren bis lebenslänglichem Freiheitsentzug. Die Misshandlung ohne sexuellen Missbrauch ist in §§221-229 StGB geregelt, hier im Einzelnen dann als Körperverletzung oder Tötung von Schutzbefohlenen. Kindesmisshandlung wird somit nun schon als Straftat verstanden und auch dementsprechend bestraft, wenn auch mit nicht zu harten Strafen, jedoch geht der Trend von der Bestrafung weg hin zur Hilfe. gestochen, gewürgt, vergiftet und vieles andere mehr. vgl. Deegener in Heitmeyer, Schröttle 2006, 26

Erfrierungen sind bei misshandelten Kindern sehr häufig. Die Liste der Grausamkeiten will nicht enden, was Eltern, vor allem Mütter ihren Kindern antun.

Auch hier gibt es eine Unterscheidung in leichte und schwere Form der körperlichen Misshandlung. Leichte Misshandlung bezeichnet man auch als normale oder gewöhnliche Gewalthandlung, wie zum Beispiel schlagen, treten, festhalten oder drücken. Eine Ohrfeige wird oftmals nicht als Misshandlung, sondern als normales Erziehungsverhalten angesehen. vgl. Kapella/Cizek 2001, 82

Schwere Formen von Kindesmisshandlung gehen einher mit schweren Verletzungen der Kinder, wie Verbrennungen, Schnitte, Brüche oder innere Verletzungen und müssen meist medizinisch versorgt werden. Eine Misshandlungsart, welche unter schwere körperliche Misshandlung fällt ist das so genannte „Schütteltrauma“ eines Babys, wenn es denn als solches erkannt wird. Heftiges Schütteln eines Säuglings kann zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tode des Kindes führen, ohne dass

es äußerliche Anzeichen für eine Misshandlung gibt. Es kann zu Wirbelsäulenfrakturen kommen oder das zu derbe Drehen/Schleudern des Kopfes um die eigene Achse führt zu Gefäßzerreißungen und dies zur Schädigung des Gehirnes. vgl. Trube-Becker 1982, 20

Bei größeren misshandelten Kindern wird oftmals Selbstbeschädigung beobachtet. Sie reagieren gegen sich selber aggressiv oder verletzten sich selbst, zum Beispiel durch Bisse in den Arm, um die Schmerzen der Misshandlung zu verdrängen. vgl. ebenda, 20

Von den Täterinnen werden Schutzbehauptungen erfunden, die die Misshandlungen verdecken sollen. Die sichtbaren Verletzungen sollen verharmlost werden, indem behauptet wird, das Kind wäre gestürzt oder die Treppe herunter gefallen, hätte sich am Bett oder am Schrank gestoßen oder eine heiße Kanne Tee vom Tisch gezogen.

5.3 Formen häuslicher Gewalt gegen Kinder
5.3.1 Körperliche Misshandlung von Kindern 

Vergleicht man die Kindesmisshandlung mit anderen Gewaltformen, so ist diese wohl die mit den eindeutigsten auch sichtbaren Folgen/Verletzungen. So werden Kinder zum Beispiel geschlagen mit den Händen, Stöcken, Peitschen oder anderen Gegenständen, sie werden geschüttelt, gestoßen, geschleudert, mit heißem Wasser oder Zigaretten verbrannt, auf den heißen Ofen oder in eiskaltes Wasser gesetzt, Oftmals ist es schwierig, Kindesmisshandlungen von normalen Verletzungen, die

sich Kinder beim Spielen zuziehen können zu unterscheiden.

5.3.2 Münchhausen-by-proxy-Syndrom (MBPS)
 
 
 
 

 

 

Das „Münchhausen-by-proxy-Syndrom“ soll hier extra aufgeführt und ausführlich beschrieben werden, weil es eine besondere, schwerwiegende Sonderform der Kindesmisshandlung darstellt, welche fast ausschließlich durch Frauen an ihren Kindern stattfindet. MBPS resultiert meist aus einer Krankheit der Mutter.

Es werden gesunde Kinder mit erfundenen oder durch aktive Schädigung herbeigeführten echten Symptomen organischer Störungen immer wieder Ärzten vorgestellt. MBPS verursachen Frauen, die selbst krank sind, aber auch ganz gezielt die Mutter-Kind- Einheiten, welche meistens zum Wohle der Kinder in den Krankenhäusern nutzen und die durch medizinische Aufklärungsgespräche, Selbststudium oder auch Vorbildung nötiges Sachwissen angeeignet haben, um ihren Kindern immer und immer wieder unbemerkt zu schaden. Meistens werden Kinder in Kliniken vorgestellt mit neurologischen Erkrankungen wie epileptische Anfälle. Aber auch Durchfälle, Erbrechen, Fieber, Hautausschläge, Abszesse und anderes sind Krankheiten, die von den Müttern vorgetäuscht oder hervorgerufen werden. Sie geben ihren Kindern Medikamente wie zum Beispiel Brech- oder Abführmittel, wodurch Durchfälle oder chronisches Erbrechen hervorgerufen werden. Dem Urin der Kinder werden ihr eigenes Blut, Kot, Speichel, Salz oder Zucker zugegeben, um zum Beispiel Entzündungen oder Stoffwechselerkrankungen vorzutäuschen. Oftmals wird den Kindern auch eine ätzende Lösung auf die Haut aufgebracht oder die

Kinder erhalten bewusst Medikamente oder Stoffe, auf die sie allergisch reagieren. Fieberthermometer werden manipuliert, epileptische Anfälle werden dadurch erzeugt, indem die Mutter dem Kind die Luft mit der Hand abdrückt oder ihnen einen Plastiktüte über den Kopf stülpt oder ähnliches. Nicht selten sind oft wiederholte Knochenbrüche.

MBPS ist sehr schädlich für das Kind ist und führt nicht selten zum Tode Wie bei mit dem „Münchhausen-Syndrom“ erkrankten Erwachsenen wird die Erkrankung erst sehr spät, nach oftmals bereits einem langwierigen Krankheitsverlauf und vielen medizinischen Tests erkannt.

Die Kinder haben dann bereits erhebliche Schäden davon getragen, im schlimmsten Fall sind sie gestorben. Nach außen hin sind die Mütter unauffällig, lassen sich fast immer mit ihren Kindern in der Klinik aufnehmen und scheinen sehr führsorglich. Sie fallen nicht auf, sind nett besorgt. Sie verstehen sich sehr gut mit dem Pflegepersonal und den behandelnden Ärzten und schließen sogar Freundschaft mit ihnen. Die Mütter verfügen über ein sehr ausgeprägtes medizinisches Wissen. Jedoch fällt im weiteren Krankheitsverlauf der Kinder auf, dass es eine Diskrepanz zwischen der Schwere der Symptome und der Besorgtheit der Mutter gibt. Die durchgeführten Behandlungen helfen nicht und es treten immer neue Symptome auf.

Im Nachhinein wird oft festgestellt, dass die Mütter ihren Kindern während des Aufenthaltes in der Klinik in unbeobachteten Momenten irgendwelche Lösungen den Infusionen beimischen oder ihnen die Luft abdrücken, um epileptische Anfälle hervorzurufen oder anderes. Wenn es passiert, dass das Pflegepersonal bemerkt, dass es dem Kind besser geht, wenn die Mutter nicht anwesend ist und sie dann mit dem Verdacht der Manipulation konfrontiert, verleugnen sie dieses natürlich. Die gute Beziehung zu den Pflegern wird dann sofort abgebrochen und das Kind wird aus der Klinik genommen. Die Mütter suchen sich dann eine andere Klinik, in der sie sich mit dem Kind wieder aufnehmen lassen oder im schlimmsten Fall stirbt das Kind kurz nach der Konfrontation mit der Mutter.

Die einzige Therapie, welche von den die Sachlage erkennenden und die Krankheit beschreibenden Ärzten angeraten wird, ist die sofortige Trennung von Mutter und Kind und entsprechendes für eventuell vorhandene Geschwister. Es sind auch Familien bekannt, in denen mehrere Kinder betroffen sind. vgl. www.vafk-schwaben.de

MBPS ist die erweiterte Form des „Münchhausen-Syndroms“. Es liegt eine schwere psychische Erkrankung der Mutter vor. Sie erscheint zuerst völlig normal, freundlich und fürsorglich. Bestimmte Gefühle werden von der Betroffenen verneint und abgespalten und so behandelt, als wären sie nicht vorhanden. Nur so ist die Misshandlung der Kinder und die gleichzeitige große Fürsorge zu erklären. Den Frauen ist nicht bewusst, wie schwer krank sie selber sind und somit ist eine psychotherapeutische Behandlung fast nicht möglich. Sie misshandeln die Kinder zwar bewusst, verleugnen und verdrängen aber danach diese Taten und glauben nicht daran, als hätten sie zu einem Teil ihrer Seele keinen Zugang. Sie bekommen durch die Erkrankung des Kindes und die Aufnahme in die Klinik selbst Zuwendung und Aufmerksamkeit und ihr Selbstwertgefühl wird dadurch gestärkt, dass sie sich als fürsorgliche Mutter präsentieren können.

Ausgelöst wird das MBPS häufig in Situationen, in denen sich die Frauen verlassen fühlen. Es resultiert wahrscheinlich aus der Zurückweisung der eigenen Eltern und dass sie nicht zeigen und ausleben durften, wenn sie wütend über Verlassenheitssituationen waren. Solche Situationen können im Erwachsenenalter wieder auftreten und dann werden die verdrängten Gefühle und die unterdrückte Wut

und Aggression wieder aktiv und nicht direkt, sondern über die Misshandlung der Kinder ausgeführt. Zwischen Mutter und Kind besteht häufig eine sehr enge, wenn auch krankhafte Beziehung und die Mutter kann es nicht ertragen, wenn sich die Kinder im Rahmen ihrer Entwicklung aus dieser engen Beziehung lösen wollen.

Auch die Kinder verheimlichen das Treiben der Mutter, auch wenn sie ihnen sehr schmerzhafte Verletzungen zufügt. Wenn ein Kind doch einmal etwas erzählt, dann wird dies als Übertreibung oder Lüge abgetan. Die Mutter erlebt ihr Kind als einen Teil von sich selbst, nicht als eigenständigen Menschen. Sie benutzt das Kind, um selbst psychisch ausgeglichen zu sein. Wird das MSBP als solches erkannt und das Kind von der Mutter getrennt, reagiert die Mutter mit seelischem Zusammenbruch und akuter Selbstmordbedrohung. vgl. www.vafk-schwaben.de

Da es wirklich extrem schwierig ist die Misshandlung zu lokalisieren und die Frau anzuklagen, werden sehr hohe Dunkelziffern beim MBPS angenommen.

5.3.3 Vernachlässigung von Kindern 

Als weitere Form von Gewalt gegen Kinder muss man die körperliche Vernachlässigung nennen. Vernachlässigung ist passive Misshandlung, da sie die Unterlassung von für das Kind wichtige Versorgungsmaßnahmen umfasst. Jedoch gibt es im Gegensatz zu den relativ vielen Untersuchungen der körperlichen Misshandlung wenige empirische Daten zur Vernachlässigung von Kindern. Wie viele Kinder in Deutschland davon betroffen sind, lässt sich schwer ermitteln. Schätzungen reichen von mindestens 50.000 Kindern bis zu 500.000 Kindern, die unter mangelnder Versorgung oder/und fehlender Zuneigung leiden. vgl. Deegener in Heitmeyer, Schröttle 2006, 33

Kinder sind darauf angewiesen, dass ihre Eltern, überwiegend die Mutter ihnen alles Lebensnotwendige ausreichend zur Verfügung stellt. Jedoch sind die Mütter manchmal aus verschiedenen Gründen stark überfordert und es kommt zur Verletzung der Fürsorgepflicht.

Es gibt verschiedene Formen der Vernachlässigung.

Körperliche Vernachlässigung bedeutet, dass die Kinder nicht oder nur unzureichend Nahrung erhalten,

Körperhygiene oftmals völlig fehlt, das heißt, die Kinder werden nicht gepflegt, gewaschen und in ihrem Kot liegen gelassen. Sie müssen in total verschmutzten Wohnungen leben und erhalten keine oder nur mangelhafte medizinische Versorgung.

Emotionale Vernachlässigung äußert sich im Mangel an Liebe und Geborgenheit, Akzeptanz und Förderung der Entwicklung. Emotionale Signale des Kindes werden übersehen und/oder es wird nicht darauf reagiert. Dadurch ist vorprogrammiert, dass eine normale emotionale liebevolle Bindung zwischen dem Kind und der Mutter nicht aufgebaut werden kann.

Vernachlässigung äußert sich auch in unzureichender Beaufsichtigung des Kindes. Dies kann zum Beispiel bedeuten, dass das Kind über einen längeren Zeitraum alleine gelassen wird und von der Mutter unbemerkt in Gefahr, welcher Art auch immer geraten kann.

Ursachen für Vernachlässigung können sowohl in der Unkenntnis der Bedürfnisse des Kindes liegen, die Mutter handelt also unbewusst, als auch aufgrund von Abneigung oder Gleichgültigkeit gegen das Kind, die Mutter handelt in diesem Fall bewusst. Bei länger anhaltender Vernachlässigung kann das Kind körperliche und seelische Folgen davontragen, in Einzelfällen kann sie sogar zum Hungertod des Kindes führen.

Auch hier versuchen die Misshandelnden Schutzbehauptungen hervorzubringen, wie zum Beispiel, dass das schlecht ernährte Kind nicht essen wollte oder ständig erbricht. Die beschriebenen Anlässe stehen in keinem Verhältnis zu dem grausamen Vorgehen der Misshandelnden. Sie behaupten, das Kind wäre eigensinnig und würde ständig in die Hosen machen und trotz Ermahnung nicht Bescheid geben. Als Motiv für eine Tat werden auch Unsauberkeit oder Erbrechen bereits bei einem Säugling genannt. vgl. Trube-Becker 1982, 21

Misshandlungen und Missbrauch von Kindern ziehen sich durch alle sozialen Schichten, jedoch körperliche Vernachlässigung und Verwahrlosung wird in erster Linie vorkommen, wenn die Eltern oder auch vor allem allein erziehende Mütter von Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit betroffen sind. Sie sehen keinen Ausweg aus ihrer Situation und das Kind bleibt zuerst auf der Strecke. Untrügliche Anzeichen für Vernachlässigung sind, dass das Kind immer Hunger hat, dauerhaft schlechte und schmutzige Kleidung trägt, blass und krank wirkt, kaputte Zähne hat und mangelhaft ärztlich versorgt wird. Zum Beispiel bekommt solch ein Kind keine Brille, wenn es schlecht sieht, weil sich niemand darum kümmert. Emotional fehlt es ihnen oft an der sonst normalen Distanz zu Fremden, sind für jede kleinste

Aufmerksamkeit von Bekannten, Nachbarn oder Kindergärtnerinnen dankbar. Wenn diese Anzeichen erkannt werden, kann der Mutter Hilfe angeboten werden oder das zuständige Jugendamt informiert werden.

5.3.4 Psychische/Seelische Misshandlungen von Kindern
 
Neben den körperlichen Misshandlungen und Vernachlässigungen gibt es auch die seelische/psychische Misshandlung von Kindern. Hier agieren überwiegend Frauen, was zu extremen psychischen Verletzungen des Kindes führen kann. Von seelischer Gewalt an Kindern spricht man dann, wenn das Vertrauen zwischen dem Kind und der Mutter zerstört wird und die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes massiv behindert wird. Die Schädigungen der Kinderseele ist mit denen der körperlichen Gewalt vergleichbar.

Unter psychischer Gewalt versteht man zum Beispiel, wenn einem Kind ständig Ablehnung durch die Mutter widerfährt. Das Kind wird mit anderen Kindern verglichen, verspottet oder gedemütigt. Auch Gleichgültigkeit und Ignoranz und vor allem Liebesentzug sind psychische Gewalt. Massive seelische Grausamkeit ist unter anderem das Einsperren in einen dunklen Raum, sei es Keller oder Besenkammer oder andere enge dunkle Räume oder allgemein das Alleine lassen und einsperren in der Wohnung, das Töten oder Quälen eines geliebten Haustieres, das bewusste Kaputtmachen von Spielzeugen oder Kuscheltieren. Beschimpfungen und Beleidigungen zählen ebenso dazu wie das ständige Miterleben von Streitigkeiten oder gar körperlichen Auseinandersetzungen der Eltern, das Erleben von Alkoholismus oder Drogensucht der Mutter oder das Fehlen von Zeit oder der Gesprächsbereitschaft der Mutter.

Auch hier reicht die Palette der psychischen Gewalttätigkeiten ins Unermessliche.

Ein Kind kann bewusstes Angst machen, alleine gelassen werden, Isolation und Drohungen durch die Mutter oder auch passiv erlebte Gewalt und Wutanfälle nicht verarbeiten. Ganz oft werden Kinder in Trennungssituationen der Eltern für deren eigene Bedürfnisse missbraucht, wenn sie in die Konflikte zwischen Mutter und Vater hineingezogen werden, sei es als Druckmittel oder als Puffer und Aufpasser oder auch als Ersatzpartner oder Gesprächspartner und Tröster. Es kommt vor, dass Mütter dann ihre Söhne als Partnerersatz ansehen, der dann sozusagen „den Mann im Haus“ spielen muss. Ebenso kann überbehütetes Verhalten der Mutter zu psychischer Gewalt werden, wenn es zu Unselbständigkeit und Abhängigkeit führt. Durch die genannten psychischen Verfehlungen und Misshandlungen kann es zu einer Gefährdung der geistig-seelischen Entwicklung des Kindes und zur Beeinträchtigung der Mutter-Kind-Beziehung kommen. Eltern, die ihre Kinder so behandeln können und wollen ihren Kindern keine Liebe und Nähe geben.

5.3.5 Sexueller Missbrauch von Kindern 

In den meisten Fällen beginnt sexueller Missbrauch spielerisch und wird vom Erwachsenen genau geplant. Oftmals werden sexuelle Handlungen in den Alltag des Kindes als normaler Vorgang mit eingebaut, zum Beispiel beim Waschen, Baden, Anziehen des Kindes. Sexueller Missbrauch ist unter anderem das Berühren der Geschlechtsteile des Kindes über den Rahmen der Körperpflege hinaus, die orale, anale und vaginale Penetration mit dem Geschlechtsorgan oder mit Gegenständen, das Veranlassen von sexuellen Handlungen am eigenen Körper, das Zeigen von Pornofilmen oder pornografischen Fotografien, das Fotografieren oder Filmen des Kindes in eindeutigen Posen und das Veranlassen sexueller Handlungen am Körper des Kindes durch Fremde.

Es ist auf jeden Fall sexueller Missbrauch, wenn das Kind noch nicht ausgereift ist, es nicht versteht, was bei der sexuellen Handlung mit ihm passiert. Das Kind kann der Handlung nicht verantwortlich zustimmen. Momentan kann man davon ausgehen, dass 10 – 15% der Täter sexueller Gewalt Frauen sind. Diese Angabe ist eher eine Schätzung, da bisher in der Bundesrepublik Deutschland keine ausreichenden Forschungen durchgeführt wurden, sondern nur kleinere Stichproben. Da die Problematik bis vor einigen Jahren noch gänzlich tabuisiert wurde, gab es bis dahin gar keine Untersuchungen. Erst nach und nach wird den Helfern in Beratungsstellen, den behandelnden Ärzten und Psychologen bewusst, dass auch Frauen Kinder missbrauchen. Dies geschieht zwar seltener als bei Männern, jedoch keinesfalls als Einzelfall.

Sexueller Missbrauch durch Frauen ist ein noch größeres gesellschaftliches Tabuthema als der durch Männer, da sie durch ihre Weiblichkeit und Mütterlichkeit gar kein Unheil anstellen können, so zumindest die allgemeine Meinung. Sicherlich liegt es auch daran, dass die Thematik die Vorstellungskraft vieler wirklich liebevoller und gut für ihre Kinder sorgender Mütter und Väter übersteigt.

Jedoch würde eine Enttabuisierung dazu beitragen, dass sich Betroffene eher äußern würden und damit eine Prävalenz bekannt würde, die wiederum zur Entschleierung des Themas beitragen würde. Noch weniger als missbrauchte Mädchen sprechen Jungen über ihr Erlebtes, oftmals das ganze Leben nicht. Eine große Rolle spielt, ähnlich wie bei misshandelten Männern, dass (vor allem pubertierende) Jungen meinen, das was die Mutter oder eine andere Frau da mit ihm macht wäre kein sexueller Missbrauch, sondern der natürliche Gang der Entwicklung, sozusagen die Einführung ins Mannsein durch eine erfahrene erwachsene Frau. Wenn den Kindern dies vorgelebt oder so weitergegeben wird, erkennen sie oftmals die sexuelle Ausbeutung nicht als Unrecht. Das ist auch oft der Grund dafür, dass männliche Opfer die Erinnerungen an den Missbrauch durch Frauen eher verdrängen als einen Missbrauch durch Männer. Jedoch besteht darin kein Unterschied. Sexueller Missbrauch durch eine Frau zieht bei Kindern erhebliche psychische Störungen, vor allem im späteren Sozial- und Sexualverhalten nach sich.

Der Missbrauch ist bei Frauen schwerer zu erkennen, da man ihn hinter Pflege- und Fürsorgeverhalten verstecken kann. Auch zu Zeiten, da Väter Erziehungsurlaub nehmen können oder auch sonst bei ihren Kindern bleiben können, obliegt der überwiegende Teil der Pflege und Fürsorge des Kindes der Mutter. Ihr wird auch mehr Körperkontakt zu dem Kind zugestanden als dem Vater und sie darf bestimmte Handlungen durchführen, was als normal angesehen wird, was beim Vater in der Öffentlichkeit als Übergriff gedeutet würde. Die Mutter wird nicht als sexuelles Wesen gesehen, dem sich das Kind immer selbstlos nähern kann.

Sexuelle Übergriffe bei Kindern können also in Verbindung mit Pflege- und Fürsorgeverhalten von Frauen, vorrangig Müttern, gut kaschiert werden. Sexueller Missbrauch durch Frauen wird meistens im speziellen Machtbereich der Täterinnen vollzogen. Der Anteil der weiblichen Täterinnen ist im familiären Bereich höher als im öffentlichen Bereich, da die Zugriffsmöglichkeiten höher sind. Einer genauen Wahrnehmung des Missbrauches stehen drei Geschlechtsstereotype entgegen:

1. Frauen können keine Täterinnen sein, sondern nur Opfer;

2. Jungen können von Frauen nicht vergewaltigt werden, denn

3. Jungen wollen immer Sex.

Die Stereotype sind der Grund, dass Jungen das Erlebte als sexuelle Erfahrung umdeuten. vgl. Walter/Lenz/Puchert 2007, 55/56

Wenn man die Zahlen der weiblichen Tatverdächtigen innerhalb der Polizeilichen Statistik und der Strafverfolgungsstatistik vergleicht, wird deutlich, warum diese geschlechtsspezifischen Stereotypischen Verdrängungsmuster dazu beitragen, dass Täterinnen noch seltener als diese aufgedeckt und verurteilt werden. vgl. ebenda, 56 Gerade Jungen nehmen körperliche Reaktionen wahr, zum Beispiel Erektion und

Samenerguss und meinen, sie „werden es wohl selbst so gewollt haben“ Sie sind damit gefährdet, sich mit schuldig zu fühlen, was nicht der Fall ist. Jungen können das alles auch aus diesen Gründen sehr schwer verarbeiten. Jedoch kann man nach den bekannten Untersuchungen davon ausgehen, dass von Täterinnen mehr Mädchen als Jungen sexuell missbraucht werden. vgl. Heyne 1993, 280

5.4 Folgen häuslicher Gewalt gegen Kinder 

Das Ausmaß von Gewalt auf die Entwicklung von Kinder kann man nicht oder nur schwer abschätzen. Lange Zeit befasste sich die Forschung nur mit zwei Folgen körperlicher Gewalt, den längerfristigen körperlichen und seelischen Verletzungen und Behinderungen eines Kindes. Jedoch gibt es zu Langzeitfolgen nur relativ wenige Studien, da Nachuntersuchungen bei Kindern fast unmöglich und mit großen Schwierigkeiten verbunden sind. Viele Familien sind nicht mehr auffindbar und wenn doch, dann sind sie oft nicht zur Mitarbeit zu bewegen. Es gibt aber neben offensichtlichen körperlichen Verletzungen auch psychische und kognitive Auswirkungen von Gewalt. An dieser Stelle soll es eine Unterscheidung zwischen den Folgen von Misshandlung und Vernachlässigung und denen von Missbrauch durch Frauen an Kindern geben. Leider kann das gesamte Ausmaß der Leiden von misshandelten und missbrauchten Kindern in dieser Arbeit nicht ausführlich dargelegt werden, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

5.4.1 Folgen von Misshandlung und Vernachlässigung 

Ein für Kindesmisshandlung typisches Syndrom gibt es nicht. In den meisten Fällen überschneiden sich verschiedene Misshandlungsformen und somit auch deren Folgen. Bei den Folgen von Kindesmisshandlung unterscheidet man Kurzzeitfolgen und Langzeitfolgen. Kurzzeitfolgen wurden bei fast allen misshandelten Kindern beobachtet. vgl. Moggi in Deegener/Körner 2005, 95

Darunter fallen häufig die typischen körperlichen Verletzungen wie zum Beispiel Hämatome, Striemen, Platzwunden oder Frakturen. Atembeschwerden, chronische Bauchschmerzen ohne körperlichen Befund, Essstörungen, Schlafstörungen sowie Bettnässen oder Einkoten. Kurzzeitfolgen können aber auch kognitiv-emotionale Störungen wie Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsstörungen, Angststörungen, Depressionen, Schuld- und Schamgefühle, Sprach- oder Lernprobleme, Suizidgefährdung oder selbstschädigendes Verhalten wie Drogenkonsum sein. Außerdem beobachtet man Störungen des Sozialverhaltens wie unter anderem das Weglaufen von zu Hause, Fernbleiben von der Schule, Hyperaktivität oder aggressives Verhalten wie Zerstören von fremdem Eigentum. vgl. ebenda, 95

Bei körperlicher Misshandlung treten die meisten Kurzzeitfolgen auf . Neben den bereits beschriebenen sichtbaren Verletzungen können durch Misshandlungen auch Organschäden auftreten. Im Kindesalter misshandelte Erwachsene leiden oftmals unter Langzeitfolgen. In repräsentativen Untersuchungen wurde festgestellt, dass solche Personen unter emotionalen Störungen leiden. Sie haben oft Depressionen, Suizidgedanken oder Angststörungen. Auch interpersonale-, sexuelle- und Persönlichkeitsstörungen sind typische Langzeitfolgen von Misshandlungen. vgl. ebenda, 98

5.4.2 Folgen des Münchhausen-by-proxy-Syndroms (MBPS)

Das MBPS kann zu akuten und chronisch wiederkehrenden Beeinträchtigungen des Kindes und späteren Erwachsenen führen. Akute, kurzfristige Folgen stellen die Schmerzen und das Leid durch die Schädigungen der Mutter dar. Dazu kommen die unnötigen, sich ständig wiederholenden Diagnosen, schmerzhafte Eingriffe, das Narkoserisiko und die stationären Aufenthalte. Die Gesundheitsschäden können bis zur Invalidität führen oder in 10% der bekannten Fälle sogar zum Tod des Kindes. vgl. www.vafk-schwaben.de

Schlimme Entwicklungsauffälligkeiten der Kinder sind zu beobachten, zum Beispiel haben die Kinder aufgrund der langen Klinikaufenthalte hohe Ausfallzeiten in der Schule mit entsprechenden Folgeproblemen. Die Kinder haben kein Vertrauen mehr in ihre Körperfunktionen und so kommt es zu Störungen des Körpererlebens und später nicht selten zu Störungen des Sexuallebens. Sie meinen, ihr Körper gehört eigentlich nicht ihnen, sondern der Mutter. Obwohl die Trennung von der Mutter oder Familie für die körperliche und psychische Gesundheit der misshandelten Kinder das Beste ist und die einzige Möglichkeit, die Misshandlung zu beenden, leiden die Kinder natürlich unter dem Verlust ihrer Beziehung zur Mutter, die ja extrem eng, wenn auch krankhaft eng war.

5.4.3 Folgen von sexuellem Missbrauch 

Beim Durchschauen von Fachliteratur und bei Internetrecherchen stellt man fest, dass es in Deutschland fast keine Untersuchungen zu den Folgen sexuellen Missbrauchs gibt und schon gar nicht speziell zu den Folgen sexuellen Missbrauchs durch Frauen. Fest steht, dass sich der Missbrauch der Frauen von dem der Männer nicht wesentlich unterscheidet. So kann man davon ausgehen, dass auch die Folgen des weiblichen Missbrauchs wenn überhaupt, dann nur gering von denen des männlichen abweichen. Auch gibt es wenige Erkenntnisse über die sexuelle Entwicklung im Kindesalter bzw. des sexuellen Wissens von Kindern. Gerade dies wäre wichtig, um ein Verhalten oder eine Handlung eines Kindes eindeutig werten zu können. Von Bedeutung wären diese Forschungen einerseits hinsichtlich der Erkenntnisse über den Missbrauchs selbst und andererseits für die notwendigen Interventionen zur Bekämpfung von Missbrauch. vgl. Engfer in Oerter/Montada 1998, 1012

Unumstritten ist jedoch, dass sexuell missbrauchte Kinder Schäden in der Persönlichkeitsentwicklung erleiden können. Aus amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass bis zu 40% der Opfer auffällige Verhaltensweisen und teils massive psychische Beeinträchtigungen erlitten. Eine sich auch auf die Erforschung von sexueller Gewalt gegen Kinder auswirkende Folge ist in erster Linie, dass die betroffenen Kinder nicht darüber reden können. Das Schweigen ist vor allem im häuslichen Bereich sehr groß, da es sich hier um ein absolutes Tabuthema handelt, ganz besonders beim sexuellen Missbrauch durch Frauen. Die Kinder werden oftmals durch den Täter oder die Täterin bedroht, jedoch wäre dies gar nicht nötig, da die Autorität des Erwachsenen bei solch eingeschüchterten Kindern groß genug ist, dass sie ohnehin gehorchen. Das Kind fühlt sich oftmals schuldig oder mitschuldig an dem, was die ihm meist nahe stehende Person da antut. Wie bei körperlichen Misshandlungen gibt es beim sexuellen Missbrauch zwar auch teilweise eindeutige körperliche Zeichen und Verletzungen, wie zum Beispiel Verletzungen im Genital- oder/und Analbereich, dies jedoch auch eher bei kleineren Kindern. Nach einer britischen Studie lassen sich bei zwei Drittel der missbrauchten Kinder keine körperlichen Verletzungen feststellen. vgl. Bange/Deegener 1996, 78

Aber auch im psychischen Bereich fehlen eindeutige, dem Missbrauch zuordenbare Symptome. Jedoch gehen vom missbrauchten Kind Signale aus, die man als Folgeerscheinung deuten kann, wie unter anderem Schwierigkeiten in der Schule, Selbstverletzungen, Bettnässen, Waschzwang, Essstörungen oder Selbstmordversuche.

Die folgende Aufstellung zeigt mögliche Symptome und emotionale Reaktionen auf sexuellen Missbrauch von Kindern in verschiedenen Altersphasen

GEFÜHLSEBENE VERHALTENSEBENE
Frühe Kindheit bis 3 Jahre:Angenehme und unangenehme Empfindungen,Angst; Verwirrung Schlaf-u. Esstörungen, Tendenz zu Verhaltensextremen, Angst vor Fremden, Rückzug, altersunangemessenes sexuelles Spielen
Vorschulalter 3-6 Jahre:Angenehme und unangenehme Empfindungen,Verwirrung, Angst, Scham, Schuldgefühle,Gefühle der Schutz- und Hilflosigkeit, Wut,Angst, beschädigt und verdorben zu sein Regressives Verhalten: Babysprache, Bettnässen, Daumenlutschen, Festklammern, Rückzug, Schlafstörungen und Albträume, aggressives Verhalten, willfähriges Verhalten, häufiges und ausdauerndes sexuelles Spielen, öffentliches und andauerndes Masturbieren
Schulalter 6-9 Jahre:Ambivalente Gefühle Erwachsenengegenüber, Verwirrung über dieGeschlechtsrollenverteilung, Rollenverteilungin der Familie, Angst, Scham, Schuldgefühle,Unruhe und Unsicherheit, Wut, Misstrauen,Angst, beschmutzt und beschädigt zu sein sozialer Rückzug, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schlaf- und Essstörungen, aggressives Verhalten, plötzliches, unerklärliches Schulversagen, Probleme,Grenzen einzuhalten, Willfährigkeit, Zwangshandlungen wie exzessives Baden, Waschen, sexuelles Ausagieren mit Gleichaltrigen und jüngeren Kindern, sexuellprovozierendes Verhalten, keine adäquaten sozialen Beziehungen
Schulalter 9-13 Jahre:ambivalente Gefühle gegenüber Erwachsenen,Wut, Angst, Scham, Schuldgefühle,Depressionen, Angst, beschädigt zu sein,Gefühle der Inkompetenz, Misstrauen,Selbstmordgedanken sozialer Rückzug, keine adäquaten sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen, Schule schwänzen, manipulatives Verhalten anderen gegenüber, sexueller Missbrauch von jüngeren Kindern, promiskuitives Verhalten
Adoleszenz 13-18 Jahre:Wut, Scham, Schuldgefühle, sich betrogen fühlen, Misstrauen selbstdestruktives Verhalten, Drogenkonsum, von zu Hause weglaufen, aggressives Verhalten, Ausbeuten anderer, Übernehmen der Opferrolle, Vermeiden körperlicher und emotionaler Intimität, Selbstmordversuche

Quelle: www.aktiv-gegen-sexuelle-gewalt.de (nach Woltereck, 1994, 83 in May 1997)

Die jeweiligen Verhaltenssymptome nach sexuellem Missbrauch sind oftmals abhängig vom Alter der Kinder. Kinder bis zu 6 Jahren haben vor allem Ängste, Albträume, internalisierende und sexualisierte Verhaltensweisen. Kinder von 7 bis 12 Jahren leiden auch unter Ängsten und Albträumen, haben Schulprobleme und zeigen hyperaktives, unreifes oder aggressives Verhalten. Kinder im Alter zwischen 13 und 18 Jahren leiden unter Depressionen, ziehen sich zurück und haben Selbstmordgedanken, sie laufen von zu Hause weg und/oder werden alkoholund/ oder drogenabhängig. vgl. Engfer in Oerter/Montada 1998, 1013

Die Folgen sexuellen Missbrauchs sind also unzählig. Jedes Kind reagiert anders und geht anders damit um, da jedes Kind den Missbrauch auch anders erlebt hat. Es gibt Unterschiede auch zwischen den Geschlechtern, jedoch sind diese nicht wirklich nennenswert, weil jeder Missbrauch gleich schlimm ist, egal wer ihn erlebt hat. Es gibt Missbrauchsopfer, die einzelne der beschriebenen Symptome aufweisen, dann wieder welche, die gar keine Symptome haben und auch welche, die alle Symptome in einer Person aufweisen. vgl. www.gegen-missbrauch.de

Aus Symptomen können Krankheiten werden wie zum Beispiel SVV (Selbstverletzungsverhalten), Borderline oder DIS (Dissoziative Identitätsstörung). SVV ist eine Krankheit mit suchtähnlichem Charakter, das heißt, man kann von alleine nicht aufhören, sich zu verletzen. Wenn sich die Betroffenen selbst verletzen, geht es ihnen kurzzeitig besser. Jedoch wollen sie sich nur verletzen, aber nicht selber töten. Die Krankheit ist Ventil für die Betroffenen für ihre Ängste, Emotionen und Aggressionen. Sich selbst verletzen heißt in dem Fall sich selber mit Absicht zu schneiden, ritzen, stechen oder verbrennen. Nach kurzer Zeit (halbe bis eine Minute) geht es ihnen wieder besser und sie haben den Kopf frei und können sich wieder selbst kontrollieren.

Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der Symptome einer Neurose und einer Psychose abwechselnd auftreten. Die Betroffenen werden als „Grenzgänger“ bezeichnet, die eine Vielzahl von auffälligen Verhaltensweisen und Gefühlen gegenüber anderen und gegenüber sich selber in sich vereinen, die konkret in keins der vorgegebenen Krankheitsschemata passen.

Die Dissoziative Identitätsstörung, früher auch als Multiple Persönlichkeitsstörung bekannt, ist noch immer eine der umstrittensten psychiatrischen Krankheiten. Die Störung benennt das Vorhandensein von mindestens zwei, meistens jedoch mehreren unterschiedlichen Identitäten oder Persönlichkeitszuständen. Diese übernehmen wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der betroffenen Person. Durch die Aufspaltung in zwei oder mehrere Identitäten wird der Versuch verstanden, mit erlebtem Trauma, zum Beispiel sexuellem Missbrauch, klarzukommen, indem das reale Geschehen vom Bewusstsein abgetrennt wird. vgl. www.onmeda.de

Neben allen drei genannten Krankheiten treten meistens noch andere Symptome auf, so dass Borderline und vor allem DIS schwer zu diagnostizieren sind. Es sind sehr schwere langwierige Erkrankungen, die die Betroffenen nicht selten ein Leben lang begleiten.

5.5 Hilfsangebote für misshandelte und missbrauchte Kinder 

In den letzten Jahren ist zwar die Sensibilisierung für die Verbreitung sexuellen Missbrauchs gegen Kinder stetig angestiegen, jedoch werden Misshandlungen und Vernachlässigung im häuslichen Bereich noch immer viel zu wenig wahrgenommen. Oftmals stehen Nachbarn, Institutionen, Behörden, Medien und sogar Familienangehörige erst auf dem Plan, wenn das betroffene Kind bereits verhungert

ist oder den Gewalttaten zum Opfer gefallen ist. Kurzzeitig wird das Thema dann aufgegriffen und der Ruf nach Frühwarnsystemen und Kontrolle wird groß, jedoch gerät das Thema immer wieder zu schnell in Vergessenheit. In erster Linie ist es für die betroffenen Kinder eine große Hilfe, wenn Familie, Freunde und Nachbarn nicht wegschauen, wenn sie bemerken, dass in einer Familie so große Probleme auftreten, dass es zu Gewalt kommt. Nachbarn sollten zwar nicht übertrieben reagieren, wenn ein Kind mal schreit oder mit verschmutzten Sachen herumläuft, man kann sicherlich den Unterschied erkennen, wenn das Kind über Tage hinweg schreit und weint oder über Wochen hinweg unsauber und verwahrlost erscheint. Man kann dann das Gespräch mit dem Kind oder/und der Mutter suchen, Hilfe anbieten und sich im Notfall an Beratungsstellen, Kinderschutzvereine oder die Behörden wenden.

Professionell gesehen handelt es sich bei Gewalt gegen Kinder immer um sehr komplexe Problemlagen, die erfordern, dass es auf den entsprechenden Einzelfall zugeschnittene Hilfe- und/oder Eingriffsmöglichkeiten gibt. Es wird oftmals professionelle Hilfe, ein umfangreiches Wissen über die Gewaltdynamik und umsichtiges Vorgehen notwendig. Jugendämter müssen mit Kindergärten und Schulen zusammenarbeiten, damit es so früh wie möglich zur Aufdeckung von Gewalt in der Familie kommt.

In vielen Städten gibt es mittlerweile auf Missbrauch und Misshandlung von Kindern spezialisierte Beratungsstellen. Verschiedene Kinderschutzvereine bemühen sich um die Intervention bei Gewaltvorfällen.

Bei akuten körperlichen Verletzungen und bei entdecktem Kindesmissbrauch ist auf jeden Fall eine ärztliche Untersuchung und Versorgung notwendig und vorrangig. Die untersuchenden Ärzte sollten auf das Erkennen von Missbrauch und Misshandlung geschult sein, damit das Martyrium dann wirklich auch enden kann. Im Rahmen des schon beschriebenen Gewaltschutzgesetzes könnte auch der Vater für sich oder das Kind einen Antrag auf notwendige Schutzmaßnahmen treffen. Das Gericht muss davon überzeugt sein, dass es weitere Gewalt geben kann und diese zu befürchten ist.

Eine Sorge, die viele Familien vermutlich haben, dass das Jugendamt den Eltern das Kind „wegnimmt“ sollte unbegründet sein, denn eine Inobhutnahme eines Kindes ist nur in Notsituationen zum Schutz dieses Kindes möglich. Eine Herausnahme eines Kindes aus einer Familie kann und wird nur ein Gericht verfügen, wenn nachgewiesen ist, dass das Kind bei seiner Mutter in Gefahr ist.

Aber auch die Kinder selbst können, wenn sie sich niemandem sonst anvertrauen können, anonym und gebührenfrei Informationen und Beratung über „Kummertelefone“ des Kinderschutzbundes holen. Die Kinder können sich an das Jugendamt oder an jede Beratungsstelle wenden und dort ohne Kenntnis der Mutter beraten werden, wenn sie sich in einer Notlage befinden.

HOME: http://www.auxiliaris.org/

zu Teil 1

http://www.auxiliaris.org/frauen-als-taterinnen-diplomarbeit/frauen-als-taterinnen-1/

zu Teil 3

http://www.auxiliaris.org/frauen-als-taterinnen-diplomarbeit/frauen-als-taterinnen-3/
*

 

3 Gedanken zu “Frauen als Täterinnen 2- Häusliche Gewalt gegen Kinder

  1. Liebe Väter und Mütter, schaut euch bitte mal folgende TV-Berichte an von meinen beiden Fällen, was so ein Jugendamt alles mit Willkür anrichten kann, beide Verfahren wurden trotz meiner Beweislage mangels Beweises eingestellt: telebasel.ch videoarchif, Suchbegriff: hans s., vom 20.01.2010 nach Datum sortiert. sf 1 10 vor 10 vom 03.08.2010 Lügen beim Scheidungskampf, Teil1, Teil 2 vom 04.08.2010 und youtube timetodo vom 27.01.2012! So werdet ihr auch verstehen, dass ich dafür bin, dass Jugendämter, die sowas noch unterstützen in private Hände übergeben sollten und nicht dem Staat überassen!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>