Das staatliche Sparpaket trifft natürlich nur die Armen- Annahmeverweigerung ausgeschlossen, die Reichen wurden erst gar nicht als Empfänger notiert

(eingestellt: ohmannohjens 02.10.10)

Der satirische Wochenrückblick von news.de

vom 25.09.2010

Wen das Sparpaket nicht trifft

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Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Nichts ist spannender als eine Woche in der Wirtschaft. Es geht um dicke Geschäfte, Politik und viel Geld. Und auch um Leute, die damit nicht umgehen können. Der satirische Wochenrückblick.

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Wer auch immer das Sparpaket (mit)verfasst hat – man munkelt über Geisterhände aus der Industrie und Pharmabranche – es müssen zumindest Freunde der schwarz-gelben Bundesregierung gewesen sein. Denn eins springt einem ins Auge, sieht man sich die einzelnen Punkte genau an: Die Regierenden selbst sind von den Bürden des Plans nicht betroffen.

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Nehmen wir beispielsweise die in dieser Woche vom Kabinett verabschiedete Gesundheits«reform». Der kleine Minister Philippo (37) ist wahrscheinlich kein Kassenpatient, und daher konnte man die Tore für den Zusatzbeitrag gaaaanz weit öffnen. Bei einer news.de-Anfrage in seinem Abgeordnetenbüro bekamen wir lediglich die Antwort: «Dazu geben wir keine Auskunft.» Scheinbar ist das zu privat.

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Weiter im Programm: die Verlängerung der Atomlauftzeiten. Wo soll eigentlich der ganze gefährliche Restmüll hin? Klar, irgendwo an die ehemalige Zonengrenze. Das ist in Niedersachsen, weit weg von Berlin. Und nachdem sogar Christian Wulff (CDU) aus Niedersachsens Landeshauptstadt evakuiert wurde, kann man doch fässerweise Atomschrott nach Gorleben und Asse rollen.

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Welche Klasse ist nicht unter Schwarz-Gelb und ihrem Anhang aus Industriebossen, Steuerberatern und Pillendrehern vertreten? Klar, die Hartz-IV-Empfänger. Logisch, dass die Armen am meisten mit dem Sparpaket traktiert werden. Rentenversicherung gestrichen, Elterngeld weg und nun soll ihnen auch noch der Schnaps madig gemacht werden, mit dem sie all das hätten leichter verkraften können.

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Leute, Leute. So geht das nicht. Für solch eine kaltherzige Politik kann man unter diesen Umständen keine Befürworter in der Bevölkerung finden. Kein Wunder, dass die Umfragewerte in dieser Woche noch weiter in den Keller gegangen sind.

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Aber es gibt Auswege. Und für diese muss die Regierung nicht einmal das Sparpaket abändern. Die Schwarz-Gelben müssen einfach nur mitmachen, und zeigen, dass sie die Lasten selbst mittragen wollen.

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Erster Ausweg, für das Thema Gesundheitsreform: Es könnte doch Philipp Rösler (FDP) in die AOK eintreten und sich seine Zahnlöcher mit Amalgam vor laufender Kamera auffüllen lassen – ohne Betäubung versteht sich. Oder einfach beim nächsten Krankenhausbesuch in ein Viermannzimmer? Und wer operiert? Nein, natürlich nicht der Chefarzt. Der Assistenzarzt darf Skalpel anlegen. Hm. Ich glaube, da operiert sich Dr. Rösler doch lieber selbst Zuhause.

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Zweiter Ausweg, für die verlängerten Atomlaufzeiten: Viel einfacher ließe sich das doch durchsetzen, wenn die Minister einfach ein wenig Restmüll bei sich Zuhause aufnehmen und im Garten vor dem schönen Häuschen vergraben würden. Da schießen vielleicht auch bald leckere Atompilze aus dem Boden – haha, Flachwitz, ich weiß.

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Dritter Ausweg, die Kürzung der Rentenbeiträge für Hartz-IV-Empfänger: Damit wurde die Altersarmut heute schon vorprogrammiert. Das ging ganz schnell, und ganz konkrett. Aber bei den fetten Diäten für Politiker? Dazu gibt es natürlich nur vage Aussagen. Und was ist mit den

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Pensionen für BeamteInsgesamt kosten die Pensionen für Beamte dem Staat etwa 35 Milliarden Euro im Jahr. Kürzt man diese Pensionen um ein Viertel, dann würde der Staat stattliche neun Milliarden Euro einsparen.

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Übrigens:

Ein Pensionär bekommt im Schnitt monatlich 2000 Euro. Ein normaler Rentner erhält indes nur 818 Euro.?

An diesen Stellen hätte man vielleicht vorher kräftig kürzen sollen, dann wäre der Hartz-IV-Sparplan viel leichter unters Volk zu bringen gewesen.

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Übrigens, so viel Geld brauchen doch Politiker und Beamte im Ruhestand auch gar nicht mehr. Denn die Hotels, in denen sie auf ihren vielen Traumurlauben im Alter wohnen, sind doch durch die Kürzung des Mehrwertsteuersatzes jetzt sooooo viel günstiger. Uuups, da ist ja mal etwas, von dem die Politiker doch betroffen sind.

bjm/news.de

Quellennachweis:

http://www.news.de/wirtschaft/855074612/wen-das-sparpaket-nicht-trifft/1/

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